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Reformen für FIFA alternativlos - Neue Machtbalancen

Zürich Reformen für FIFA alternativlos - Neue Machtbalancen

Vor zwei Jahren wurden Demokratiereformen von den FIFA-Funktionären abgeschmettert. Nun stehen die Zeichen am Zürichberg auf Wandel. Ohne neue Statuten hätte der skandalumtoste Fußball-Weltverband keine Zukunft mehr. Doch was ändert sich wirklich mit neuen Regularien?

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Wird die FIFA tatsächlich reformiert?

Quelle: Patrick Seeger

Zürich. Die Warnung aus Amerika ist eindeutig. „Wir hoffen, dass der Reformprozess ernst gemeint ist und weitergeht“, sagte US-Justizministerin Loretta Lynch kürzlich beim Weltwirtschaftsforum.

Die Botschaft der Chefanklägerin im Mega-Prozess gegen Fußball-Misswirtschaft ist bei der FIFA vor dem außerordentlichen Kongress am Freitag in Zürich jedenfalls angekommen. Das Szenario eines Scheiterns der Statutenänderung für mehr Demokratie und Transparenz im skandalerschütterten Weltverband will sich keiner vorstellen. Als „alternativlos“ werden die Reformen bezeichnet.

„Ich will nicht am 27. morgens aufwachen und die Reformen sind nicht verabschiedet. Die Reformen müssen einfach bewilligt werden“, sagte Exekutivmitglied Moya Dodd, die sich intensiv für eine demokratischere FIFA engagiert. Allerdings müssen 75 Prozent der 209 Delegierten zustimmen - ein Hauch Unwägbarkeit bleibt und sorgt für Unruhe am Zürichberg.

Durch mehr Gewaltenteilung sollen künftig Korruption und Kungelei verhindert werden. Politische Repräsentation und ökonomische Entscheidungsprozesse sollen dafür entkoppelt werden. Praktisch alle wichtigen Institutionen vom künftigen Präsidenten bis zu den Kommissionen sind von den Veränderungen zumindest formal betroffen.

Ob die Änderungen auch die Kultur der FIFA - und vor allem die ihrer Mitgliedsländer - verändern, muss sich aber erst beweisen. Innerhalb der nächsten Jahre müssen auch die nationalen Verbände ihre Statuten an die neuen FIFA-Regeln anpassen.

Die wichtigsten FIFA-Institutionen und ihre künftigen Funktionen im Überblick:

DER PRÄSIDENT: So viel Macht wie Joseph Blatter soll ein Präsident nie mehr haben. Die Aufgaben seines Nachfolgers sind eher formeller Natur. Politische Repräsentation statt ökonomischer Allmacht soll sein Kernjob sein. Ohne Einfluss ist der neue „P“ aber nicht. Er schlägt dem neuen Council einen Kandidaten für das Amt des künftig mächtigen Generalsekretärs vor und gehört dem Council selber an. Immerhin Dauerregentschaften sind ausgeschlossen. Maximal dreimal vier Jahre kann er bleiben. Sein Gehalt wird veröffentlicht.

DAS COUNCIL: Dieses Gremium tritt an die Stelle des oft kritisierten Exekutivkomitees. Statt 25 Mitglieder hat es 36 - Afrika und Asien stellen prozentual mehr Vertreter als bislang und jede Konföderation muss mindestens eine Frau entsenden. Die Fußball-Weltregierung soll nach dem Vorbild der Struktur eines Wirtschaftskonzerns ein Aufsichtsrat sein, entkoppelt von den Entscheidungen zu Marketing- und TV-Deals, die sie nicht mehr trifft, sondern nur noch überwacht.

Die Mitglieder müssen sich wie der Präsident einem externen Integritätscheck stellen und dürfen maximal dreimal vier Jahre bleiben. Allerdings: Weiterhin wählen die Konföderationen ihre Repräsentanten im Council. Und: aktuelle Mitglieder haben bis Ablauf ihres Mandats Bestandsschutz - ohne Integritätsprüfung.

DER GENERALSEKRETÄR: Der neue starke Mann der FIFA wird auf Vorschlag des Präsidenten durch das Council gewählt. Nur durch dieses kann er von seinem Amt entbunden werden. Er führt die täglichen Geschäfte ähnlich eines Geschäftsführers in einem Wirtschaftsunternehmen. Auch sein Gehalt wird publik gemacht. Seinem Büro gehört ein Chief Compliance Officer an, der die einwandfreie Unternehmensführung prüfen soll.

DIE STÄNDIGEN KOMMISSIONEN: 26 Kommissionen hat die FIFA derzeit. Der Grund: Jedes der 209 Mitgliedsländer möchte in Zürich in offizieller Funktion vertreten sein. Das soll sich ändern. Neun Kommissionen bleiben übrig. In den wichtigen, wie der Finanzkommission oder der Governance Kommission müssen mindestens 50 Prozent der Mitglieder, der Vorsitzende und sein Stellvertreter unabhängige Kandidaten sein. Das genau Prozedere zur Besetzung der Kommissionen muss aber noch festgelegt werden. In diesen Kommissionen wird die tägliche Arbeit gemacht. Der externe Einfluss soll Kungelei verhindern.

DER KONGRESS: Die Vollversammlung der 209 Mitgliedsländer bleibt von den Reformen praktisch unberührt. Sie wählt auch weiterhin den Präsidenten und entscheidet über Veränderungen in der FIFA-Verfassung, den Statuten. Das Parlament bekommt künftig noch eine wichtige Aufgabe hinzu. Der WM-Gastgeber wird durch das Gremium bestimmt. Das ist schon beschlossene Sache und unabhängig von der Entscheidung am Freitag. Neu ist eine sogenannte Jahreskonferenz aller Mitgliedsverbände unabhängig von der Kongress-Sitzung, die normalerweise im Mai oder Juni stattfindet.

DIE KONTROLLINSTANZEN: Ethikkommission, Compliance-Abteilung, Disziplinarkommission und das Berufungskomitee - also alle Abteilungen, die rechtliche Belange klären - sollen künftig komplett unabhängig aufgestellt sein. Bislang wird zum Beispiel die viel beschäftigte Ethikkommission zwar von unabhängigen Juristen geleitet, ihre Mitglieder kommen allerdings aus der sogenannten Fußball-Familie von Papua-Neuguinea bis Guam.


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dpa

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