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Schröder spielt für Deutschland

Paris Schröder spielt für Deutschland

Am heutigen Mittwoch steigt die deutsche Mannschaft in die Fußball-EM für Spieler mit intellektueller Beeinträchtigung ein. Michael Schröder aus Lübeck steht im Tor.

Bereits 2008 durfte ID-Nationalkeeper Michael Schröder am Torwarttraining des VfB Lübeck (hier mit Ole Oberbeck/l.) teilnehmen.

Quelle: Maxwitat

Paris. In Paris wurde am Montag wieder eine Fußballeuropameisterschaft angepfiffen: Die EM für Spieler mit intellektueller Beeinträchtigung. Vom 12. bis zum 14. August haben sich die Kicker in Hennef auf das Event vorbereitet – jetzt wird es ernst für sie in Frankreich. Und mittendrin – vielmehr als Sicherheit hintendrin – steht Michael Schröder, der Torwart aus Lübeck.

„Haut euch rein, gebt miteinander alles, wir müssen als Team auftreten. Wer die Tore schießt, ist mir egal, wir haben den Adler auf der Brust. Wir vertreten Deutschland! Macht´s für euch Jungs, für Deutschland!“ Mit diesen Worten feuert Nationaltrainer Jörg Dittwar seine Mannschaft an, heute, wenn sie zu ihrem ersten EM-Einsatz aufläuft.

Im Training muss sich Schröder erstmal einen netten Rüffel des Bundestrainers anhören, der früher prominent aktiv war, 150 Bundesligaspiele für den 1. FC Nürnberg absolvierte: „Weh, oh weh, oh weh!

Was ist denn hier los! Wo läufst du denn hin? Schröder, du Bratwurst!“ Die Kicker absolvierten ein Jugendspiel „Vier-gewinnt“, das beide Gehirnhälften aktivieren sollten. Auf ein Kommando Dittwars laufen die Startläufer los, kicken mit dem Ball zu einem der 16 Hütchen, sprinten zurück und klatschen sich mit dem nächsten ab, der dann erst losrennen darf. Die nächsten Läufer wiederholen das und versuchen die Bälle so zu platzieren, bis eine diagonale, horizontale oder vertikale Linie entsteht. Dabei hat es Michael Schröder versäumt, nach dem Platzieren des Balles den nächsten Mannschaftskameraden abzuklatschen. Den Spielern fällt das gleichzeitige Fußballspielen und Kommunizieren schwer. Genau das wird bei diesem Spiel trainiert.

Die Fußballer der deutschen Fußballnationalmannschaft für geistig Behinderte haben kognitive Schwierigkeiten, die ein Außenstehender nicht auf Anhieb erkennt, eher wirken sie wie eine Jugendauswahl des DFB: „Wenn Leute beim Training zuschauen, Deutschland auf den Trikots lesen und Buchstaben auf dem Emblem sehen, fragen manche, ob wir vom DFB seien. Dann sagen wir, nein wir sind die Nationalmannschaft ID (intellectual disability zu deutsch für geistige Beeinträchtigung)! Wenn ich ihnen sage, dass die Jungs geistig behindert sind, können sie es nicht glauben!“, sagt Dittwar, A-Lizenz-Inhaber, über die Reaktion, die seine Mannschaft auslöst. Seit sieben Jahren ist er Cheftrainer der Nationalmannschaft ID und seine Aufgaben neben dem Platz sind andere als die eines Trainers im nicht-behinderten Bereich: „Von draußen muss ich 90 Minuten den Jungs helfen wie ein Trainer in der E-Jugend, der auch alles voraussagen muss. Meine Rolle als Trainer ist es, für sie mitzudenken“, beschreibt Jörg Dittwar seine Rolle neben dem Platz.

Um bei der Fußallnationalmannschaft ID mitkicken zu können, müssen die Spieler zum einen fußballerisches Können und zum anderen eine frühkindliche geistige Behinderung aufweisen. Diese müssen die Trainer durch Tests belegen, die mit dem Spieler gemacht wurden als er noch im Kindesalter war. Als Kind dürfen die Spieler 75 IQ-Punkte nicht überschritten haben und müssen gegenüber gleichaltrigen zurückgeblieben sein. Wenn die Fußballer in ihren Förderschulen als Talente positiv auffallen, werden diese Kriterien überprüft. Erst wenn die Unterlagen international akzeptiert werden, darf der Spieler auflaufen.

Michael Schröder hat all diese Kriterien erfüllt. Der Lübecker, der auch schon mit den VfB-Torhütern trainieren durfte, steht seit 2005 für Deutschland zwischen den Pfosten und war seitdem bei allen internationalen Turnieren dabei: Bei der WM 2006 im eigenen Land, bei der EM 2008 in England, bei der WM 2010 in Südafrika, bei der EM 2012 in Schweden, und schließlich auch bei der WM vor zwei Jahren Brasilien. Jetzt kämpft er um seinen Stammplatz als Torhüter. Er und seine Mannschaftskameraden haben jeweils eine Vertrauensperson im Trainerteam, die sie jederzeit anrufen können, falls sie private Probleme haben. Darüber hinaus meldet sich die Vertrauensperson auch regelmäßig beim Spieler, bei seinen Eltern oder Betreuern, um sich nach seinem Befinden zu erkunden.

Einigen Spielern ist es unangenehm, in der Öffentlichkeit als geistig behindert dazustehen. Für Schröder ist das kein Thema: „Man sollte keinen ausgrenzen, jeder hat doch irgendwo eine kleine Macke! Wenn einer einen nicht akzeptiert, sollte man eine solche Person einfach ignorieren.“ Schröder ist jedes Mal stolz, wenn er für Deutschland auflaufen darf: „Den Adler auf der Brust zu tragen, fürs Land zu spielen, das ist schon was tolles. Ich mache immer die Augen zu und genieße es einfach, die Nationalhymne zu hören. Ich singe auch mit, und wenn ich mal den Text vergessen habe, dann bewege ich eben die Lippen zur Melodie. Dann komme ich wieder in den Takt rein und singe weiter!“

Jonathan Ponchon

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