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Russlands Olympia-Bann Anfang eines „Krieges“ gegen Doping

Kassel Russlands Olympia-Bann Anfang eines „Krieges“ gegen Doping

Nach dem Olympia-Ausschluss der russischen Leichtathleten könnte der Kampf gegen Doping eine neue Qualität bekommen. Das IOC kündigte schon an, „weitere weitreichende Maßnahmen“ initiieren zu wollen. Schon beim IOC-Gipfel am Dienstag könnten Entscheidungen fallen.

Kassel. Die Medien sprechen schon von einer „Kriegserklärung“, und DLV-Präsident Clemens Prokop fordert „eine neue Front“ im Kampf gegen die Sportgeißel Doping.

Mit dem historischen Urteil, Russlands Leichtathleten von der Weltbühne zu verbannen, hat der Weltverband IAAF das Signal für ein Großreinemachen in weiteren Sportarten und Doping-Krisenländern gegeben. „Wenn wir mit unserer Entscheidung einen Fahrplan oder eine Vorlage für andere Sportarten gegeben haben, ist das eine positive Sache“, sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) kündigte in einer Erklärung zu dem IAAF-Urteil an, „weitere weitreichende Maßnahmen“ initiieren zu wollen, „um gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Athleten bei den Olympischen Spielen in Rio sicherzustellen“. So soll auf dem Gipfeltreffen des IOC mit seinen Mitgliedsorganisationen am Dienstag in Lausanne explizit über Länder gesprochen werden, deren nationales Anti-Doping-System nicht regelkonform ist.

Neben Russland sind rund 50 Tage vor den Rio-Spielen auch Kenia und Mexiko von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA als „non-compliant“ und damit nicht olympiatauglich erklärt worden. Nach dem IAAF-Signal droht ihnen ebenfalls das Olympia-Aus.

Möglich ist ebenso, dass Russland vom IOC sogar komplett von den ersten Spielen in Südamerika ausgeschlossen wird, wenn die WADA-Kommission unter Leitung von Richard McLaren mit ihren Ermittlungen bestätigt, dass der Vorwurf der Manipulation von Doping-Proben im Kontrolllabor bei den Winterspielen 2014 in Sotschi zutreffen sollte. Laborleiter Grigori Rodschenkow hatte berichtet, mit Hilfe eines russischen Geheimdienstes hunderte positiver Proben eigener Athleten verschwinden lassen zu haben.

Der WADA-Report soll bis zum 15. Juli vorliegen. McLaren gab vorab schon mal eine Kostprobe seines Wissens. Es habe „ausreichend erhärtete Beweise“ für „staatlich gelenkte Manipulationen“ von Doping-Proben im Moskauer Labor gegeben - und das mindestens von 2011 bis zur Leichtathletik-WM 2013 in der russischen Hauptstadt. Wurde das auch bei der Schwimm-WM 2015 in Kasan so gehandhabt? Rodschenkow hat offenbar auch den Schwimmern angeboten, positive Proben - gegen Geld - verschwinden zu lassen.

„Russland hat nicht nur ein Problem mit der Leichtathletik, sondern mit der gesamten Sportorganisation des Landes“, sagte der deutsche Leichtathletik-Chef Prokop. „Das IOC ist gut beraten, über einen Gesamtausschluss Russlands nachzudenken.“

Die italienische Zeitung „Tuttosport“ sieht durch den Olympia-Bann für Russland den Feldzug gegen den Sportbetrug endlich richtig eröffnet: „Dem Doping - zumindest dem russischen- ist der Krieg erklärt worden.“ Die „New York Times“ weist fair daraufhin, dass die Russen kein „Doping-Monopol“ haben. „Das müssen wir, aus dem Land von Lance Armstrong und Marion Jones, einräumen“, schreibt das Blatt.

Die deutschen Leichtathleten, die am Wochenende in Kassel bei den nationalen Titelkämpfen um die Olympia-Tickets kämpften, begrüßten das Rio-Aus für die Russen und dass es in ihrer Sportart für Doper offenbar enger wird. „Die Entscheidung ist natürlich richtig“, meinte David Storl, der WM-Zweite im Kugelstoßen. „Die Methodik und das ganze System, das dahinter steckt, ist für uns saubere Sportler eine Frechheit.“

Ein richtiges Signal ist es für die frühere Hammerwurf-Weltmeisterin Betty Heidler: „Ich glaube, bis auf die Russen finden alle die Entscheidung richtig und gut. Bei der Sachlage hätte man gar nicht anders entscheiden können.“

Der Zorn und die Enttäuschung in Russland sind auch Tage nach dem am Freitag in Wien beschlossenen Olympia-Rauswurf groß. „Natürlich ist das unfair“, sagte Präsident Wladimir Putin und kritisierte die für ihn unzulässige Kollektivstrafe, gegen die nun zwei Athleten eine Klage vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS ankündigten: Die Geher Denis Nichegorodow und Swetlana Wassiljewa. „Wir wollen unser Recht“, wird Nichegorodow, Olympia-Zweiter von 2004, auf der Website seines Managers Andrej Mitkow zitiert.

Auch Stabhochsprung-Olympiasiegerin Jelena Issinbajewa hatte angekündigt, um ihr Recht kämpfen zu wollen. „Ich bin traurig und zugleich böse, ich schäme mich“, sagte die 34-Jährige der Agentur Tass am Samstag. „Niemand hat uns verteidigt, niemand hat unsere Rechte geschützt, ich habe große Zweifel an der IAAF und ihrer Haltung in Bezug auf den Schutz der Rechte sauberer Sportler.

„Der Traum vieler unserer Sportler ist zerstört wegen eines falschen Verhaltens einzelner Sportler, Trainer und Spezialisten“, sagte Sportminister Witali Mutko. Die Stimmung im Land ist aufgeladen, die stolze Sportnation ist verletzt. „All die Erniedrigung, all die Zugeständnisse und die enormen Bemühungen im Kampf gegen Doping - all das war vergeblich. Das ist für uns eine sehr bittere Lektion“, kommentiert die Fachzeitung „Sport-Express“.

dpa

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