Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
„Von meiner Prämie bezahle ich jetzt mein tägliches Leben“

Lübeck „Von meiner Prämie bezahle ich jetzt mein tägliches Leben“

Ruderer Max Munski über Olympia-Silber, Karriere-Ende, sein „normales Leben“.

Lübeck. Lübeck . Party in Rio, Feier auf dem Frankfurter Rathaus-Balkon, oben ohne im Doppeldecker-Bus durch Lübeck, eine Woche Spaß und Sonne mit den Besten im „Champions-Club“

Granada, Silbernes Lorbeerblatt und Empfang beim Bundespräsidenten in Berlin – Maximilian Munski war nach Olympia-Silber mit dem Deutschland-Achter eine gefühlte Ewigkeit im Feier-Modus. Doch jetzt ist die Dauerschleife für den 1,96-Meter-Hünen vorbei. Drei Monate nach seinem Triumph von Rio ist Lübecks „Olympia-Held“ wieder im „normalen Leben“ angekommen. Der 28-Jährige hat seine Zelte am Ruder-Stützpunkt in Dortmund abgebrochen, ist zurück in Hamburg, wo er studiert (Sonderpädagogik auf Lehramt, 5. Semester) und mit seiner Freundin in Barmbek wohnt. Und er hat – obwohl es noch nicht offiziell ist – den Ruderriemen aus der Hand gelegt, seine Karriere für beendet erklärt.

Und wie ist es so im neuen Leben?

Ganz gut. Doch nach Rio habe ich schon eine Weile gebraucht.

Inwiefern?

Nach Rio, den vielen Empfängen – danach war ich total erledigt, einfach zerschossen. Anschließend ging’s mit Freundin in den Urlaub, dann Freunde besuchen hier, mal ’nen Kurztrip nach Berlin da.

Freizeit-Stress pur. Ich wollte alles, wozu ich vorher nie Zeit hatte, in kurzer Zeit nachholen.

Und jetzt?

Bin ich angekommen, studiere seit Mitte Oktober wieder. Doch selbst das war komisch. Ich war da ja ein Jahr komplett raus, habe weder ein Buch angefasst noch ein Seminar besucht. Ich musste das Studieren trainieren. Mit dem Olympia-Hype war man in einer Blase. Dass ich da ’ne Medaille geholt habe, interessiert an der Uni keinen. Meine alten Kommilitonen sind auch alle schon durch, haben ihren Bachelor. Die neuen wissen nichts davon. Aber es ist schön, wenn man nicht nur auf den Sport reduziert wird.

Treiben Sie noch Sport?

Ich trainiere drei bis viermal die Woche. Wenn ich nichts tue, meckert mein Körper. Aber in punkto Abtrainieren werden wir allein gelassen. Da gibt es keinen Leitfaden, nichts.

Vermissen Sie nichts?

Nein, ich habe an diesem Wochenende auch das erste Mal wieder im Boot gesessen, mit LRG-Kumpels hier in Lübeck im Achter. Oder doch? Als ich zuletzt die glatte Alster gesehen haben, habe ich mich beim Gedanken ertappt: Jetzt ’ne Runde Rudern wäre schön. Auch der TV-Dreh in Hamburg mit den Achter-Jungs für eine ARD-Sendung, die am 10. Dezember ausgestrahlt wird, war witzig und schön.

Klingt nach: Ich komme nach einem Jahr Pause wieder . . .

Das schließe ich aus. Ich bin kein Rudertalent. Physis, Power – das musste ich mir hart erarbeiten. Mit einem Jahr Pause würde ich den Anschluss verlieren. Ich müsste für Tokio 2020 noch einmal alles aufgeben, so konsequent durchziehen wie für Rio. Und das will ich meinem Umfeld, meiner Freundin, mir selbst nicht antun.

Sind Sie dem Rudersport noch verbunden oder jetzt stilles Mitglied in der Lübecker Ruder-Gesellschaft?

Ich bin so oft es geht im Verein, war zuletzt auch zu einem Antidoping- Workshop in Ratzeburg, wo ich drei Stunden mit Talenten gesprochen habe. Ich bin auch beim LSV-Jugendtag, einfach gerne da. Ich hab’ ja selbst mal so angefangen. Ich sehe mich noch bei der LRG-Siegesfeier, als ich zu den Weltmeistern wie Peter Ording aufgeschaut habe, stolz war, dass wir so einen im Verein haben.

Cool, dass ich das jetzt weitergeben kann.

Kurzer Wechsel. Für Silber gab es 15000 Euro Prämie von der Sporthilfe. Kommt das auf die hohe Kante?

Wäre schön. Es ist momentan mein Einkommen. Davon bezahle ich Miete, mein tägliches Leben, einfach alles.

Hätten Sie sich mehr Unterstützung gewünscht?

Nein. Ich hatte Glück, wurde von meinem Verein sensationell unterstützt, auch vom Verband. Es geht auch nicht ums Geld. Es geht um die gesellschaftliche Anerkennung. Wenn ein Land Leistungssport will, muss es zum Beispiel auch Lösungen geben, um beruflich später Fuß zu fassen. Es gibt genug Sportler, die viel investieren und auf der Strecke bleiben.

Jens Kürbis

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Sport im Norden
LN-Sportbuzzer - das Portal für Fußballfans! Von Bundesliga bis Kreisklasse...

LN-Sportbuzzer - das Portal für Fußballfans! Von Bundesliga bis Kreisklasse... mehr

Bei SmartBets gibt es die besten Wettquoten für den VfB Lübeck.

Bundestagsparteien haben sich für eine Verlängerung der Wahlperiode von vier auf fünf Jahre ausgesprochen. Eine gute Idee?

  • Urlaub & Reisen
    Unser Reiseportal

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Hochzeitszauber

    Alles zum Planen Ihrer Hochzeit - Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwoch... mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Abseits

Peter Intelmann schreibt witzig und tiefsinnig über Fußball.

Sportblog

Ehrlich und authentisch: Die Meinungen unserer Redakteure im Sportblog.

VfL Bad Schwartau

Hier gibt's alle aktuellen Infos zum VfL Bad Schwartau.

VfB Lübeck

Hier finden Sie alle Informationen zum VfB Lübeck.

Cougars

American Football: Spielberichte und Video.

EHC Timmendorf

Lesen Sie alles über Timmendorfs Eishockey-Mannschaft.

TSV Travemünde

Alles zu den Handball-Damen der "Raubmöwen".

TSV Trittau

Alles zu den Badminton-Stars beim TSV Trittau.