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Freunds Höhenflug beflügelt Traum vom Tournee-Triumph

Oberstdorf Freunds Höhenflug beflügelt Traum vom Tournee-Triumph

Erstmals seit 2002 reist wieder ein deutscher Skispringer als Gewinner zum Neujahrsspringen der Vierschanzentournee. Mit dem Erfolg in Oberstdorf sorgt Severin Freund für Euphorie bei den Fans. Der Weltmeister selbst bleibt cool.

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Severin Freund will bei der Vierschanzen-Tournee weiter Druck machen.

Quelle: Daniel Karmann

Oberstdorf. Zu später Stunde spendierte Severin Freund dem kompletten Tross im Team-Hotel eine Runde Bier, dann begann für den gefeierten Tournee-Auftaktsieger schon die Vorbereitung auf das Neujahrsspringen.

„Ich bin noch nicht da, wo ich bei der WM war. Aber das Potenzial ist da. Jetzt geht es darum, das in Garmisch-Partenkirchen auf die Schanze zu bringen“, formulierte der Skisprung-Weltmeister ganz cool sein Ziel für den zweiten Wettbewerb.

Im Kampf um die Tournee-Krone plant der deutsche Hoffnungsträger am Fuße der Zugspitze die nächste sportliche Attacke auf Topfavorit Peter Prevc aus Slowenien. „Wenn wir ihn schlagen wollen, müssen wir weiter Druck auf ihn ausüben. Wir haben sein Selbstvertrauen etwas angekratzt“, erklärte Bundestrainer Werner Schuster den ebenso simplen wie schwer umzusetzenden Plan.

Trotz des umjubelten Erfolges von Freund im ersten Tournee-Wettbewerb sieht er Prevc, der einen Rückstand von 7,3 Punkten hat, im Kampf um den Gesamtsieg immer noch leicht im Vorteil. „Er ist ein Kämpfer, der sofort zurückschlagen kann. Wenn der Severin eine Chance haben will, muss er technisch so springen wie im zweiten Durchgang von Oberstdorf“, sagte Schuster.

Freund sieht der Herausforderung auf der ungeliebten Olympiaschanze gelassen entgegen. Immerhin ist er dort vor einigen Wochen deutscher Meister geworden. „Ich denke, mit dem Sieggefühl und den Trainingssprüngen, die ich im Sommer dort gemacht habe, geht es leichter als in den Vorjahren“, sagte der 27-Jährige.

Schusters Vertrauen in seinen Frontmann ist jedenfalls riesig. „Severins spezieller Charakterzug ist, dass er mit jedem Erfolg mental stärker wird. Im Unterschied zu anderen Sportlern, die in ein tiefes Loch fallen, wenn sie ihr Ziel erreicht haben, wird er freier“, lobte Schuster. „Das hat ihm geholfen, den Druck beiseitezuschieben und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.“

Der Rausch nach dem ersten deutschen Triumph in Oberstdorf seit Sven Hannawald vor 13 Jahren war bei Freund daher schnell verflogen. „Es war etwas Besonderes, am Ende aber doch nur ein Weltcupsieg. Allerdings ein sehr schöner, der mit etwas mehr Emotionen belegt sein wird“, wertete der Bayer den 21. Einzelerfolg seiner Karriere. „Er ist ein Profi und weiß, dass die Show weitergeht“, sagte Teamkollege Andreas Wank über Freund.

Der Gänsehautmoment, als ein Großteil der 25 500 Fans in der ausverkauften Arena bei der Siegerehrung die deutsche Nationalhymne mitsang, wird Freund aber wohl ewig in Erinnerung bleiben. „Das war unglaublich, einfach grandios“, schilderte er seine Gefühle.

Auch andere ließen sich von der Euphorie mitreißen. „Atmosphärisch war es das bewegendste Springen, das ich je erlebt habe. Jetzt haben wir schon mal einen Auftaktsieg“, frohlockte der sportliche Leiter Horst Hüttel.

Der Erfolg sorgt auch bei den Fans für Begeisterung, denn die Sehnsucht nach dem ersten deutschen Gesamtsieg seit Hannawalds Grand Slam 2001/02 ist groß. Mehr als fünf Millionen Menschen fieberten am Dienstagabend vor dem Fernseher mit, als Freund die lange Durststrecke in Oberstdorf beendete und einen Run auf die Tickets für das Neujahrsspringen auslöste. Nur noch 3000 Karten sind verfügbar, teilten die Veranstalter mit. „Es ist sehr, sehr schön, wenn man die Wünsche der Leute erfüllen kann“, sagte der deutsche Schanzenstar.

Seit Jahren versuchen Freund & Co., sich von ihrer überragenden Vorgängergeneration um Hannawald und Martin Schmitt zu emanzipieren. Nun sind sie auf dem besten Weg, dies endgültig zu schaffen. „Es ist eine Riesenbelastung, immer wieder verglichen zu werden. Das macht es nicht leichter. Umso wertvoller ist es, was dem Severin und der Mannschaft in den vergangenen drei Jahren gelungen ist“, erklärte Schuster.

Den ersehnten Erfolg in Oberstdorf hatte auch der Österreicher in deutschen Diensten ausgelassen bejubelt. „Wir haben in diesem Stadion lange auf einen Sieg warten müssen und einiges erlebt. Wir können Krisenmanagement, das haben wir einige Male beweisen müssen, aber auch gut sein“, stellte er erleichtert fest. „Mir bedeutet das viel.“

In Garmisch hofft er nun auf die Fortsetzung der Erfolgsstory. Und so verabschiedete sich Schuster mit dem Silvester-Wunsch: „Mir wäre ein Knaller auf der Schanze deutlich lieber.“

dpa

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