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Olympia 2016
Kein Olympiasieger der Herzen: Christoph Harting sorgt für Affront in Rio

Rio de Janeiro Kein Olympiasieger der Herzen: Christoph Harting sorgt für Affront in Rio

Mit seinem despektierlichen Verhalten nach dem Wettkampf hat sich Diskus-Olympiasieger Christoph Harting viele Sympathien verscherzt. Der Gold-Coup wird fast zur Nebensache.

Harting hatte während der Medaillenzeremonie am Samstag Faxen gemacht, die Arme verschränkt, Grimassen geschnitten und beim Abspielen der Nationalhymne geschunkelt.

Quelle: dpa

Rio de Janeiro. Nach dem größten Triumph seines Lebens geriet Christoph Harting wegen seines Affront-Auftritts auf dem Gold-Podest von Rio in große Erklärungsnot. „Wie bereitet man sich darauf vor, Olympiasieger zu werden? Ich meine, selbst bei aller Tagträumerei, die man irgendwie vollziehen kann - sowas kannst du dir nicht vorstellen, sowas kannst du dir nicht ausmalen“, sagte der 25 Jahre alte Berliner in einem Interview der ARD und versuchte, sich zu rechtfertigen: „Stillstehen war nicht so meins, deswegen ist das vielleicht falsch angekommen.“

Es kam nicht nur falsch an, Christoph Hartings despektierliches Verhalten nach seinem sensationellen Olympiasieg im Diskuswerfen sorgte für einen Shitstorm aus der Heimat und Entrüstung im deutschen Lager. „Seine sportliche Leistung war großartig, aber sein Verhalten bei der Siegerehrung ist unwürdig gewesen“, tadelte der deutsche Leichtathletik-Präsident Clemens Prokop den jüngeren Bruder von Weltmeister Robert Harting nach dessen Gold-Coup.

Harting hatte während der Medaillenzeremonie am Samstag Faxen gemacht, die Arme verschränkt, Grimassen geschnitten und beim Abspielen der Nationalhymne geschunkelt. „Ich bin ein Mensch, der Rhythmus braucht, der Rhythmus liebt“, meinte er bei einer nicht minder skurrilen Pressekonferenz: „Es ist schwer, zur Nationalhymne zu tanzen, habe ich festgestellt.“ Lachen konnte Michael Vesper über diesen Auftritt gar nicht. „Was Christoph Harting bei der Siegerehrung gezeigt hat, war nicht gut“, kritisierte der Chef de Mission. „Er ist Teil unserer Mannschaft und Botschafter unseres Landes.“

Harting meinte in der ARD, dass er auf dem Podium noch halb im Wettkampfmodus gewesen sei. „Du bist im Kopf eigentlich völlig woanders, du bist hormon-technisch völlig übersteuert“, sagte er. Allerdings hatte er auch nach der Siegerkür sein befremdliches Verhalten fortgesetzt. „Schönen guten Tag, ich freue mich, Sie zur Pressekonferenz, die relativ schweigend verlaufen wird, begrüßen zu dürfen“, sagte er. „Ich bin Sportler und kein PR-Mensch, ich beantworte echt ungern Fragen.“

Mit Blick auf den nicht gerade geliebten Bruder Robert, einen der Wortführer der deutschen Athleten, fügte er an: „Extrovertierte Menschen wollen wahrgenommen werden. Ich bin ein introvertierter Mensch und fühle mich völlig unwohl hier.“

Selbst Hartings Trainer Torsten Lönnfors war einfach nur entsetzt. „Keine Ahnung, was das sollte, ich verstehe es nicht. Christoph muss aufpassen, dass er jetzt nicht frei dreht“, sagte der Coach der „Bild“-Zeitung. Sein Kollege, der Schnellfeuerpistolen-Bundestrainer Detlef Glenz, hatte ebenfalls kein Verständnis für die Respektlosigkeit. „Es ist ein absolutes No-Go, das geht gar nicht“, sagte er.

Empörte Reaktionen gab es auch aus der Heimat. „Gold im Diskus ist echt super geil!!! Aber für dieses Verhalten schäme ich mich in Deutschland vor dem TV!“, schrieb der frühere Weitsprung-Europameister Sebastian Bayer auf seiner Facebook-Seite. Der ehemalige Handball-Nationalspieler Pascal Hens ätzte: „Das Verhalten bei der Nationalhymne ist einfach nur peinlich und respektlos!“

In Schutz genommen wurde Christoph Harting von seinem Vater. „Wir haben die Siegerehrung auf der Großleinwand mitverfolgt. Das ist Christoph und seine Art, Erfolge zu feiern“, sagte Gerd Harting der Deutschen Presse-Agentur. „Christoph will seinen Spaß haben.“

Nur, kaum jemand fand den Auftritt lustig. „Aus meiner Sicht war das nicht optimal, aber ich bin überzeugt, dass er das so nicht wollte“, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, Alfons Hörmann.

Bezeichnend war auch Christoph Hartings Einordnung seines Erfolgs mit etwas Abstand. „Ich bin zur Legende geworden. Ich denke, ich bin in jedem Sportgeschichtsbuch. In allen sportpolitischen Magazinen kann man nachlesen, wer wann Olympiasieger war“, sagte der 2,07 Meter große Athlet.

Erst im letzten Versuch hatte Harting mit 68,37 Meter sensationell den Polen Piotr Malachowski vom Gold-Rang verdrängt und sich damit zum Nachfolger seines Bruders Robert gekürt. Gehandicapt durch einen Hexenschuss war der Olympiasieger von 2012 in der Ausscheidung gescheitert.

Nicht vermiesen lassen wollte sich der Wattenscheider Daniel Jasinski seine Jubel-Laune nach Bronze. „Seine Leistung war wahnsinnig, den Rest muss er selbst wissen“, kommentierte er das Geschehen um den Olympiasieger.

Harting-Coach Lönnfors hat nun die weltbesten Diskuswerfer in seiner Trainingsgruppe, die aber die komplizierteste sein dürfte. „Man könnte meinen, zwei Brüder auf diesem hohen Niveau könnten jetzt die Welt rocken“, sagte er. „Ich denke, dass es eher eine Konkurrenz ist, weil sie so unterschiedliche Typen sind. Das gemeinsame Losstürmen ist deshalb nicht so machbar.“

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