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Mit 80 plötzlich Untermieter: Der Fall des Joseph Blatter

Zürich Mit 80 plötzlich Untermieter: Der Fall des Joseph Blatter

Wären da nicht die vielen Skandale und Verdachtsmomente - auch um das deutsche Sommermärchen - man könnte mit Joseph Blatter fast Mitleid bekommen. Angesichts des tiefen Falls im hohen Alter. Am Donnerstag feiert der ehemalige FIFA-Boss seinen 80. Geburtstag.

Zürich. Joseph Blatter hat im betagten Alter viel dazulernen müssen. Widerspruch hinzunehmen, zum Beispiel. Auch Anfeindungen und Vorwürfe von Menschen, die er nicht ernst nehmen will, die faktisch aber noch mehr Macht haben als ein FIFA-Präsident.

Wenn der skandalumtoste und aus der Fußballfamilie verbannte Schweizer heute seinen 80. Geburtstag feiert, wird es kein Staatsbankett geben und auch keine offiziellen Grußadressen aus aller Welt. Vom Friedensnobelpreis redet er auch nicht mehr. Ganz privat, im engsten Familienkreis will Blatter den Tag begehen.

„Meine Maxime, die ich aufgestellt habe, ist, dass jeder Tag ein Festtag ist. So werde ich auch meinen Festtag begehen. Ich werde mit meiner Familie eine kleine Tafel haben, mit einer kleinen Hundertschaft“, sagte Blatter der Deutschen Presse-Agentur.

Blatter fühlt sich nicht seelisch verletzt, es gehe ihm gut, er sei fröhlich. Den radikalen Machtverlust zu akzeptieren, fällt aber schwer. „Ich hatte mir das schon anders vorgestellt. Zumindest hätte man mir beim letzten Kongress 'Good bye' sagen können. Das wird man aber nachholen“, sagte Blatter.

Kurz nach der Wahl seines Nachfolgers Gianni Infantino am 26. Februar hatte er der französischen Zeitung „Le Journal du Dimanche“ gesagt: „Ich bin nicht mehr Präsident. Aber ich nehme das französische System an, in dem, wer Präsident war, für immer Präsident bleibt.“

Der Titel bleibt ihm auch noch ein bisschen erhalten. Zumindest seine Vertrauten reden über ihn immer noch als „der Präsident“. FIFA-Chef zu sein, ist eine Lebensaufgabe, von der Blatter wohl nie ganz wird lassen können, auch ohne Amt. Die Realitäten sind andere. Von seinem ehemaligen Arbeitgeber wird Blatter Post bekommen. Eine weitergeleitete Mietrechnung für das Appartement auf dem Zürcher Sonnenberg, das er als Weltverbandsboss kostenlos bewohnen durfte. Mit 80 wird Blatter zumindest kurzzeitig zum Untermieter.

Mit seiner Tochter Corinne, der engsten Vertrauten, laufen die Beratungen, wo Blatter künftig leben will. Die Planungen, ein Hotel zu bauen, sind ad acta gelegt. „Er wird schon einen Spielplatz finden“, heißt es aus seinem Umfeld. Am Kneipenstammtisch im Wallis werde der Präsident, der sein Weltreich verloren hat, nicht enden.

In Visp im Wallis hatte Blatters Leben am 10. März 1936 begonnen. Zwei Monate zu früh kam er auf die Welt, wie er immer wieder erzählte. Kämpfen habe er müssen als Frühchen - und auch die Jahre danach, um sich, kleingewachsen wie er war, zu behaupten. Das Naturell einer „zähen Schweizer Bergziege“ habe er entwickelt.

Noch läuft nicht nur der wohl aussichtslose Kampf vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen die auf sechs Jahre reduzierte Sperre wegen diverser Ethikverstöße. Grund ist die Zahlung von Zwei-Millionen-Franken an seinen einstigen Zögling und heutigen Erzfeind Michel Platini. Bis Mitte April solle die Sache erledigt sein, hofft Blatter. Anhängig sind auch noch die Untersuchungen der Schweizer Bundesanwaltschaft gegen ihn. Auch was das FBI in Washington macht, ist unklar. Dies laste sehr auf Blatter, hört man.

Die Kontakte in die aktuelle FIFA-Führung sind noch gut. „Aus dem Exekutivkomitee melden sich von den alten Mitgliedern, die aus Nord- und Südamerika sind ja alle neu, von den Alten melden sich 50 Prozent regelmäßig.“ Auch die WM in Russland ist ein persönliches Ziel: „2018 werde ich ganz bestimmt dabei sein. Es steht ja die Einladung von Staatspräsident Putin.“

Die Schuldfrage für seine unehrenhaften Abschied aus dem FIFA-Amt und den radikalen Absturz aus seiner eigens kreierten Glitzerwelt ist für Blatter leicht geklärt. Es waren die Anderen. Es war die von ihm selbst geschaffene FIFA-Ethikkommission, die wie einst die Jakobiner in Frankreich jeden auf das Schafott führe. Es waren die Amerikaner, die wegen der WM-Vergabeniederlage gegen Katar einen persönlichen Rachefeldzug gegen ihn führten, dabei habe er die WM 2022 am liebsten in den USA gesehen.

„Heute wäre ich auf einer Insel, im Paradies“, sagte Blatter gerne. Hätte es nicht jenen 2. Dezember 2010 gegeben, als die WM ins Emirat ging - entgegen angeblicher Absprachen im FIFA-Machtzirkel. Schuld daran laut Blatter: Platini, der auf Staatsgeheiß aus Paris für Katar stimmte und mehrere Wahlmänner mitzog. Ohne Katar-WM keine Skandalermittlungen und kein ungebührlicher Blatter-Abschied, so die simple Logik.

Zum Thema Katar kann Blatter durchaus noch einen aufklärerischen Eigenbeitrag leisten, der beim Deutschen Fußball-Bund in Frankfurt hochwillkommen wäre. Wozu brauchte die FIFA wie von Beckenbauer behauptet einen ominösen Vorschuss, um dann den x-fachen höheren Betrag an die deutschen WM-Macher zu entrichten - im Jahr 2002, dem Jahr seiner ersten Wiederwahl als FIFA-Chef? „So lange ich in der FIFA war, hat es so etwas nicht gegeben. Das halte ich für unglaubwürdig und falsch. Das ist abstrus“, sagt Blatter.

dpa

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