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Fußball Anna-Lena (14) aus Stockelsdorf ist Deutschlands neue Fußballhoffnung
Sportbuzzer Fußball Anna-Lena (14) aus Stockelsdorf ist Deutschlands neue Fußballhoffnung
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13:16 14.06.2015
Anna-Lena Stolze in ihrem Zimmer mit Ball und Schottland-Wimpel. Die 14-Jährige aus Stockelsdorf ist Kapitänin der DFB-U15-Auswahl. Quelle: Lutz Roeßler
Stockelsdorf/Wolfsburg

Krummesses U17-Mädchen mussten gestern im Norddeutschen Pokal ohne sie auskommen. Weil das Knie schmerzte, sah Anna-Lena Stolze das 0:7 in Meppen nur vom Spielfeldrand aus. Ihr Abschiedsspiel, es fand ohne sie statt. Schon vorher hatten auch ihre Jungs vom ATSV Stockelsdorf (zu deren Verbandsliga-Vizemeisterschaft sie 15 Saisontore beisteuerte) ihre Saison beendet. Und künftig geht die Spielführerin der deutschen U15-Nationalelf nun für den VfL Wolfsburg auf Torejagd.

Es ist der Wechsel in die große Fußball-Welt, zum Triple-Sieger von 2013, der auch 2014 Deutscher Meister und Champions-League-Sieger wurde und jetzt erneut den DHB-Pokal holte. Nach langem Überlegen – und früher als ursprünglich geplant – wird sie Jung-Wölfin im U17-Team.

„Hast Du Probleme da, wo Du bist? Gefällt’s Dir da nicht mehr? Warum dann also wechseln?“, hatte ihr DFB-Trainerin Bettina Wiegmann abgeraten. Auch Landestrainer Dieter Bollow sah keine Notwendigkeit. Doch die Vereine standen Schlange, die schnelle, dribbelstarke und schussgewaltige Mittelstürmerin, die in sieben Länderspielen 15 Tore erzielte, ist eine der großen Sturmhoffnungen in Deutschland. Als sie bei ihrem zweiten Besuch in Wolfsburg bei den U17-Bundesliga-Mädels und in der U23-Zweitliga-Mannschaft mittrainiert hatte und wenig später klar war, dass sich ihr Stockelsdorfer Team auflösen würde, stand ihr Entschluss fest. Sie unterschrieb (gemeinsam mit ihren Eltern) einen Dreijahresvertrag – mit halbjähriger Ausstiegsoption.

„Wir haben ihr die Entscheidung überlassen. Sie will es so“, sagt Mutter Birgit Stolze, in den ersten Jahren Betreuerin in der Mannschaft ihrer Tochter. Papa Frank (der sie schon mit vier schießen ließ, wenn er die Torleute aus dem Team des vier Jahre älteren Bruders Jan-Eric trainierte) ergänzt: „Und sie weiß, dass sie jederzeit zurückkommen kann.“

Doch Anna-Lena gefällt Wolfsburg und das dortige Konzept, seit sie im Winter das erste Mal dort war: das ehemalige Pastorenhaus, das der VfL zur Mädchen-WG umgebaut hat (mit Einzelzimmer für jedes der bis zu acht Mädels); die drei Pädagoginnen, die sich um die 15- bis 18-Jährigen kümmern (aber ihnen weder den Einkauf noch das Wäschewaschen abnehmen); die Selbstversorgung am Morgen und Abend (nur Mittagessen wird angeliefert); das Frühtraining zwei- bis dreimal pro Woche anstelle der ersten zwei Schulstunden (samt der Lehrer, die den Stoff dann am Nachmittag vermitteln). „Gut finde ich aber vor allem, dass es kein Internat ist, in der Schule also auch ganz normale Freunde sind, bei denen sich nicht alles um Sport dreht“, sagt Anna-Lena, die an der Eichendorffschule die 10.nKlasse besuchen wird und nach der Realschulprüfung die Oberstufe anpeilt.

In der WG wird sie die Jüngste sein. Aus den Erzählungen der Ex- Kielerin Michaela Brandenburg, die sie aus der Landesauswahl kennt, weiß sie, dass „Zicken-Alarm“ dort die Ausnahme ist. „Es gibt na klar Auseinandersetzungen. Aber ist wohl alles ganz gechillt“, hat sich die Stockelsdorferin berichten lassen. Das Training, weiß sie, wird nicht nur intensiver sein. „Es geht konzentrierter zu als bei den Jungs, die taktischen Anforderungen sind höher“, sagt sie und ergänzt: „Mädchen spielen halt viel mehr mit Köpfchen.“

Ende Juli, kurz nach ihrem 15. Geburtstag, steht der Umzug an. Weg von den Freunden („es gibt ja Handy, Facebook und so“), raus aus ihrem Jugendzimmer, in dem keine Urkunden, aber Packlisten für Lehrgänge beim DFB oder SHFV und persönliche Trainingspläne an den Wänden hängen. Daneben ein Trikot mit Autogrammen ihrer ATSV-Jungs. Und ein Wimpel als Erinnerung an Schottland, ihr zweites Länderspiel, ihr erstes als Kapitänin. Eine Belohnung. „Du hast das Team gut geführt, eine gute Leistung gebracht“, erinnert sich Anna-Lena an die Worte der Bundestrainerin – und strahlt: „Es gibt kein besseres Gefühl, als als Erste auf den Platz zu laufen und das Team hinter sich zu wissen“, sagt sie und meint das durchaus im doppelten Sinne: „Viele Spielerinnen bedanken sich bei mir für meine Rolle im Team.“

Als Leitwölfin der U15-Auswahl hat sie auch ihre Lektionen lernen müssen. So, als sie die Bettruhe missachtete, um einer Mitspielerin beizustehen. „Sie war richtig down. Da musste ich doch helfen.“ Zur Strafe verlor sie die Kapitänsbinde, allerdings nur für ein Spiel. Geschadet hat es ihr nicht: Vom 27. Juni bis 5. Juli soll sie beim DFB- Lehrgang in Dänemark dabei sein. Dann schon in der U16, als Jüngste aller Spielerinnen. Und noch ein letztes Mal ohne den Vereinshinweis: VfL Wolfsburg.

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