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Der schwere Weg von Biathletin Miriam Gössner

Auf ein Neues Der schwere Weg von Biathletin Miriam Gössner

Tiefschläge hat Miriam Gössner in den vergangenen drei Jahren zur Genüge eingesteckt. Die als legitime Nachfolgerin von Magdalena Neuner gehandelte Biathletin musste mit ansehen, wie andere an ihr vorbeizogen. Aber die Kämpferin Miriam Gössner gibt nicht auf.

Das Problem von Miriam Gössner ist immer noch das Schießen.

Quelle: Hendrik Schmidt

Leipzig. Auf diese ganz persönliche Frage antwortete Miriam Gössner mit einem lauten Lachen. „Genau aus dem Grund wird nicht geheiratet, weil jeder nur drauf wartet“, sagte die Biathletin, angesprochen auf ihren großen Moment bei der Hochzeit von Fußball-Weltmeister Bastian Schweinsteiger.

Denn Gössner fing in Venedig den Brautstrauß von „Schweinis“ Frau Ana. Jetzt fragen viele: Wann heiratet sie denn nun ihren Freund Felix Neureuther?

„Wir heiraten dann, wenn wir es beide wollen. Wir sind, so wie es ist, sehr glücklich, und es gibt keinen Grund, daran was zu ändern“, erzählt die 26-Jährige entspannt. „Und noch dazu wäre es ziemlich schwierig, weil wir uns so selten sehen.“

Denn Alpin-Ass Neureuther geht wie seine Freundin erneut im Weltcup an den Start. Doch während er in der Vergangenheit Erfolge feierte, durchlebt Gössner seit drei Jahren schwierige Zeiten. Erst ihr folgenschwerer Mountainbike-Unfall im Mai 2013, dann der tränenreiche Olympia-Verzicht 2014 und das kraftraubende, aber bisher erfolglose Comeback. Bitterer Höhepunkt in der Vorsaison war die Ausbootung bei ihrer „Heim-WM“ in Oslo. Gössners Mutter kommt aus Norwegen, das Land ist ihre zweite Heimat.

Den Tiefschlag versuchte die Garmischerin in einem Urlaub in Thailand zu verarbeiten. „Ich habe nicht gerade die leichtesten Jahre hinter mir“, bekannte die dreifache Weltcupsiegerin. „Dieses Jahr habe ich das Gefühl, dass es schon wieder ein gutes Stück vorwärts gegangen ist. Ich bin zuversichtlich, dass es alles langsam wieder passt.“ 

Physisch sei sie „einen Schritt weiter als letztes Jahr“, berichtete die zweimalige Staffel-Weltmeisterin. Ihr Problem ist und bleibt aber das Schießen. Da kam sie als schlechteste Deutsche im Vorjahr nur auf eine indiskutable Trefferquote von 69 Prozent. Weltmeisterin Laura Dahlmeier traf 91 Prozent ihrer Schüsse. Deshalb ging Gössner einen neuen Weg: Sie ließ sich nach neun Jahren einen neuen Schaft bauen, und diesmal nicht von Deutschlands Büchsenmacher Sandro Brislinger.

„Ich wollte für mich mal was Neues, für meinen Kopf, quasi einen kleinen Neustart“, erklärte Gössner ihre Beweggründe. Der neue Waffenschaft ist ein Stück kürzer als der alte. „Im Training funktioniert es schon ganz gut, unter Wettkampfbedingungen hatte ich immer noch mal Probleme. Ich hoffe, dass es bald gut funktioniert“, sagte Gössner: „Es gibt keinen, der sich mehr ärgert als ich selber.“ Bundestrainer Gerald Hönig sagte: „Dort werden wir weiter viel Arbeit haben.“

Immer wieder hört man, Gössner solle doch angesichts ihrer permanenten Schießprobleme zum Langlauf zurückkehren. Das schließt sie jedoch aus: „Langlauf ist schon noch ein Thema, würde mir brutal viel Spaß machen. Aber jetzt konzentriere ich mich auf Biathlon.“

Für den ersten Weltcup in Östersund ist sie gesetzt, danach will Hönig die Durchlässigkeit im Team erhöhen. Dass Langläuferin Denise Herrmann nach ihrem Umstieg eine weitere Konkurrentin werden könnte, interessiert Gössner nicht. „Ich laufe nicht gegen die anderen, sondern gegen mich selber. Ich versuche, meinen Job zu machen - und zwar gut. Deshalb ist es egal, wer da neben mir läuft.“

Für die neue Saison will Gössner noch keine konkreten Ziele formulieren. Wann wäre sie mit sich im Reinen? „Wenn die Sachen, die ich mir vorgenommen habe, gut geklappt haben, bin ich zufrieden. Aber ich werde jetzt nicht erzählen, was das ist. Das mache ich auch nicht an irgendwelchen Platzierungen fest. Das habe ich noch nie gemacht.“

Gössner hatte sich bei dem Unfall vier Lendenwirbel angebrochen und war knapp einer Querschnittlähmung entgangen. Ihr Rücken wird aber auch in Zukunft keine Ausrede sein. „Es ist immer noch nicht so ganz bei 100 Prozent, mein Rücken wird ein Leben lang die Schwachstelle in meinem Körper sein. Aber es gibt gar nichts, wo ich jetzt ein Drama drum machen will. Es ist alles gut und wird immer besser.“

dpa

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