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Die mit den Männern trainiert

Rio de Janeiro Die mit den Männern trainiert

Kristina Reynolds sagte 2012 dem Hockey Ade. Für ihr Comeback ging die Ärztin aus Hamburg einen ungewohnten Weg. Heute will sie ihn mit Olympia- Bronze krönen.

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Kristina Reynolds in Aktion. Die Keeperin aus Hamburg macht sich ganz lang, kann den Ball so noch parieren.

Quelle: AFP

Rio de Janeiro. Sie hatte überragend gehalten, die Bälle der Holländerinnen von der Linie gekratzt, einen Schuss nach einer Strafecke aus dem Winkel gefischt, im Penaltyschießen sogar drei Duelle gewonnen, doch es hatte nicht gereicht. Der Gold-Traum ist für Kristina Reynolds und die deutschen Hockey-Frauen nach dem Penaltydrama (3:4) geplatzt. „Es ist unfassbar, was wir geleistet haben. Dennoch überwiegt gerade die Trauer, weil wir so verdammt nah dran waren. Die Medaille ist aber immer noch drin“, hatte die Hamburger Torhüterin danach in der Mixedzone erklärt. Gefasst, während rings um sie ein deutsches Meer von Tränen war. Bronze heute im Duell gegen Neuseeland (12 Uhr) – für die Tochter eines Briten und einer Deutschen wäre es immer noch „ein Traum“. Es ist ihr Traum.

Es würde die Karriere der 32-Jährigen krönen, denn es ist eine außergewöhnliche. 2008 bei den Peking-Spielen Olympia-Vierte, hatte sie 2012 auf einen neuen Anlauf gehofft. Doch da war sie im Dauer-Duell mit Yvonne Frank (UHC Hamburg) nur zweite Wahl, durfte als P-Akkreditierte nicht beim Team im Olympischen Dorf sein, musste jeden Tag 40 Minuten mit dem Bus nach London und wieder zurück, hockte bei den Spielen als Reservistin nur auf der Tribüne. „Das war schlimm.“ Vier Jahre harte Arbeit, das Quälen fürs Comeback nach der Schulter-OP, alles für die Katz. Dazu kam, dass es im Nationalteam und in ihrem Hamburger Verein Klipper THC „kein vernünftiges Torhüter-Training gab“. Alles Gründe, „dass ich keine Lust mehr auf Hockey hatte“. Reynolds, die gern mal nach Holland gewechselt wäre, „das ist die beste Liga der Welt“, stellte Schläger und Montur in die Ecke. „Es war die richtige Entscheidung. Ich bin froh, dass ich es so gemacht habe“, sagt sie heute.

Am Uniklinikum in Eppendorf hat sie so ihre Facharztausbildung begonnen. Doch dann ertappte sie sich immer häufiger bei dem Gedanken, „dass Hockey doch noch ein bisschen Spaß macht. Es war ein schleichender Prozess.“ Im Sommer 2014 überredete sie dann Bundestrainer Jamilon Mülders. Und Reynolds ging wieder einen unkonventionellen Weg, stieg beim Hamburger Polo Club ein – in der 3. Liga.

Ein Widerspruch? Nein. Da war der Reiz etwas neues aufzubauen. Da war die finanzielle Unterstützung. Und da war Jimi Lewis, der ehemalige englische Nationalkeeper, der ihr zur Seite gestellt wurde.

Ein Torwart-Trainer, das kannte Reynolds bis dato nicht. Doch den brauchte sie. Denn gerade in der Liga fühlte sie sich unterfordert. „Zwischen Nationalteam und Bundesliga sind Welten. In der Liga habe ich mich oft gelangweilt.“ Bei Polo nicht. Lewis lässt sie mit Lacrosse-Schlägern arbeiten, Tennis-Bälle abwehren und mit Männern trainieren. „Die schießen härter, das Tempo ist schneller.“ Die vielen blauen Flecke am eigentlich geschützten Körper, der Arm als dickes Ei – in den ersten Wochen war es auch eine schmerzhafte Erfahrung. Aber es hat sich gelohnt. „Ich bin reaktionsschneller, beweglicher.“

Am Uniklinikum, wo sie zuvor von 8 bis 16.30 Uhr gearbeitet hat und danach stets zum Training ist, hat sie für Olympia ihre halbe Stelle als Gastroenterologin in der Lebertransplantations-Ambulanz von Juni bis Ende August auf Eis gelegt und unbezahlten Urlaub genommen. Der normale Urlaub, die sechs Wochen, waren zuvor schon für Lehrgänge verbraucht. Nach Rio will sie wieder voll arbeiten.

„Mein Chef ist mir da sehr entgegen gekommen. Sie haben auch schon bei der Nominierung alle mit mir gebangt.“ Und sie werden es heute wieder tun. Es wäre die erste Frauen-Medaille seit zwölf Jahren – auch für die Frau, die mit Männern trainiert

Jens Kürbis

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