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Löws Neustart: Terror-Nachwirkungen und Schweinsteiger-Aus

Berlin Löws Neustart: Terror-Nachwirkungen und Schweinsteiger-Aus

Die Anschläge von Brüssel haben nochmals die Bilder von der Terror-Nacht in Paris geweckt. Bundestrainer Löw will sich davon nicht beeindrucken lassen. Der Neustart aber ist schwierig: Schweinsteiger hat sich wieder verletzt - die Zeit wird knapp.

Berlin. Die schlechten Nachrichten für Joachim Löw reißen im EM-Jahr nicht ab.

Für seinen schon wieder am rechten Problemknie verletzten Kapitän Bastian Schweinsteiger beginnt ein neuer Wettlauf um eine rechtzeitige Gesundung, damit der 31 Jahre alte WM-Held von Rio bei der EM im Sommer nochmals eine Rolle im DFB-Team einnehmen kann. „Das ist schon sehr bitter“, sagte Löw zur erneuten Blessur des 31 Jahre alten Mittelfeldspielers, der gerade erst bei Manchester United ein Comeback gefeiert hatte.

Streichen aus seinen WM-Planungen will der Bundestrainer seinen Kapitän aber nicht. „Ich habe Bastian gesagt, dass ich ihn mit Blick auf die EM keineswegs abschreiben werde. Das Turnier findet noch nicht morgen statt. Es ist noch Zeit. Wir müssen heute noch keine Entscheidung fällen. Bastian ist top professionell, seine Einstellung ist vorbildlich. Ich weiß, dass er alles tun wird, um bis zum Turnier wieder fit zu sein.“ Nach einem Innenbandanriss zu Beginn des Jahres erlitt Schweinsteiger im Training mit dem DFB-Team diesmal einen Innenbandteilriss im selben Gelenk. „Ich muss die Situation annehmen, wie sie ist. Und das werde ich auch“, äußerte Schweinsteiger.

Eigentlich wollte die Sportliche Leitung der Nationalmannschaft noch unter dem Eindruck der schrecklichen Terroranschläge von Brüssel wieder die Hoffnung auf einen positiven Fußballabend am Samstag gegen England in den Mittelpunkt rücken. „Wir wollen unseren Fans und den Menschen in Deutschland sagen: Es geht los“, sagte Manager Oliver Bierhoff zur österlichen Marschroute.

Nach den schrecklichen Anschlägen in Paris war das Löw-Team im vergangenen Jahr „mit einem unguten Gefühl“ auseinandergegangen, erinnerte Bierhoff. „Jetzt ist es wichtig, den Countdown einzuläuten“, ergänzte der Manager mit Blick auf die Endrunde in Frankreich. Zunächst aber holten die Anschläge von Brüssel bei Löw und seinen Spielern die bösen Erinnerungen an die Terror-Nacht von Paris und an die anschließende Absage des Länderspiels gegen Holland in Hannover zurück. „Wir lassen uns von den Ereignissen aber nicht beeindrucken“, erklärte DFB-Chefcoach Löw deutlich.

Die Sicherheitsexperten würden alles Mögliche tun, damit gegen die Engländer vor 72 000 Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympiastadion ein friedliches Fußballfest über die Bühne gehen könne. „Wir haben uns bewusst zwei starke Gegner ausgesucht. Es sind keine normalen Freundschaftsspiele gegen England und Italien, da ist natürlich besondere Brisanz drin“, sagte Löw zum Klassiker-Doppelpack als Einstimmung auf den EM-Sommer, der am 10. Juni in Frankreich beginnt. Schweinsteiger wird in den zwei Länderspielen fehlen.

Der Weltmeister hatte sich beim ersten Training in Berlin bei einem Zweikampf verletzt. Er ist der nächste langfristige prominente Ausfall nach Jérôme Boateng (FC Bayern) und Benedikt Höwedes (Schalke), die mit Schweinsteiger im Sommer 2014 in Brasilien den WM-Titel erkämpft hatten. Das Duo steckt bereits in einer längeren Rehabilitation, sollte aber bis zum Turnier fit werden.

Auch wegen der verletzten Leistungsträger muss der Bundestrainer in den ersten Spielen des Jahres einiges probieren. Löw stellte in Aussicht, dass der erstmals eingeladene Leverkusener Abwehrspieler Jonathan Tah in einer der beiden Partien in der Startelf auftauchen könnte. „Er hat ein gutes Zweikampfverhalten in der Defensive, für sein Alter schon ein gutes Stellungsspiel, dazu eine gewisse Ruhe und eine gute Übersicht“, charakterisierte Löw den 20 Jahre jungen Tah.

Darüber hinaus kündigte der Weltmeister-Coach eine Job-Teilung in seinem nach dem Schweinsteiger-Ausfall noch 25-köpfigen Kader an. In ihren Clubs durch internationale Verpflichtungen stark beanspruchte Profis wie Thomas Müller, Mesut Özil, Mats Hummels oder Marco Reus würden „nicht zweimal unbedingt 90 Minuten spielen“, kündigte Löw am Mittwoch an: „Ich bin bereit, nochmals einiges zu testen.“

Der leicht angeschlagene Özil soll wie Karim Bellarabi und Julian Draxler, der am Mittwoch im Amateurstadion von Hertha BSC noch individuell übte, am Donnerstag ins Teamtraining einsteigen.

Bei Mario Götze wollte sich der Bundestrainer noch nicht festlegen für einen Startelfeinsatz gegen England. „Man merkt deutlich, dass ihm Spielpraxis fehlt“, berichtete er von den ersten Eindrücken im Training: „Auf der anderen Seite wollen wir ihm auch helfen.“

Der Finaltorschütze der WM sitzt nach längerer Verletzungspause beim FC Bayern fast nur auf der Bank. Löw lässt an Götzes Rolle in der Offensive des Nationalteams keinerlei Zweifel: „Ich weiß, was er für eine Einstellung hat. Ich plane mit ihm Richtung EM.“

Andere müssen sich in den letzten Wochen vor der Benennung des vorläufigen WM-Kaders am 17. Mai, mit dem Löw sechs Tage später ins Trainingslager nach Ascona (Schweiz) reisen wird, noch anbieten. Es gelte „im Training und im Spiel Ausrufezeichen zu setzen“, sagte Löw.

dpa

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