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Lettin Ostapenko gewinnt die French Open

Tennis-Märchen in Paris Lettin Ostapenko gewinnt die French Open

Mit dieser Siegerin hatte im Vorfeld niemand gerechnet. Doch nach zwei Wochen in Paris gewann Jelena Ostapenko nicht unverdient den Titel bei den French Open. In ihrer lettischen Heimat löste der Sieg Jubelstürme aus.

Paris. Nach ihrem Sensations-Coup bei den French Open fehlten selbst der sonst stets schlagfertigen Jelena Ostapenko für einen kurzen Moment die Worte.

„Ich glaube, ich werde ein paar Tage oder Wochen brauchen, bis ich verstanden habe, was ich hier erreicht habe“, sagte die 20 Jahre alte Lettin nach ihrem Triumph in Paris. Im Finale setzte sich Ostapenko gegen Simona Halep aus Rumänien mit 4:6, 6:4, 6:3 durch und feierte damit den ersten Grand-Slam-Titel ihrer Tennis-Karriere.

Es war sogar der erste Turniersieg für Ostapenko überhaupt, die die jüngste Paris-Gewinnerin seit Iva Majoli vor 20 Jahren ist. Der letzte Tennisprofi, der sein erstes Turnier bei den French Open gewann, war der Brasilianer Gustavo Kuerten am 8. Juni 1997 - dem Tag, an dem Ostapenko geboren wurde.

„Ich kann es nicht glauben, dass ich der neue French-Open-Champion bin“, sagte Ostapenko, die als erste ungesetzte Spielerin seit der Einführung des Profi-Tennis in der französischen Hauptstadt gewinnen konnte. „Es ist wie ein Traum, ich habe keine Worte dafür. Als kleines Kind habe ich die Spiele hier im Fernsehen geschaut und jetzt habe ich hier gewonnen. Es ist unglaublich.“

In ihrer Heimat wurde der überraschende Erfolg überschwänglich bejubelt. „Harte Arbeit, Charakter und Kampfgeist. Das ist unsere Jelena Ostapenko! Ich bin stolz!“, schrieb Staatspräsident Raimonds Vejonis bei Twitter. Auch Regierungschef Maris Kucinskis gratulierte zum „fantastischen Sieg“ in Paris. „Lettland kann jetzt auch als Tennisgroßmacht bezeichnet werden“, schrieb er ebenfalls bei Twitter.

Halep, die nach 2014 auch ihr zweites Paris-Finale verlor, muss dagegen weiter auf ihren ersten großen Triumph warten. Sie zeigte sich aber als faire Verliererin. „Respekt für das, was dir gelungen ist. Es ist eine großartige Sache. Genieße es und und sei glücklich und mach weiter so, weil du wie ein Kind bist“, sagte die Rumänin zu Ostapenko. Allerdings war sie selbst tief enttäuscht. „Diese Niederlage schmerzt mehr als die vor drei Jahren. Ich werde einige Zeit brauchen, um das zu verdauen“, sagte Halep.

Durch den Erfolg der Lettin bleibt Angelique Kerber die Nummer eins der Welt. Halep hätte im Stade Roland Garros gewinnen müssen, um die Kielerin an der Spitze der Weltrangliste abzulösen. Kerber war in Paris bereits in der ersten Runde ausgeschieden.

Bei den Herren stehen sich am Sonntag (15.00 Uhr) im Finale der Spanier Rafael Nadal und Stan Wawrinka aus der Schweiz gegenüber. Nadal strebt dabei seinen zehnten Titel in Paris an. Für Wawrinka wäre es nach 2015 der zweite Triumph im Stade Roland Garros.

Zwei Tage nach ihrem 20. Geburtstag begann Ostapenko auf dem Court Philippe Chatrier furios. Mit ihrem Vollgas-Tennis nahm sie Halep sofort den Aufschlag ab - und das auch noch zu Null. Ein Raunen ging durch das Publikum, das die Lettin mit ihrer unbekümmerten Spielweise bereits in den Runden zuvor ins Herz geschlossen hatte. Doch Halep blieb ruhig, schaffte den Ausgleich und gewann den ersten Satz.

Ostapenko schaute frustriert und etwas ratlos in ihre Box, eine neue Taktik bekam sie aber auch von dort nicht mit auf den Weg gegeben. Es schien so, als würde es Ostapenko mit ihrem Hopp-oder-Top-Tennis an diesem Tag schwer haben. Zwar begeisterte sie immer wieder mit rasanten Winner-Schlägen. Doch die Zahl der vermeidbaren Fehler war auf der anderen Seite zu hoch.

Erst beim Stand von 0:3 im zweiten Satz bekam Ostapenko wieder etwas mehr Präzision in ihr Spiel und war sofort zurück in der Partie. Mit ihrer Alles-oder-Nichts-Taktik drehte die Lettin tatsächlich die Begegnung und holte sich den zweiten Satz. „In einigen Situationen habe ich mich wie eine Zuschauerin auf dem Platz gefühlt“, sagte Halep über das Hau-Ruck-Tennis ihrer Gegnerin.

Die jüngste Finalistin bei einem Grand-Slam-Turnier seit Caroline Wozniacki vor acht Jahren bei den US Open hatte das Momentum nun auf ihrer Seite. Und auch wenn sie noch einmal mit 1:3 in Rückstand geriet, Ostapenko ließ sich jetzt nicht mehr aufhalten. Zum 2:3 schaffte sie das Re-Break und gab fortan kein Spiel mehr ab.

dpa

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