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Doping-Kontrollsystem auf dem Prüfstand

Rio de Janeiro Doping-Kontrollsystem auf dem Prüfstand

Auch wenn Russland gerade in beispielloser Manier am Doping-Pranger steht: Kaum jemand verschließt die Augen davor, dass auch andere Länder erhebliche Probleme haben, ihr Sportler zu überwachen.

Rio de Janeiro. Nach dem eklatanten Versagen des Anti-Doping-Kampfes im Fall Russland soll das Kontrollsystem generalüberholt werden.

„Das System ist derzeit nicht schlecht, aber es kann verbessert werden“, sagte Craig Reedie als Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur auf der 129. Session des Internationalen Olympischen Komitees und wies zugleich den von IOC-Präsident Thomas Bach geäußerten Vorwurf zurück, die WADA habe zu spät reagiert.

Handlungsbedarf besteht aber trotzdem, so sieht es auch Leichtathletik-Weltverbandspräsident Sebastian Coe. Nach dem Ausschluss der russischen Leichtathleten von den am Freitag beginnenden Olympischen Spiele in Rio de Janeiro müssten auch bei anderen Ländern Maßnahmen getroffen werden. „Wir müssen nun auch sehen, dass andere Verbände - zum Beispiel die von Kenia und Äthiopien - in die richtige Richtung arbeiten“, sagte der IAAF-Chef der „Sport Bild“.

Bei der Entscheidung sei er nicht unter Druck gesetzt worden. „Ich bin stolz darauf, Präsident einer Organisation zu sein, die so klar für das Startverbot russischer Leichtathleten in Rio entschieden hat“, sagte Coe, der die Sportler aufforderte, im Kampf gegen Doping mutig zu sein. „Wenn sie einen Verdacht haben, dass jemand betrügt, dann müssen sie auch den Mut haben, das zu melden.“

Im Fall Russland stellten IOC und WADA ihren Streit vorläufig ein. Laut Reedie hätte seine Agentur kaum anders handeln können. Erst als russische Informanten an die WADA herangetreten seien, hätten die nötigen Beweise gesammelt werden können. Reedie verteidigte, dass der sogenannten McLaren-Report so kurzfristig vor den Sommerspielen in Rio veröffentlicht worden sei. Der Bericht des unabhängigen Ermittlers Richard McLaren sei so schockierend, dass die Ergebnisse nicht hätten zurückgehalten werden können.

Derzeit versuchen die internationalen Sportfachverbände in Zusammenarbeit mit dem Sportgerichtshof CAS und dem IOC die russischen Sportler zu bestimmen, die am Freitag bei der Eröffnungsfeier der Rio-Spiele einmarschieren könnten.

Wie für Coe ist auch für Reedie bei einer Reform des Anti-Doping-Systems entscheidend, dass Informanten, sogenannte Whistleblower, bestärkt werden, ihr Wissen den Fahndern anzuvertrauen.

Einige Athleten wie Paul Biedermann blenden das Thema vor den Wettkämpfen in Rio aus. „Ich versuche mich nicht damit zu beschäftigen, das hilft mir nicht, schnell zu schwimmen“, sagte Biedermann in Rio. Er habe seine Konkurrenten Sun Yang aus China und den Südkoreaner Park Tee-Hwan gesehen und mit ihnen ein paar Worte gewechselt. Doch dabei ging es nicht um deren abgelaufene Dopingsperren.

Für Wasserspringer Patrick Hausding wäre eine Olympia-Sperre der kompletten russischen Mannschaft richtig gewesen. „Für mich ist keine andere Strafe gerechtfertigt“, sagte der Rekord-Europameister. Hausding sprang seinem Freund und Diskuswurf-Olympiasieger Robert Harting in dessen Kritik an IOC-Präsident Bach bei. „Ich kann ihn irgendwo verstehen.“

Auf der Hauptversammlung, der Session, stützten 85 der derzeit 90 IOC-Mitglieder Bachs Kurs, nur der Brite Adam Pengilly stimmte dagegen. Der deutsche IOC-Präsident stellte noch einmal klar, dass das IOC die WADA nicht zerstören wolle. Er zeigte sich offen, das Thema Doping auf einer außerordentliche Session zu beraten.

Die Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG) kritisierte Bach für die Entscheidung, eine russische Mannschaft starten zu lassen. DOG-Präsident Peter von Löbbecke erklärte: „Thomas Bach hat (...)  der Vorbildfunktion des Sports schweren Schaden zugefügt.“ Die DOG gehört zum Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und wirbt für die olympische Idee in Deutschland.

dpa

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