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Von Abstiegskampf und Reiseverbot: Brisantes Hessenderby

Darmstadt Von Abstiegskampf und Reiseverbot: Brisantes Hessenderby

Darmstadt 98 und Eintracht Frankfurt treffen im Hessenderby der Fußball-Bundesliga aufeinander. Dabei geht es längst um viel mehr als nur drei wichtige Punkte gegen den Abstieg.

Darmstadt. Darmstadt 98 gegen Eintracht Frankfurt - das war noch vor ein paar Monaten nur etwas für Nostalgiker, die sich noch an die wenigen Duelle vor mehr als 30 Jahren erinnern konnten.

Am Samstag spielen beide Vereine wieder gegeneinander, aber auf einmal ist dieses Hessenderby eines der brisantesten Spiele der gesamten Bundesliga-Saison. Es geht um die Frage, welcher der beiden Nachbarn womöglich absteigen muss und wer drinbleiben darf in Liga eins. Die Eintracht ist zwar immer noch Vorletzter, hat aber seit dem vergangenen Wochenende „nur“ noch fünf Punkte weniger als der Aufsteiger.

Es geht, beinahe noch mehr, um Fragen der Sicherheit. Denn weil die Frankfurter Fans nach einem wenig weitsichtigen Urteil des DFB-Sportgerichts nicht ins Stadion am Böllenfalltor dürfen, befürchten nun viele, dass rund 3000 dieser Anhänger irgendwo anders in der Stadt randalieren könnten. Die Polizei steht vor einem Großeinsatz.

Und so geht es nicht zuletzt auch um die Frage, wie weit der Staat angesichts solcher Befürchtungen gehen darf. Die Stadt Darmstadt und Polizei verhängten für alle Frankfurter Fans ein Innenstadtverbot, das von Freitagabend bis Sonntagfrüh gilt. Diese höchst umstrittene Entscheidung wurde zwar vom Verwaltungsgericht wieder gekippt. Am Freitagnachmittag verkündete die Stadt dann aber, dass ihre Verfügung nur für jene sechs Personen nicht mehr gelte, die erfolgreich dagegen Einspruch eingelegt hatten. Für alle anderen Eintracht-Anhänger ist die Darmstädter City nach wie vor eine Sperrzone.

Dieses Derby ist damit schon völlig aus den Fugen geraten, bevor es überhaupt angepfiffen wird. Darmstadts Präsident Rüdiger Fritsch ist Rechtsanwalt von Beruf, er hat in dieser Woche gleich mehrfach mit dem Kopf geschüttelt. „Für mich ist es rätselhaft, woher der Hass in der Szene kommt“, sagte er der „FAZ“. Es gebe ja zwischen beiden Clubs „keine große Derby-Geschichte. Es ist schade, dass man sich als Verein mit diesen Dingen auseinandersetzen muss.“

Die Eintracht ist kraft ihrer Vergangenheit ein Club, der sich immer noch für größer hält, als er eigentlich ist. Die Darmstädter dagegen machen sich gern noch kleiner, als sie als Fußball-Bundesligist längst sind. Beide sind sich einig in ihrer Abneigung gegen die Offenbacher Kickers. Aber die jetzt so beschworene Rivalität zwischen Frankfurt und Darmstadt hat es eigentlich nie gegeben. Sie ist von einigen Fans erst künstlich aufgebaut und dann immer weiter eskaliert worden. Während des Hinspiels (1:0 für die „Lilien“) brannten im Frankfurter Fanblock Darmstädter Fahnen. Dies und das Urteil des Sportgerichts haben die Stimmung so aufgeheizt, wie sie jetzt ist.

Beiden Clubs gebührt das Verdienst, diese Stimmung nicht noch weiter geschürt zu haben. „Wir wollen ein friedliches Derby. Unsere Aufforderung ist, Provokationen zu vermeiden“, sagte Eintracht- Vorstand Axel Hellmann. „Wir haben kein Verständnis für jemanden, der gewaltbereit oder in einer aggressiven Absicht nach Darmstadt fährt.“

Das Spiel ist allein in sportlicher Hinsicht schon brisant genug. Man stelle sich vor: Die Eintracht verliert am Samstag. Sie müsste dann ihrem kleinen Nachbarn dabei zusehen, wie der einen in diesem Fall fast schon sicheren Ligaverbleib feiern würde, während die eigenen Chancen darauf nur noch rein theoretisch wären. Eine größere Demütigung ist aus Frankfurter Sicht kaum vorstellbar.

Ein anderes Szenario ist aber: Die Eintracht gewinnt in Darmstadt, verlässt zumindest vorerst ihren direkten Abstiegsplatz und zieht die „Lilien“ wieder ganz tief unten hinein. „Darmstadt ist jetzt fünf Punkte vor uns. Aber Darmstadt weiß auch: Wenn wir morgen gewinnen, dann sind wir bis auf zwei Punkte dran. Dann kann es für sie noch einmal eng werden“, meinte Frankfurts Trainer Niko Kovac.

Auch die „Lilien“ haben registriert, dass sie bei einem ungünstigen Verlauf doch noch etwas zu verlieren haben in dieser bislang so grandiosen Saison. 31 Spieltage lang standen sie nie auf einem Abstiegsplatz. Doch Präsident Fritsch warnte gegenüber dem „Darmstädter Echo“: „Wir sehen die Zielfahne, aber jeder weiß, dass das noch nichts hilft. Man muss auch über die Ziellinie drüber.“

dpa

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