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Radprofis vor WM-Hitzeschlacht in Doha

Diskussionen um Kapitänsrolle Radprofis vor WM-Hitzeschlacht in Doha

Ab Sonntag findet erstmals die Straßenrad-WM im Nahen Osten statt. Es wird eine schweißtreibende Angelegenheit für Tony Martin und Co. in Doha, wo derzeit Temperaturen von bis zu 40 Grad herrschen.

Doha. Tony Martin und Marcel Kittel staunten auf ihrer Trainingsrunde durch die Wüste nicht schlecht. Temperaturen von rund 40 Grad zeigten ihre Rennrad-Computer an, was die beiden deutschen Radstars mächtig ins Schwitzen brachte.

Dabei hatte Martin im Vorfeld der am Sonntag beginnenden Straßenrad-Weltmeisterschaften in Doha eigentlich schon vorgesorgt. Der dreimalige Zeitfahr-Weltmeister trainierte daheim auf der Rolle vor einem Heizlüfter und legte einige Sauna-Gänge ein. „Man versucht eben, überall ein paar Prozent gegenüber der Konkurrenz herauszukitzeln“, sagte Martin. Als Medaillenhoffnung im Einzelzeitfahren und als Edelhelfer im Straßenrennen nimmt er eine entscheidende Rolle im deutschen Team bei den ersten Titelkämpfen im Nahen Osten ein.

„Beat the Heat“, heißt entsprechend das Motto des Weltverbandes UCI, der angesichts der Hitze besondere Maßnahmen ergreifen will. Eis und 10 000 Flaschen Wasser werden den Teams zur Verfügung gestellt. In den Rennen sind zwei Motorräder für die Extra-Versorgung der Fahrer abgestellt. Dazu wird eine vierköpfige Kommission, darunter der deutsche Arzt Olaf Schumacher, vor jedem Rennen die voraussichtlichen Belastungen einschätzen. So behält sich die UCI vor, die Rennen kurzfristig zu verkürzen. Das Männerrennen am 16. Oktober könnte sogar von 257,5 auf nur noch 106 Kilometer verkürzt und ausschließlich auf der Insel „The Pearl“ ausgetragen werden.

Die UCI hatte die WM aufgrund der klimatischen Bedingungen ohnehin schon um einige Wochen später wie üblich angesetzt. Im Gegensatz zur Fußball-WM 2022 war eine Verlegung in die Wintermonate aber nicht möglich, da die Radsaison im Oktober endet.

So spielt der Faktor Hitze eine entscheidende Rolle, wenn Deutschland 50 Jahre nach dem Triumph des im Sommer verstorbenen Rudi Altig wieder den WM-Titel im Straßenrennen holen will. Selten waren die Voraussetzungen so gut wie diesmal, schließlich verfügt der Bund Deutscher Radfahrer in André Greipel, Kittel und John Degenkolb über drei der weltbesten Sprinter, was den Verband vor ein Luxus-Problem stellt.

Offiziell wurde Greipel zum Kapitän bestimmt und Kittel für die Joker-Rolle vorgesehen. Ob die Vorgabe aber bei den Fahrern angekommen ist, erscheint fraglich. So spricht Kittel im Rennen „von mehreren Optionen“. Eine Rollenverteilung sei wegen der extremen Bedingungen im Vorhinein gar nicht so entscheidend, sagt Kittel, der sich seit Jahren packende Duelle mit Greipel liefert. Dieser pocht nun auf seinen Nummer-eins-Status. „Meine Benennung als Kapitän war das Ergebnis eines intensiven Nominierungsprozesses“, sagt der WM-Dritte von 2011 und mahnt zur „professionellen Einstellung und Teamfähigkeit“.

Als dritte Titel-Option hat sich nun auch noch Degenkolb rechtzeitig vor der WM mit seinem Sieg beim Münsterland-Giro stark zurückgemeldet. Gerade bei schwierigen Verhältnissen steigen beim Frankfurter die Chancen, wie er bereits mit seinen Erfolgen 2015 bei Mailand-San Remo und Paris-Roubaix bewiesen hatte.

Drei mögliche Siegfahrer, aber nur drei Helfer stehen dem BDR zur Verfügung. Denn durch fehlende Weltranglistenpunkte darf Deutschland nur sechs statt neun Fahrer ins Rennen schicken. So kommt Martin als tempofestem Fahrer eine entscheidende Rolle zu. Zuvor will er aber am Mittwoch in seiner alten Spezialdisziplin Zeitfahren zu alter Stärke zurückfinden. Nach seinem enttäuschenden Olympia-Auftritt hat er seine Sitzposition umgestellt und bei der Großbritannien-Rundfahrt erstmals nach langer Zeit wieder einen internationalen Erfolg geholt.

Los geht es am Sonntag mit den Mannschaftszeitfahren, wo aber nur gut die Hälfte der Top-Teams starten. Aus Verärgerung über die Aufstockung der WorldTour hatten die Rennställe sogar einen Boykott angedacht.

Das deutsche Aufgebot für die Straßenrad-WM in Doha:

Einzelzeitfahren, Frauen (Dienstag, 11. Oktober - 2 Starterinnen): Lisa Brennauer (Durach), Trixi Worrack (Erfurt)

Einzelzeitfahren, Männer (Mittwoch, 12. Oktober - 2 Starter): Tony Martin (Kreuzlingen/Schweiz), Nils Politt (Hürth) oder Jasha Sütterlin (Freiburg)

Straßenrennen, Frauen (Samstag, 15. Oktober - 6 Starterinnen): Lisa Brennauer, Romy Kasper (Forst), Mieke Kröger (Bielefeld), Lisa Klein (Erfurt), Stephanie Pohl (Kolkwitz), Trixi Worrack

Straßenrennen, Männer (Sonntag, 16. Oktober - 6 Starter): John Degenkolb (Frankfurt), André Greipel (Hürth), Marcel Kittel (Erfurt), Tony Martin, Marcel Sieberg (Bocholt), Nils Politt oder Jasha Sütterlin

Der Zeitplan der Straßenrad-WM in Doha:

Sonntag, 9. Oktober: Teamzeitfahren Frauen, 40 km (13:10 - 14:15 Uhr), Teamzeitfahren Männer, 40 km (14:20 - 15:40 Uhr)

Montag, 10. Oktober: Einzelzeitfahren Juniorinnen, 13,7 km (8:30 - 9:40), Einzelzeitfahren U23 Männer, 28,9 km (10:30 - 14:50 Uhr)

Dienstag, 11. Oktober: Einzelzeitfahren Junioren, 28,9 km (8:00 - 11:30 Uhr), Einzelzeitfahren Frauen, 28,9 km (12:15 - 15:30 Uhr)

Mittwoch, 12. Oktober: Einzelzeitfahren Männer Elite, 40 km (12:45 - 15:05 Uhr)

Donnerstag 13. Oktober: Straßenrennen U23 Männer, 165,7 km (11:00 - 14:55 Uhr)

Freitag 14. Oktober: Straßenrennen Juniorinnen, 74,5 km (7:30 - 9:30), Straßenrennen Junioren, 135,3 km (12:15 - 15:30 Uhr)

Samstag, 15. Oktober: Straßenrennen Frauen Elite, 134,1 km (11:45 - 15:20)

Sonntag 16. Oktober: Straßenrennen Männer Elite, 257,3 km (9:30 - 15:35 Uhr)

dpa

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