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Fußball Löw im Pech: Plan B gegen „absoluten Wunschgegner“
Sportbuzzer Fußball Löw im Pech: Plan B gegen „absoluten Wunschgegner“
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13:36 13.11.2013
Bundestrainer Joachim Löw (M), Thomas Müller (l) und Sidney Sam stehen in München auf dem Trainingsplatz. Foto: Sven Hoppe
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München

Der Ursprungsplan von Joachim Löw für den allerersten Auftritt der deutschen Fußballer im komplett weißen WM-Outfit war schon vor dem ersten Training von Philipp Lahm und Co. geplatzt.

Ausgerechnet gegen seinen „absoluten Wunschgegner“ Italien wird der Bundestrainer in seinem 100. Länderspiel mehr improvisieren müssen, als ihm lieb sein kann. Aus der vorgesehenen Top-Elf muss Löw neben Vize-Kapitän Bastian Schweinsteiger (Fuß-OP) vermutlich auch den an der Schulter verletzten Torjäger Miroslav Klose sowie Spielmacher Mesut Özil und Abwehrchef Per Mertesacker streichen.

Das an Grippe erkrankte Arsenal-Duo musste unverändert in der Wahl-Heimat London ausharren. Um den immerhin nach München angereisten Klose kümmerten sich weiterhin die Ärzte. Das Trio musste Löw frühzeitig von der Namensliste für das erste Training auf dem Gelände des FC Bayern streichen. Die übrigen 21 Akteure seien „gesund und einsatzfähig“, berichtete Löws Assistent Andreas Köpke.

„Wir wollten im November Testspiele, in denen wir noch etwas lernen können. Da gibt es keinen besseren Gegner als Italien“, begründete Löw in der „Süddeutschen Zeitung“ die Auswahl der letzten Gegner im Jahr 2013. Der anschließende Klassiker in London wurde aus Anlass der 150-Jahr-Feier des englischen Fußball-Verbandes abgeschlossen.

Gerade im taktischen Verhalten sei der viermalige Weltmeister Italien ein Lehrmeister, schwärmte Löw - auch für ihn persönlich: Der bittere und teils selbstverschuldete Halbfinal-K.o. bei der EM 2012 gegen die Azzurri (1:2) war auch für den 53-Jährigen eine der schmerzhaftesten Erfahrungen als Chefcoach. „Man kann sich von der italienischen Coolness, von ihrer Cleverness und gnadenlosen Effizienz was abschauen“, bemerkte Löw zur höheren Wertigkeit dieser Prüfung gegenüber der am kommenden Dienstag in England.

Dazu passt, dass Bundestorwarttrainer Köpke ungewohnt frühzeitig angesichts der sonst üblichen Geheimniskrämerei ankündigte, dass Deutschlands Nummer 1 am Freitag in Mailand im Tor stehen wird. „Das Italien-Spiel wird Manuel Neuer absolvieren. Dann wird man alles Weitere sehen“, erklärte Köpke. Neben ihm saß der 33 Jahre alte Dortmunder Roman Weidenfeller, dem Köpke ein DFB-Debüt im Fußball-Tempel Wembley in Aussicht stellte. „Das ist die letzte Chance, nochmal etwas auszuprobieren“, erklärte Köpke vielsagend.

„Ich bin offen für alles“, sagte Weidenfeller bescheiden. Ein Einsatz als ältester Torwart-Debütant in der deutschen Länderspiel-Geschichte bezeichnete der Spätberufene als „Traum“, der in Erfüllung gehen würde. Aber schon die erstmalige Einladung verschaffte dem lange von Bundestrainer Löw verschmähten Schlussmann spürbare Genugtuung. „Der i-Punkt ist damit gesetzt, dass ich dazugehöre“, sprach Weidenfeller.

Der Dortmunder ist jetzt auch für Löw ein WM-Kandidat neben Platzhirsch Neuer, der als einziger Torwart für Brasilien 2014 fix gesetzt ist. „Roman hat sein Spiel umgestellt, spielt auf konstant hohem Niveau“, sagte Köpke zum nochmaligen Entwicklungsschub des BVB-Schlussmannes in der Champions League.

Beim Wiedersehen mit Deutschland-Schreck Mario Balotelli, der vor einem Jahr in Warschau beide EM-Tore für Italien erzielt hatte, ist aber Neuer gefordert. In allen anderen Mannschaftsteilen muss Löw Plan A ändern. Mats Hummels dürfte im Abwehrzentrum den erkrankten Mertesacker ersetzen. Mario Götze könnte bei der Premiere des weißen WM-Trikots mit den roten Bruststreifen Özil als Spielmacher vertreten - wenn der Münchner nicht wieder als verkappter Mittelstürmer aushelfen muss.

Denn Kloses Top-Ersatz Mario Gomez ist nach wie vor verletzt. „Wir sind auch zu anderen Spielen schon ohne Stürmer angereist und haben gezeigt, dass wir im Offensivbereich genug Alternativen haben“, meinte Teammanager Oliver Bierhoff.

Löw will das Beste aus der Situation machen. „Wir sind froh über jede Gelegenheit, im taktischen und personellen Bereich testen zu können.“ Egal wer spielt, ein halbes Jahr vor dem WM-Ernstfall soll es nach langer, langer Zeit mal wieder ein Erfolgserlebnis gegen die Italiener her: Der letzte Sieg datiert vom 21. Juni 1995 „bei dem legendären Drei-Länder-Turnier in der Schweiz“, wie sich Köpke erinnerte. Der 51-Jährige stand in Zürich beim 2:1 im Tor. In Italien siegte Deutschland zuletzt im Februar 1986 - mit dem selben Resultat. Der Torwart war der legendäre Toni Schumacher, inzwischen schon 59.

dpa

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