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Diskus-Krimi: Robert Harting holt Olympia-Ticket

Kassel Diskus-Krimi: Robert Harting holt Olympia-Ticket

Robert Harting ist auf dem Weg nach Rio. Mit seinem neunten Meistertitel lässt der Diskus-Olympiasieger alte Klasse aufblitzen. Dank der Normenflut hat der DLV nun ein „Luxusproblem“: Nach Amsterdam wird wohl das größte Team der EM-Geschichte reisen.

Kassel. Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting hat die Konkurrenz wie in alten Zeiten aus dem Ring gefegt und sich mit seinem neunten Meistertitel auf Anhieb das Olympia-Ticket für Rio gesichert.

Doch vor der Reise an den Zuckerhut fürchtet der Diskus-Riese eine kleine Mücke. „Wir haben uns auch schon viele Fragen gestellt“, sagte Harting nach seinem Triumph bei der deutschen Meisterschaft zum Zika-Virus. „Man darf ja nicht vergessen, dass das nachhaltig im Körper hängen bleibt. Das ist halt das Problem. Man trägt das mit, man führt das auch wieder nach Europa, das ist eine superschwierige Situation“, sagte Harting.

In Kassel steigert sich der Berliner in einem wahren Finalkrimi auf glänzende 68,04 Meter und fing seinen jüngeren Bruder Christoph (66,41) im letzten Versuch noch ab. „Hatte ich ein Glück! Mir glühte der Hintern im letzten Versuch“, sagte der 31-Jährige nach dem spannendsten Wettbewerb der deutschen Leichtathletik- Meisterschaften in Kassel.

Fünf deutsche Diskuswerfer haben die Olympia-Norm erfüllt - Robert Harting ist als deutscher Meister nun als einziger für die Sommerspiele am Zuckerhut gesetzt. Deshalb will der dreimalige Weltmeister auch wie angekündigt auf einen Start bei den Europameisterschaften in Amsterdam (6. bis 10. Juli) verzichten. „Wenn ich darf, vom Verband aus. Aber das darf ich schon“, meinte Harting, der zu Hause lieber seinen Trainingsrückstand aufholen will.

„Ich fahre jetzt eine G-Klasse und keinen Formel-1-Boliden mehr“, sagte der Sieger mit Blick auf den Trainingsrückstand und sein immer noch schmerzendes rechtes Knie. „Wenn ich die anderen überholen soll, muss schon Gelände kommen.“ Hinter Harting entbrennt nun ein Vierkampf um zwei Rio-Tickets. Dritter in Kassel wurde vor den 15 200 Zuschauern im Auestadion der Wattenscheider Daniel Jasinski (65,18).

Bei ihrer Leistungsschau haben die deutschen Asse erste Signale für Olympia gesetzt, und für die EM in Amsterdam gibt es jetzt schon mehr Kandidaten als Startplätze. „Wir haben ein Luxusproblem bei der Nominierung“, sagte DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska angesichts der Tatsache, dass in etwa zehn Disziplinen schon vor den Titelkämpfen mindestens drei Athleten die Olympia-Norm für die Sommerspiele in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) erfüllt hatten. Allerdings wurden die Nominierungsvorgaben Ende 2015 auch erheblich gelockert.

Knapp zwei Monate vor Olympia am Zuckerhut haben die Chefplaner im Deutschen Leichtathletik-Verband nun die Qual der Wahl. Am kommenden Mittwoch wird zunächst das Team für Amsterdam nominiert - es könnte die größte deutsche Nationalmannschaft in der EM-Geschichte werden. Von „100 bis 110 Athleten“ geht der Verband derzeit aus, informierte DLV-Teammanager Siegfried Schonert am Sonntag. Priorität haben traditionell die deutschen Meister mit erfüllter Norm.

Gleich fünf Speerwerfer überboten in einem hochklassigen Wettkampf die 80 Meter, der Jenaer Thomas Röhler sorgte bei seinem Favoritensieg mit 86,81 für eine der hochkarätigsten Leistungen der Titelkämpfe. Auch Stabhochsprung-Meisterin Martina Strutz überzeugte mit 5,70 Metern.

Mit der Weltjahresbestleistung von 66,41 Metern holte sich Speerwerferin Christin Hussong ihren ersten DM-Titel. Die WM-Sechste vom LAZ Zweibrücken gewann mit großem Abstand vor Weltmeisterin Katharina Molitor (62,86 Meter) und ist für Rio gesetzt.

Gleich sechs Diskuswerferinnen hatten vor Kassel die Olympia-Norm erfüllt - die WM-Dritte Nadine Müller holte sich den Titel am Samstag gleich im ersten Versuch: Die Hallenserin gewann mit 65,79 Metern vor Robert Hartings Freundin Julia Fischer (63,94). „Ich träume noch nicht von einer Olympia-Medaille, aber ich kann mit dem Titelgewinn ruhiger schlafen“, sagte Müller.

In Kassel trumpften viele Favoriten und Seriensieger auf: Kugelstoß-Ass David Storl gewann mit 20,75 Metern - sein sechster Titel in Serie. Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz kommt nach langer Zwangspause langsam in Fahrt: Mit 19,49 Metern holte sich Storls Trainingskollegin ihren fünften Titel.

Julian Reus wurde zum vierten Mal in Serie 100-Meter-Meister. Der Wattenscheider gewann bei Gegenwind in 10,30 Sekunden. Tatjana Pinto (Paderborn) siegte in 11,22 Sekunden. Mit ihrem elften Titel verabschiedete sich die frühere Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler von den deutschen Meisterschaften .

dpa

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