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Hamburg. „Hamburg ist viel schöner als Berlin“, sangen die 9180 Freezers-Fans in der O2-World, feierten ausgelassen mit den Spielern aus der Hansestadt den denkwürdigen 5:3-Erfolg über Meister Eisbären Berlin im zweiten Viertelfinalspiel der Deutschen Eishockey Liga. Vor allen die Art und Weise wie die Kühlschränke im zweiten Playoff-Krimi für den 1:1-Ausgleich in der „best-of-seven“-Serie geschafft hatten, sorgte für Euphorie.

Hamburgs Kapitän Christoph Schubert war obenauf: „Das war Playoff-Eishockey. Es war einfach geil, das Spiel am Ende so zu gewinnen.“ Nicht ohne Genugtuung stellte der Verteidiger fest: „Nach dem ersten Spiel hatten uns ja viele schon abgeschrieben.“ Denn da hatten die Kühlschränke in Berlin eine 4:0-Führung verspielt, am Ende mit 5:6 nach Verlängerung verloren. Und auch in Spiel zwei hatte es nach einem Eisbären-Sieg ausgesehen — bis die Freezers in den letzten vier Minuten aus einem 1:3 noch ein 5:3 machten.

Entsprechend auch die Stimmung im Fan-Forum der Hanseaten. Kommentare wie „die spinnen die Freezers“, „da gibt es nur eines zu sagen, UNFASSBAR. Die Freezers nach 50 Minuten Mausetot und dann sowas“

oder „das Momentum ist auf der Seite der Freezers, die auch die Massenschlägerei kurz vor Schluss klar für sich entschieden haben. An den vergeigten Vier-Tore-Vorsprung aus Spiel eins denkt längst keiner mehr“, machen dort die Runde.

Einige der Berliner Fans flüchteten sich dagegen in Verschwörungs-Theorien. Sogar von einer Anschutz-Stallorder, die Serie möglichst maximal in die Länge zu ziehen, war die Rede. Schließlich könne Anschutz an jedem zusätzlichen Spiel um Bruder-Duell ordentlich Geld kassieren.

Von einem friedlichen Bruder-Duell war auf dem Eis aber nichts zu spüren. Im Gegenteil: Als die Partie entschieden war und die Hamburger ihren ersten Playoff-Heimsieg seit drei Jahren feiern konnten, entlud sich die ganze Anspannung 18 Sekunden vor Schluss in einer Massenschlägerei mit insgesamt 109 Strafminuten. „Das ist Eishockey, das gehört dazu“, meinte Schubert, der fleißig mitgemischt und 14 Strafminuten kassiert hatte.

Ganz ohne Folgen blieb die Prügelei allerdings nicht. In Spiel drei am Montag müssen die Hamburger in Berlin ohne Verteidiger Duvie Westcott auskommen. Der Kanadier wurde von Schiedsrichter Lars Brüggemann als Hauptschuldiger ausgemacht, ist darum nach einer 10-Minuten- und einer Spieldauer-Disziplinarstrafe automatisch für eine Partie gesperrt. Für ihn wird Landsmann James Bettauer ins Team rücken.

Ohne Prügelei, aber nicht weniger dramatisch ging es im zweiten Viertelfinale zwischen den Grizzly Adams Wolfsburg und den Adlern Mannheim zu. Die Hallenuhr zeigte 23.41 Uhr, als der Mannheimer Matthias Plachta nach 105 Minuten und 54 Sekunden das 3:2 für die Adler erzielte und in der dritten Verlängerung für den gar nicht mehr so plötzlichen Tod der Wolfsburger sorgte. Denn immerhin hatten die beiden Teams da schon 45:54 Minuten nach dem „sudden-death-Modus“ (der erste Treffer entscheidet die Partie) gespielt, ohne dass der Puck den Weg ins Tor gefunden hatte.

Damit geht dieses Viertelfinale als fünftlängstes Playoff-Spiel in die DEL-Geschichtsbücher ein. Für die Mannheimer nichts Neues, denn sie waren auch beim absoluten Rekord dabei — am 22. März 2008 unterlagen die Adler bei den Kölner Haien in der sechsten Verlängerung nach 168:16 Minuten Spielzeit mit 4:5.

DEL-Playoffs
Viertelfinale (Best of 7), 2. Spieltag:

Hamburg Freezers - Eisbären Berlin 5:3

(Stand der Serie: 1:1)

ERC Ingolstadt - Krefeld Pinguine 4:1

(Stand: 1:1)

Straubing Tigers - Kölner Haie 5:2

(Stand: 1:1)

Grizzly A. Wolfsburg - Mannheim n.V. 2:3

Nächste Spiele:

Krefeld Pinguine - Ingolstadt heute, 14.30

Kölner Haie - Straubing Tigers heute, 14.30

Adler Mannheim - Wolfsburg heute, 14.30

Eisb. Berlin - Hamburg Freezers Mo., 19.30


Weitere Viertelfinal-Termine: Di., 26.,

Do., 28., Sa., 30. März und Mo., 1. April

LN