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Rüge für Olympiasieger Harting - Thompson Sprint-Königin

Rio de Janeiro Rüge für Olympiasieger Harting - Thompson Sprint-Königin

Bittere Enttäuschungen, eine Überraschungsmedaille und ein Sensationssieg: Die deutschen Leichtathleten erleben in Rio ein wechselhaftes Auftakt-Wochenende.

Rio de Janeiro. Mit seinem sensationellen Gold-Coup hat Diskuswerfer Christoph Harting am ersten Leichtathletik-Wochenende in Rio de Janeiro begeistert - und gleichzeitig für heiße Diskussionen wegen seiner respektlosen Rumkasperei bei der Siegerehrung gesorgt.

Der 25-jährige Berliner kürte sich zum Nachfolger seines Bruders Robert als Olympiasieger. Eine sagenhafte Familiengeschichte. In die Ehrentafel der schnellsten Frauen der Welt trug sich Elaine Thompson ein: Die Jamaikanerin siegte über 100 Meter in 10,71 Sekunden und zeigte danach wilde Luftsprünge.

Mit dem enttäuschenden sechsten Platz von Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz und dem Qualifikations-Aus von Robert Harting hatten die Wettkämpfe für das 89-köpfige deutsche Leichtathletik-Team denkbar schlecht begonnen. Mit seinem letzten Wurf auf 68,37 Meter triumphierte dann aber der Berliner Christoph Harting. Der Wattenscheider Daniel Jasinski machte als Bronzemedaillen-Gewinner hinter dem polnischen Favoriten Piotr Malachowski mit 67,05 Metern ebenfalls den Wettkampf seines Lebens.

Mit seinem Verhalten danach aber befremdete der 2,07 Meter große Christoph Harting: keine Interviews („Schlechte Erfahrungen gemacht“), eine merkwürdige Pressekonferenz („Ich bin Sportler, und kein PR-Mensch“) - und dann das Geschunkel und Gefeixe, als die Nationalhymne gespielt wurde. „Was er da aufgeführt hat bei der Siegerehrung, das war nicht gut, denn er ist ein Mitglied unserer Mannschaft und Botschafter unseres Landes“, kritisierte Chef de Mission Michael Vesper.

Harting und Jasinski bescherten dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) die ersten Medaillen in Rio. Während Robert Harting über seine Zukunft sinnierte („Jetzt brauche ich kreative Eingebungen und neue Ideen“) soll der Erfolg seines Bruders Christoph die in den vergangenen Jahren erfolgreiche Abteilung Wurf nun richtig motivieren: Sowohl Thomas Röhler, Johannes Vetter und Julian Weber als auch Christina Obergföll, Linda Stahl und Christin Hussong können mit dem Speer noch Medaillen gewinnen. Und im Kugelstoßen gilt der zweifache Weltmeister David Storl als einer der Topfavoriten.

Eine der ganz wenigen Medaillenhoffnungen auf der Bahn zeigte sich in starker Form: Gesa Felicitas Krause zog über 3000 Meter Hindernis 9:19,70 Minuten ins Finale an diesem Montag ein. Die 24 Jahre alte Europameisterin und WM-Dritte aus Frankfurt/Main könnte die erste deutsche Leichtathletin seit 1996 werden, die auf der Bahn Edelmetall gewinnt. Damals hatte in Atlanta das 4 x 400 Meter-Quartett Bronze geholt.

Die schnellste Frau der Welt ist wieder eine Jamaikanerin - aber dieses Mal Elaine Thompson. Silber ging an die Amerikanerin Tori Bowie in 10,83. Für Shelly-Ann Fraser-Pryce platzte der Traum vom dritten Triumph hintereinander, was noch nie einer Frau bei Olympia in einer Einzeldisziplin gelungen ist. Sie wurde in 10,86 Sekunden Dritte. Die Jamaikanerin hatte 2008 in Peking und 2012 in London gesiegt.

Großbritanniens Laufheld Mo Farah eroberte sein drittes Olympia-Gold. Über 10 000 Meter gewann er trotz eines Sturzes in der ersten Rennhälfte in 27:05,17 Minuten. „Als ich zu Boden gegangen bin, dachte ich: Oh, mein Gott - das war's“, erzählte der 33-Jährige.

An Edelmetall vorbei schrammte Siebenkämpferin Carolin Schäfer. Nach zwei starken Tagen kam die 24-Jährige aus Friedrichstein im abschließenden 800-Meter-Lauf nicht mehr an das führende Trio heran und belegte Rang fünf. Strahlende Siegerin auf der Ehrenrunde mit allen Starterinnen war die Belgierin Nafissatou Thiam.

Für den DLV gab es auch einige Rückschläge: So blieb Raphael Holzdeppe in der Stabhochsprung-Qualifikation hängen. Der Weltmeister von 2013 und Olympia-Dritte von 2012 hatte nach einer Verletzung nur mit Mühe den Sprung nach Rio geschafft. Über 100 Meter schied der deutsche Rekordhalter Julian Reus sang- und klanglos mit 10,34 Sekunden im Vorlauf aus. Noch am 29. Juli hatte der Wattscheider in Mannheim den deutschen Rekord auf 10,01 Sekunden verbessert. „Es ist schwer, gleich in der ersten Runde voll da zu sein“, sagte Reus.

dpa

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