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„Vorgaben umgesetzt“: Löw glückt Neustart

Oslo „Vorgaben umgesetzt“: Löw glückt Neustart

Schon nach Spiel eins des Quali-Marathons lässt Bundestrainer Löw keine Zweifel daran, wer das Direktticket nach Russland löst. Das 3:0 gegen Norwegen verstärkt die System- und Effizienzdebatten.

Oslo. Das Ende der ersten Dienstreise mit dem Finalziel Moskau erlebte Joachim Löw schon gar nicht mehr im Kreise seines Siegerteams um den ausgewiesenen WM-Spezialisten Thomas Müller.

Der Bundestrainer entließ die deutschen Fußball-Nationalspieler noch in Oslo mit den besten Wünschen zu ihren Vereinen, ehe er selbst direkt aus Norwegen in seinen neuen Hauptwohnsitz nach Berlin reiste.

Der Rückflug der DFB-Chartermaschine nach Frankfurt verlief derweil ebenso komplikationslos wie das 3:0 zum Auftakt der WM-Qualifikation im Ullevaal-Stadion. In ihren nationalen Fußball-Ligen und an den ersten zwei Champions-League-Spieltagen sollen Müller, Kroos, Özil, Khedira und Co. ihre beachtliche Frühform verfeinern, um dann im Oktober in den Heimspielen gegen Tschechien und Nordirland einen riesigen Schritt zur Weltmeisterschaft 2018 zu machen.

Löw hat schon nach dem ersten von zehn Ausscheidungsspielen keine Zweifel daran, wer in Gruppe C das einzige Direktticket nach Russland lösen wird. „Ich glaube, dass Tschechien, Nordirland und Norwegen sicherlich alles versuchen werden, den zweiten Platz zu erreichen - nach Deutschland“, verkündete der Bundestrainer, als er kurz vor Mitternacht in den Katakomben der Arena in Oslo ganz entspannt über den Start in die WM-Qualifikation sprach. „Die Mannschaft hat die Vorgaben gut umgesetzt“, lobte der 56-Jährige sein Weltmeister-Ensemble. Es sei „souverän und seriös“ aufgetreten.

Anders als in der holprigen EM-Qualifikation hat der Favorit gleich ein klares Signal in die Welt gesendet. „Wir haben das von A bis Z ganz gut durchgezogen“, urteilte Bayern-Angreifer Müller, der den Übergang von der Europameisterschaft in den neuen Zweijahres-Zyklus am besten symbolisierte. Nach seiner rätselhaften Torflaute bei der EM in Frankreich ballerte der 26-Jährige gleich wieder los. „Es ist ja wieder WM-Zeit“, bemerkte Löw launig. Joshua Kimmich rundete mit seinem Premierentor im Nationaltrikot den gelungenen Neustart ab.

„Unser Ziel war, von vorneherein Richtung Platz eins zu marschieren. Mit einem Auswärtssieg in Norwegen haben wir ein Zeichen gesetzt“, erklärte Müller. Die titellose EM haben Löw und seine Mannschaft schnell hinter sich gelassen. Es herrscht wieder Aufbruchstimmung.

Die mit dem emotionalen Abschied von Bastian Schweinsteiger eingeleitete Länderspielwoche hat der Bundestrainer genutzt, um den Fokus rasch nach vorne zu richten. Es fehlten immerhin in Oslo etliche Spieler, angefangen bei den EM-Stammkräften Jérôme Boateng und Mario Gomez über Marco Reus, Ilkay Gündogan und André Schürrle bis Antonio Rüdiger, Leroy Sané, Emre Can und Kevin Volland.

Löw hat gleich neue Perspektivkräfte wie Max Meyer, Julian Brandt und Niklas Süle (alle 20) herangeführt und damit den Konkurrenzkampf neu entfacht. Gegen Norwegen gab es zudem erste Fortschritte beim Top-top-Thema Torausbeute. „Bei der EM fehlten die Effizienz und die Konsequenz im Abschluss“, erinnerte Löw: „Diesmal waren wir im Sechzehner präsent. Es waren immer drei, vier Spieler da, die in den Abschluss wollten. Die Tore waren dann irgendwie fällig.“

Müller personifizierte diese positive Wandlung. Und Teammanager Oliver Bierhoff nutzte den ersten positiven Trend für eine scharfe Analyse. „Ich glaube, dass wir in den letzten Jahren zu systemverliebt und auch systemfixiert waren.“ Nach Jahren des Ballbesitzwahns rücken die eigentliche Ziele des Fußballs wieder in den Vordergrund: Tore erzielen, Spiele gewinnen. Dafür brauche es Spezialisten. „Das kann meistens jemand, der auch als Stürmer ausgebildet worden ist“, sagte der ehemalige Torjäger Bierhoff deutlich zu den Diskussionen um falsche und richtige Neuner.

Auch Müller mahnte ein Umdenken und eine Weiterentwicklung an. „Wir haben viele Spieler, die gerne den Extrapass spielen, anstatt den Ball über die Linie zu bugsieren“, sagte der Angreifer: „Das ist auch eine Typfrage, da haben wir vielleicht ein kleines Problem.“

Die Norweger waren zu unbedarft, um dem Weltmeister Probleme zu bereiten. Das könnte sich am 8. Oktober in Hamburg ändern, wenn es gegen Tschechien geht, das zum Start allerdings nicht über ein 0:0 gegen die Nordiren hinauskam. „Ich glaube, dass die Tschechen die Mannschaft sein werden, die von ihren Fußballern und ihrer Erfahrung her der hartnäckigste Gegner sein werden“, meinte Löw.

Die Aussichten aber stehen gut, dass bis zum Jahresende die Zielvorgabe des neuen Kapitäns erfüllt wird. „Wir streben bis Weihnachten vier Siege an“, forderte Torhüter Manuel Neuer. Norwegen ist schon mal erledigt. Es warten die Mittelgewichte Tschechien und Nordirland, ehe zum Abschluss der Fußballzwerg San Marino folgt.

dpa

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