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„Wintermärchen“: Handballer spielen um EM-Medaillen

Breslau „Wintermärchen“: Handballer spielen um EM-Medaillen

Das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson zog in Polen durch einen Sieg gegen Dänemark ins Halbfinale ein. Gegner ist am Freitag Norwegen.

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DHB-Torhüter Andreas Wolff hielt in der packenden Schlussphase wichtige Bälle.

Quelle: imago

Breslau. Sie warfen sich übereinander, tanzten wie Derwische übers Parkett und schrien ihre Freude ins weite Rund der Jahrhunderthalle: Nach dem 25:23 (12:13)-Sieg gegen Dänemark am Mittwoch und dem sensationellen Einzug ins EM-Halbfinale ließen die deutschen Handballer ihren Emotionen freien Lauf.

„Phänomenal! Da gab es kein Halten mehr“, sagte Kreisläufer Erik Schmidt. Neun Jahre nach dem WM-Titel im eigenen Land schreibt das Team von Bundestrainer Dagur Sigurdsson in Polen ein neues „Wintermärchen“ und spielt wieder um Medaillen. Gegner im Spiel um den Einzug ins Finale ist am Freitag in Krakau ist Norwegen. Das andere Semifinale bestreiten Spanien und Kroatien.

„Das ist eine Sensation“, sagte der isländische Coach, „ich bin wahnsinnig stolz auf dieses Turnier und diese Mannschaft. Es war unser Ziel, dass wir unsere Sachen durchziehen. Ich war nicht der einzige, der daran geglaubt hat, sondern die ganze Mannschaft. Die haben sich von Spiel zu Spiel gesteigert.“

„Sensationell, Hammer, unfassbar“, rief Torwart Carsten Lichtlein. Nachrücker Julius Kühn schrie in jedes Mikrofon nur noch „Sieg“. Und Tobias Reichmann meinte: „Ich hätte heulen können. Ich bin einfach nur glücklich.“ Im Rausch des Erfolges war die Verletzungsgefahr fast so groß wie im Spiel. „Wenn man da vollkommen Adrenalin gesteuert aufeinander zu springt, auf die 100-Kilo-Ochsen, dann ist das nicht gefahrenfrei“, sagte Torhüter Andreas Wolff.

Vor 6500 Zuschauern in der Jahrhunderthalle wuchs die deutsche Mannschaft zum Abschluss der Hauptrunde der Gruppe II auch gegen den zweimaligen Europameister Dänemark erneut über sich hinaus. Und das, obwohl sie ohne Kapitän Steffen Weinhold und Torjäger Christian Dissinger wegen Adduktorenverletzungen auskommen musste.

Angeführt vom überragenden sechsfachen Torschützen Steffen Fäth und einem wieder starken Wolff bot die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) dem Favoriten einen Kampf auf Biegen und Brechen und schaffte den ersten Einzug in ein EM-Halbfinale seit 2008. 

Im 105. Spiel gegen den Dauerrivalen Dänemark ging es dramatisch zu. Bis zur Partie gegen die Deutschen hatten die Dänen, bei denen zehn Spieler in der Bundesliga ihr Geld verdienen, nur beim 28:28 gegen Schweden einen Punkt abgegeben und waren von Sigurdsson zum Titelfavoriten ernannt worden.

Doch die deutsche Mannschaft tat, was sie versprochen hatte: Sie nahm ihr Herz in beide Hände. Nach einem 3:5 (9.) erspielte sie sich eine 10:8-Führung (22.). Während die variable Abwehr weitgehend toll funktionierte, hakte es im Angriff, wo zu viele gute Chancen vergeben wurden. Dank des überragenden Fäth ging die DHB-Auswahl nach einem 10:12 (27.) nur mit einem 12:23-Rückstand in die Pause.

Auch in der zweiten Halbzeit schenkten sich beide Teams in dem packenden und emotionalen Spiel der beiden gemeinsamen WM-Ausrichter 2019 nichts. Ständig wechselte die Führung mit dem besseren Ende für das DHB-Team.

Vor dem Spiel hatte das DHB-Team moralische Unterstützung von etlichen Sport-Promis bekommen. Per Video-Botschaft auf der Facebook-Fanpage von TV-Experte Stefan Kretzschmar berichtete Fußball-Bundestrainer Joachim Löw, dass er die Spiele gegen Ungarn und Russland gesehen habe. „Ich war begeistert von eurem Tempo und eurer Qualität und habe richtig mitgefiebert. Fürs Spiel gegen Dänemark wünsche ich euch alles Gute. Ich bin mir sicher, dass ihr das schafft.“

Basketball-Star Dirk Nowitzki fieberte in den USA mit. „Macht das Halbfinale klar!“, forderte er. In Liverpool drückte Jürgen Klopp die Daumen. „Wenn ihr das Ganze als einen großen Spaß seht und richtig Bock habt, könnt ihr den Dänen richtig einen verbraten“, ließ er die Handballer wissen. Aus Istanbul meldete sich Nationalspieler Lukas Podolski: „Ihr seid weit gekommen, aber jetzt kommt ihr richtig weit.“


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dpa

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