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Stich kämpft um „sein“ Tennisturnier

DTB berät in Hamburg Stich kämpft um „sein“ Tennisturnier

Der DTB-Bundesausschuss berät am Freitag in Hamburg über die Zukunft des Sandplatzturniers über 2018 hinaus. Neben Turnierdirektor Stich gibt es drei Mitbewerber. Stich hat in neun Jahren viel aufgebaut, die Spieler schätzen das Ambiente. Doch reicht das dem DTB?

Michael Stich trat in Hamburg in einem Show-Match gegen Tommy Haas an.

Quelle: Daniel Bockwoldt

Hamburg. Michael Stich kämpft wie ein Löwe um sein Turnier am Hamburger Rothenbaum. Seit dem Ende der Becker-Stich-Ära gibt es um das immer noch größte und älteste deutsche Tennis-Event Diskussionen um fehlende Stars, den nie passenden Termin und den Belag.

„Wir haben eine ganz treue Fangemeinde, sonst wäre die Traditionsveranstaltung nicht 111 Jahre alt geworden. Und wir haben ein gutes Produkt in neun Jahren entwickelt, generell gehören wir hierher“, sagt Turnierdirektor Stich. Sein Vertrag läuft nur noch bis 2018 - der Bundesausschuss des Deutschen Tennis Bundes (DTB) berät am Freitag in der Hansestadt über die Zukunft des Sandplatzturniers.

Gerade weil der Mastersstatus weg ist und die Topleute für eine drittklassige ATP-Veranstaltung kaum zu bekommen sind, ist der 48-Jährige während der Juli-Woche omnipräsent. Beim „Legenden-Match“ gegen Tommy Haas (1:6, 3:6) am Sonntag kamen 6500 Fans. Und das Konzept geht auf: Insgesamt 10 000 verfolgten die Qualifikation, jubelten dem 16-jährigen Berliner Rudi Molleker zu und chillten bei Sonnenschein mit Schampus auf dem Gelände. Nur für den Eintritt zum Show-Match und während der Woche zum Centre Court muss der Anhänger des gelben Filz-Balles Geld locker machen. Alles andere ist gratis.

„Klar wird immer verglichen mit den goldenen Zeiten, als hier Boris Becker und Michael Stich aufschlugen. Das muss man ablegen, es ist eine neue Zeit“, findet Philipp Kohlschreiber. Die Spieler schätzen das familiäre Ambiente: „Ich denke, dass Michael und sein Team perfekt zum Turnier passen. Er ist einfach ein Tennis-Groupie.“ Es sind Kleinigkeiten, die den Profis gefallen, so zum Beispiel das Spieler-Restaurant mit Blick auf den Centre Court oder das Eisbecken nach langen Matches. Über den Belag könne man reden, Hartplatz biete sich einfach an. Auch Haas, dem der schwere Sand eigentlich nicht liegt, der in diesem Jahr aber als Zugpferd herhalten muss, findet: „Michael macht es lange und gut.“ Als neuer Turnierdirektor in Indian Wells sollte er es wissen.

Während im Frühjahr in Kalifornien bei der Masters-Veranstaltung stets die Sonne scheint, kämpft Stich Jahr für Jahr gegen die norddeutschen Wetterunbilden. Trotz niedrigen Budgets holte er immerhin schon Rafael Nadal und Roger Federer. Die jahrelange Aufbauarbeit des Wimbledonsiegers und seiner Agentur HSE könnte aber im nächsten Jahr beendet werden. In dieser Woche berät der DTB über die vier Bewerber für den Posten.

Es soll sich neben Stich um Dietloff von Arnim (jahrelang für den Düsseldorfer World Team Cup verantwortlich), Eventmanager Michael Mronz und Peter-Michael Reichel, Gründer des Damenturniers in Linz, handeln. „Wenn ein anderer deutlich mehr Geld bietet, dann würden wir uns sogar rechtlich angreifbar machen, wenn wir im Sinne des DTB nicht zugreifen würden“, sagte DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff dem „Hamburger Abendblatt“. Auch ein Entgegenkommen der Stadt über die bisherigen 100 000 Euro hinaus wird erwartet.

Nicht ganz einfach ist zudem die Gemengelage mit dem Club an der Alster als Inhaber des Stadions und Besitzer des Erbbaurechts der Anlage bis 2049. Der feine Tennis- und Hockey-Verein plant eine ganz neue Arena, kleiner und moderner. Stich und der DTB wollen das traditionelle Stadion dagegen lieber renovieren.

„Für uns wäre es wichtig, ein Signal zu bekommen“, formuliert Stich vorsichtig. Natürlich will er wie seine Mitbewerber Geld mit dem langjährigen Aushängeschild des deutschen Turnierkalenders verdienen. Mit seinem Engagement hat der Hamburger, der 1993 als letzter Deutscher an der Hallerstraße gewann, aber auch gezeigt, wie sehr ihm Tradition, Sport und Umfeld am Herzen liegen.

dpa

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