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Mit Beigeschmack: Tennis-Talent Zverev nicht zu Olympia

Rio de Janeiro Mit Beigeschmack: Tennis-Talent Zverev nicht zu Olympia

Alexander Zverev sagt kurzfristig seine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio ab. Das Talent gibt gesundheitliche Gründe an. Für den Deutschen Tennis Bund eine Negativschlagzeile mit Beigeschmack. Auch der DOSB zeigte sich in Rio nicht erfreut.

Rio de Janeiro. Vor vier Jahren Philipp Kohlschreiber mit einer verwackelten Video-Botschaft, jetzt Alexander Zverev via Internet-Mitteilung mit Verweis auf seine angeschlagene Gesundheit.

Das deutsche Herren-Tennis muss kurz vor Beginn der Olympischen Spiele wieder einen personellen Rückschlag verkraften. Und erneut wirft Art und Weise sowie Zeitpunkt der Absage Fragen auf. „In meinen letzten beiden Matches in Washington und Toronto habe ich mich nicht 100 prozentig gut gefühlt“, schrieb Zverev auf Instagram.

In Washington hatte es der 19 Jahre alte Hamburger vor gut einer Woche ins Halbfinale geschafft, beim Masters-Series-Turnier in Toronto in dieser Woche kassierte er eine Erstrunden-Niederlage gegen Lu Yen-Hsun aus Taiwan. Und nun standen die Olympischen Spiele in Rio auf dem Programm des sportlich beeindruckenden Senkrechtstarters.

Neben Angelique Kerber und Philipp Kohlschreiber zählte Zverev zu den größten Hoffnungsträgern des Deutschen Tennis Bundes (DTB). Doch mit Verweis auf seine Gesundheit sagte der Teenager nun ab. „Nach mehreren Gesprächen mit Ärzten und meinem Team haben wir entschieden, dass ich zurückziehen muss.“ Der DTB muss jetzt nicht nur nach dem vorherigen Rückzieher des verletzten Doppelspezialisten Philipp Petzschner einen neuen Partner für Kohlschreiber finden.

Der Verband muss auch mal wieder Negativ-Schlagzeilen kommentieren. Nach Zverevs Erstrunden-Aus beim Heimturnier am Hamburger Rothenbaum gab es Kritik an der sportlichen Leistung und dem etwas patzigen Auftritt des Teenagers in der Pressekonferenz - was DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff und Sportdirektor Klaus Eberhard damals zu einer Verteidigungsrede ihres derzeit wertvollsten Profis veranlasste.

„Ich glaube, dass er einfach platt ist. Er hat viele Matches gespielt“, sagte Eberhard jetzt zum Olympia-Nein. „Er ist nicht in der Lage, Olympia so zu spielen, wie er sich das vorstellt. Er ist sehr ehrgeizig und hätte auch um eine Medaille mitspielen wollen.“

Zu platt für Olympia? Zu viele Matches gespielt? Da liegt die Frage nach der Turnierplanung und der persönlichen Prioritäten natürlich auf der Hand. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zeigte sich über die Absage „nicht erfreut“, weil man fest mit Zverev geplant habe, erklärte Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport im Dachverband. „Er wurde durch ein abgestimmtes, individuelles Projekt bei seinem langfristigen Leistungsaufbau im Hinblick auf die Olympischen Spiele unterstützt. Wir hätten deshalb natürlich eine konsequentere Ausrichtung seiner Saisonplanung auf diese Spiele als Höhepunkt erwartet“, betonte Schimmelpfennig in Rio.

Von gesundheitlichen Probleme hatte Zverev schon in Washington berichtet, nachdem er im Halbfinale gegen den Franzosen Gael Monfils verloren hatte. Er habe sich vor dem Match übergeben müssen. Ihm sei offenbar etwas nicht bekommen, klagte er.

„Er ist einfach ausgebrannt, der Akku ist leer“, sagte DTB-Vize Dirk Hordorff der Deutschen Presse-Agentur. „Es macht wenig Sinn, anzutreten, wenn man nicht bei 100 Prozent ist.“ Die Entscheidung zur Absage nannte er „nachvollziehbar“. Auf die Frage, ob Zverev nicht seinen Turnierplan angesichts der körperlichen Belastung anders hätte gestalten sollen, sagte Hordorff: „Im Nachhinein hätte man sicher das eine oder andere anders machen können. Aber im Nachhinein weiß man auch die Lottozahlen.“

Aber die Art und Weise der Absage und der Kommunikation taugen nicht gerade als Paradebeispiel für PR in eigener Sache. Die Mitteilung kam nicht vom Verband, auf dessen Homepage bis zum Sonntagmittag keine eigene Meldung zum Zverev-Aus zu lesen war. Für Rückfragen waren die DTB-Verantwortlichen nicht zu erreichen. Hieß es am Vortag vom DTB, über das neue deutsche Herren-Doppel müsse noch entschieden werden, war auf der Homepage des Tennis-Weltverbandes ITF bereits das Duo Kohlschreiber/Jan-Lennard Struff als neues Doppel aufgeführt.

„Ich hoffe, dass ich beim ATP-Masters in Cincinnati in Bestform zurückkehren kann und wünsche meinen deutschen Teamkameraden für Rio das Beste“, sagte Zverev. Die Veranstaltung in Cincinnati beginnt direkt nach dem olympischen Turnier. Dort geht es im Gegensatz zu Olympia wieder um Weltranglistenpunkte und Preisgeld.

dpa

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