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„Zu jung, um nichts zu tun“ - Augenthaler in der Provinz

Donaustauf „Zu jung, um nichts zu tun“ - Augenthaler in der Provinz

Leverkusen, Wolfsburg, Unterhaching - das waren Klaus Augenthalers vergangene drei Stationen als Coach. Nach knapp fünf Jahren ohne Trainerjob ist der 58-Jährige nun zurück, in der Landesliga beim SV Donaustauf. Eine Umstellung, die ihm nicht ganz leicht gefallen ist.

Donaustauf. Beim Schlusspfiff jubeln gut 250 Fans, ballen die Fäuste, lachen, klatschen sich ab. Klaus Augenthaler, Weltmeister von 1990, steht in dem Moment von seinem knarzenden Stuhl auf, blickt etwas mürrisch, klatscht ein paarmal in die Hände und betritt langsam den Platz.

Später wird er sagen, dass er so ein „Gegurke“ wie das 2:0 seines SV Donaustauf gegen Neukirchen nicht noch einmal sehen will. Aber Augenthaler erkennt natürlich auch: „Es ist nichts anderes als im Profibereich: Es zählt nur das Ergebnis und die Tabelle.“ Nach gut zwei Monaten als Trainer beim Oberpfälzer Landesligisten weiß der ehemalige Weltstar genau, auf was es ankommt in der Fußball-Provinz.

Eine Umstellung war der Wechsel in die sechsthöchste Spielklasse für den früheren FC-Bayern-Profi und Bundesliga-Trainer dennoch. „Ich war es eigentlich immer gewöhnt, beste Trainingsbedingungen zu genießen. Hier teilen wir uns den Platz mit der zweiten Mannschaft, der Altherren-Mannschaft und zehn Jugendteams. Das ist natürlich schon etwas schwierig“, erzählt Augenthaler der Deutschen Presse-Agentur.

Auch sei der Umgang mit den Kickern ein völlig anderer. „Wenn sich ein Spieler meldet und mir sagt, dass er mit seinem Vater Holz machen muss oder seine Tante Geburtstag hat - dann muss ich eben immer wieder ein Auge zudrücken“, erzählt Augenthaler und schmunzelt. Der Hype um seine Person sei ihm „eigentlich zu viel. Aber ich muss damit umgehen und versuchen, den Druck von der Mannschaft fernzuhalten.“

Seinem Ansehen im Teams scheint das nicht zu schaden. „Er ist sehr nahbar und zeigt überhaupt keine Allüren“, sagt Kapitän Andreas Vilsmaier. „Er greift richtig ins Trainingsgeschehen ein. Man merkt einfach, dass er immer noch Fußballer durch und durch ist.“ Abteilungsleiter Lothar Rengsberger beobachtete seit dem Einstieg von Augenthaler einen „Ruck durch die gesamte Fußballabteilung“ und spricht von einer „Riesensache für unseren kleinen Sportverein“.

Nach Stationen in München, Graz, Nürnberg, Leverkusen, Wolfsburg und Unterhaching hatte der einstige Libero eigentlich mit dem Trainerjob abgeschlossen. Anfragen aus dem Ausland habe es viele geben, sagt Augenthaler, doch er lehnte jedes Mal ab - er wollte nicht ins Ausland. „Ich war zufrieden mit dem Leben, das ich hatte.“

Der Kontakt zu Donaustauf habe sich zufällig über einen ehemaligen Jugendspieler ergeben. Dass er ein halbes Jahr später tatsächlich auf der Trainerbank der Oberpfälzer sitzt, hat auch mit einer persönlichen Einsicht zu tun. „Ich bin noch zu jung, um nichts mehr zu tun“, sagt der ehemalige Profi, der inzwischen 58 Jahre alt ist.

Bislang profitierten beide Seiten von der Entscheidung: Nach zehn Spielen rangiert der SV Donaustauf auf dem sechsten Tabellenplatz nur drei Punkte hinter dem Spitzenreiter. Positiv fällt auch Augenthalers Zwischenfazit aus: „Der Verein ist unwahrscheinlich bemüht, mir alle Wünsche zu erfüllen.“ Das betreffe die Neuzugänge - zwölf an der Zahl, darunter zwei Brasilianer - sowie die Ansprüche des Clubs an den Star-Trainer. Man habe ihn nicht unter Druck gesetzt und erwarte in dieser Spielzeit „keinen Durchmarsch in die Bayernliga“ - auch wenn dieser Sprung das erklärte Ziel für die nächste Saison ist.

Augenthaler, der auch ein Pate der Leukämiehilfe Ostbayern ist, hat einen Vertrag bis Saisonende. Er könne sich aber durchaus vorstellen, hier in den nächsten „zwei bis drei Jahren“ etwas aufzubauen.

dpa

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