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NHL-Torwart Greiss - der unterbezahlte Übermächtige

New York NHL-Torwart Greiss - der unterbezahlte Übermächtige

Thomas Greiss personifiziert eine deutsche Erfolgsgeschichte in den bisherigen Playoff-Spielen der NHL. Der eigentliche Ersatztorwart der New York Islanders ist ein Hauptgrund dafür, dass der Club erstmals seit 1993 wieder im Viertelfinale steht.

New York. Er ist zum einen unterbezahlt, zum anderen scheinbar übermächtig und hat in den vergangenen Tagen jede Menge neue Fans gewonnen. In den Playoffs der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL ist Thomas Greiss der große Gewinner der ersten Runde.

Der Schlussmann der New York Islanders hielt beim 4:2-Serien-Sieg gegen die Florida Panthers sensationell. In der Runde der letzten Acht wartet nun das Team von Tampa Bay Lightning, in der Nacht zum Donnerstag deutscher Zeit steht die erste Partie an.

Auch dann werden die Hoffnungen der Islanders auf dem deutschen Torwart ruhen, der gegen die Panthers herausragend spielte. „Überragender Thomas Greiss ist nicht länger ein namenloser Ersatzmann“, schrieb die „New York Post“. Auf der Internetseite der NHL wurden fünf Gründe für New Yorks Weiterkommen genannt, die Position Torhüter war ganz oben aufgeführt. „Die Serie ging hin und her. Du versuchst einfach nur, das zu halten, was du halten kannst“, meinte Greiss gelassen.

Es gibt Profis auf seiner Position, die das Spektakuläre bevorzugen, den Puck artistisch fangen oder auch schon mal das direkte Wortduell mit dem Gegner suchen. Greiss ist das komplette Gegenteil. Mit seiner Art bringt er die Gegner zur Verzweiflung und versetzt die eigenen Anhänger in Euphorie.

„Greisser, Greisser“ schallte es durch das Barclays Center im Stadtteil Brooklyn, als die Islanders mit 2:1 nach zweimaliger Verlängerung der vierte und entscheidende Sieg gegen Florida gelang. „Thomas hat uns in der Serie gehalten, bis wir unser Spiel gefunden haben“, meinte Kapitän John Tavares.

Dabei sollte Greiss eigentlich gar nicht auf dem Eis stehen, sondern auf der Bank sitzen. So wie in all den Jahren zuvor auch. Seit seinem NHL-Debüt am 13. Januar 2008 hatte es der Füssener nie geschafft, sich als Nummer eins zu etablieren - nicht bei den San Jose Sharks, den Arizona Coyotes und auch nicht bei den Pittsburgh Penguins. Greiss galt als klassischer Ersatzmann.

Und es gab keinen Grund zur Annahme, dass sich an seinem Status etwas ändern würde, als er im Sommer für zwei Jahre bei den Islanders unterschrieb. Hier war Jaroslav Halak gesetzt. Doch der Slowake verletzte sich früh. Und so kam Greiss bereits in der Punktrunde in 41 von 82 Partien zum Einsatz. Als sein interner Kontrahent im März über Probleme an der Leiste klagte, war absehbar, dass Greiss auch in der K.o.-Runde den Posten zwischen den Pfosten einnehmen wird.

Und so stand er im Alter von 30 Jahren erstmals in einem Playoff-Spiel von Beginn an im Tor. Von Nervosität war nichts zu spüren. Drei der sechs Spiele gegen Florida gingen in die Verlängerung, die Islanders gewannen alle drei. Auch, weil der eher unbekannte Bayer im Torhüter-Duell mit Kanadas Olympiasieger Roberto Luongo der Bessere war.

„Es ist großartig. Du bekommst nicht zu oft diese Gelegenheiten. Und wenn du dann die Chance hast, musst du sie beim Schopfe packen“, kommentierte Greiss. Er kassierte im Schnitt nur 1,79 Gegentore pro Partie, weist eine sensationelle Fangquote von über neunzig Prozent auf. Die Islanders hatten zuletzt 1993 eine Playoff-Serie gewonnen - Greiss war damals sieben Jahre alt. Seitdem hatte New York viele teure und prominente Torhüter wie Russlands Weltmeister Jewgeni Nabokow und kam dennoch nie weiter.

Nun hat dem viermaligen Meister ausgerechnet ein Billiglöhner aus Bayern zum Erfolg verholfen. Greiss bekommt eine Million Dollar - nicht schlecht für einen Ersatzmann, zu wenig für eine Nummer eins. Floridas Luongo etwa verdient 6,7 Millionen Dollar, Ben Bishop kommt auf 5,95 Millionen. Der Torhüter von Vizemeister Tampa Bay Lightning ist nun Greiss' Gegenüber. Und der Deutsche gilt - mal wieder - als Underdog.

dpa

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