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Russland startet mit 271 Athleten bei den Rio-Spielen

Rio de Janeiro Russland startet mit 271 Athleten bei den Rio-Spielen

Auf den letzten Drücker hat mancher russische Sportler erfahren, dass sein Start bei den Sommerspielen in Rio endlich durch ist. In einer unübersichtlichen Situation hat das sich IOC lange Zeit genommen, die Spreu vom Weizen zu trennen. Und doch gibt es noch knifflige Fälle.

Rio de Janeiro. Russlands vom Dopingskandal dezimierte Olympia-Mannschaft kann 271 Athleten bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro an den Start schicken.

Kurz vor der Eröffnungsfeier am Freitag bekam das Riesenreich vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die Liste der für sauber erklärten Sportler. In einer Erklärung des IOC hieß es: „271 der ursprünglich 389 Athleten auf der Liste des Russischen Nationalen Olympischen Komitees werden die Mannschaft bilden.“ Die Spiele werden im Maracanã-Stadion von Rio feierlich eröffnet.

Das russische IOC-Mitglied Alexander Schukow - auch Präsident des Nationalen Olympischen Komitees - hatte die Zahl schon zuvor publik gemacht. Noch unklar waren einige Fälle, die beim Internationalen Sportgerichtshof CAS anhängig waren. Von vorn herein ausgeschlossen sind die Leichtathleten und Gewichtheber Russlands.

Klar war zumindest, dass der CAS den Ausschluss von früher gedopten russischen Athleten von den Spielen als „nicht durchsetzbar“ ablehnt, wie es in einer Mitteilung hieß. So gab das Gericht den beiden russischen Ruderern Anastasia Karabelschikowa und Iwan Podschiwalow recht, die Einspruch gegen diese Doppelbestrafung eingelegt hatten. Beide Sportler waren 2008 wegen Dopings jeweils für zwei Jahre gesperrt worden.

Das IOC hatte nicht nur entschieden, dass die internationalen Sportfachverbände und der CAS jeden nominierten Sportler überprüfen sollen, ob er nachweislich sauber ist. Vielmehr hatte das IOC auch verfügt, dass ehemals gedopte Russen ein Start bei den Sommerspielen verweigert wird. Diese Auflage kippte der CAS nun.

Dieser Spruch brachte auch der Schwimmerin Julia Jefimowa die Starterlaubnis. Die Russin war als frühere Dopingsünderin für Rio nach Maßgabe des IOC zunächst gesperrt gewesen.

Der Sportgerichtshof hatte schon 2011 die sogenannte Osaka-Regel gekippt, wonach Sportler nach einem Dopingvergehen an den folgenden Spielen nicht teilnehmen durften.

Das IOC hatte sich in einem komplizierten und unübersichtlichen Verfahren das letzte Wort vorbehalten, welche Russen starten dürfen. Nach Beweisen für Staatsdoping, die die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA im sogenannten McLaren-Report dokumentiert hat, lehnte das IOC allerdings einen generellen Ausschluss Russlands ab.

Die abschließende Einzelfallprüfung lag in den Händen der scheidenden Vorsitzenden der Athletenkommission, der ehemaligen deutschen Fechterin Claudia Bokel, sowie der beiden neuen IOC-Vizepräsidenten Ugur Erdener (Türkei/Chef der medizinischen Kommission) und Juan Antonio Samaranch jr. (Spanien).

Auch die Wackelkandidaten im Schwimmen, Wladimir Morosow und Nikita Lobinzew, wurden letztlich von der IOC-Dreier-Kommission durchgewunken. Der Schwimm-Weltverband FINA hatte beide zunächst gesperrt. Nachdem allerdings der CAS die Entscheidung revidiert hatte, gab auch das IOC grünes Licht.

Einfacher war es da in anderen Sportarten. Dass alle elf russischen Judoka teilnehmen werden, dürfte Präsident Wladimir Putin, der selbst gern auf der Matte kämpft, besonders freuen. Im Boxen sind elf, im Schießen 18, im Bogenschießen drei und im Tennis acht Sportler dabei; auch das 17-köpfige Frauen-Handball-Team die insgesamt 20 Rhythmischen Sportgymnastinnen und Trampolinsportler sind dabei.

Golferin Maria Wertschenowa darf beim Olympia-Comeback ihrer Sportart nach 112 Jahren mitwirken. Gleiches gilt für die sechs russischen Segler, die drei Tischtennis- und vier Badminton-Spieler sowie die fünf Reiter.

Bestätigt wurde Weitspringerin Darja Klischina, die vom Weltverband als einzige Leichtathletin dem Komplett-Ausschluss entkam. Klischina lebt in Florida und wies hinreichend Dopingkontrollen nach.

Bach verteidigte erneute die von der IOC-Spitze ergriffenen Maßnahmen im russischen Dopingskandal. „Ich habe ein reines Gewissen. Meine Richtschnur ist, dass ich den Athleten in die Augen schauen kann“, sagte er. Er habe inzwischen mit vielen Sportlern gesprochen und Zustimmung erhalten. „Es war eine schwierige Entscheidung. Und es gab gute Gründe für beide Seiten.“

Russlands Mannschaft nicht auszuschließen, brachte der IOC-Spitze um Bach zum Teil harsche Kritik ein, beispielsweise vom deutschen Diskus-Olympiasieger Robert Harting, der Bach die moralische Autorität abgesprochen hatte.

Aus der WADA kam auf Grundlage des Reports des unabhängigen Ermittlers und Juristen Richard McLaren die Empfehlung, Russlands Team komplett auszuschließen.

McLaren warf dem IOC vor, die Ergebnisse seines Berichts verfälscht zu haben. „Die Leute haben missverstanden, was in dem Report war, besonders das IOC und die internationalen Verbände“, sagte er der britischen Zeitung „Guardian“. Sein Bericht habe nicht zum Ziel gehabt, die Dopingvergehen einzelner Athleten nachzuweisen.

dpa

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