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Lübeck Cougars Heimatlos in Lübeck
Sportbuzzer Lübeck Cougars Heimatlos in Lübeck
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12:35 14.11.2013
Standort Buniamshof: ASC-Chef Torsten Schwinge könnte sich ein Vereinsheim in der Kurve neben dem Sprecherturm vorstellen. Quelle: Fotos: Lutz Roeßler
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Lübeck

Der Wind pfeift über den Buniamshof. Er fegt über die Pfützen auf dem roten Grandplatz, wedelt nasses Laub vor sich her. Direkt vor die Füße von Torsten Schwinge, der eingemummelt in einen Kapuzen-Pulli vor einem Container steht. Ein stählernes, bekritzeltes Ungetüm, an dem sich die blaue Farbe entblättert. Auf der Wiese neben der Hausmeisterwohnung wirkt der Koloss wie ein Fremdkörper. So, als sei er auf dem Weg in den Hafen verloren gegangen. Schwinge nennt es „unser großes Lager“. Es ist das der Footballer der Lübeck Cougars. Und nicht das einzige. Ein zweites steht auf dem Sportplatz Hansering in einem Mini-Blech-Container. In seinem Keller zu Hause ist ein drittes. „Da sieht es aus wie in einem Football- Laden.“ Und der Rest lagert in Garagen der Mitglieder. „Das ist alles andere als praktisch.“

Es ist ein Problem. Schwinge, 44, seit 1989 Cougar, IT-Fachmann in einer Hamburger Autovermietung, ist im vierten Jahr Vorsitzender des American Sports Club. Seit 26 Jahren ist der Klub in Lübeck Heimat für Footballer, Cheerleader, jetzt auch Lacrosse. Die Footballer sind mit ihrem Nachwuchs in Masse und Klasse die Nummer eins im Norden, noch vor den Canes in Kiel. Die Männer bejubelten im Vorjahr sogar in der ersten Liga ihre Touchdowns — und das vor 1600 Zuschauer im Schnitt auf dem „Buni“. Doch eine Heimat haben sie nicht.

Als Adresse dient ein Postfach in Stockelsdorf. Zu Versammlungen schlüpfen Lübecks „Amerikaner“ unters Dach von Rot- Weiß Moisling. Als Trainingsstätte dient zwar der Kunstrasenplatz am Hansering doch die Umkleiden sind viel zu klein für Football-Teams. „Unsere Jungs ziehen sich im Sommer meist auf dem Platz um oder wir pressen sie in ein Trainer-Zimmer.“ Ein Raum für Videoanalysen?

Fehlanzeige.

Heimatlos in Lübeck. Das soll bald Geschichte sein. Seit Ende 2011, seit Sportbereichsleiter Friedrich Thorn auf Schwinge & Co. zukam, „ist Bewegung in die Sache gekommen“.

Option eins: „Wir sollten an die Falkenwiese, in den Phönix- Sportkomplex mit Judokas, Tänzern und Fußballern.“ Doch die Idee ist vom Tisch. „Völlig unmöglich, allein die Viktoria-Fußballer haben ja schon zwölf Nachwuchsteams. Wie sollen wir da alle trainieren?“, fragt Schwinge. Schon jetzt teilen sich am Hansering oft drei Football- Teams den Platz mit den Kickern.

Option zwei: Lohmühle. Schwinge winkt ab. Termin-Chaos mit den VfB-Fußballern. „Außerdem bräuchten wir 2500 Zuschauer, um eine schwarze Null zu schreiben.“

Option drei: Die Stadt fragte jetzt nach, ob der ASC sich vorstellen könne, auf dem „Buni“ heimisch zu werden, da geplant sei, neben den Beachvolleyballfeldern einen Kunstrasenplatz zu errichten. „Das wäre die Ideallösung“, ist Schwinge Feuer und Flamme. Im Gespräch ist so ein Vereinsheim neben dem sanierungsbedürftigen Sprecherturm oder ein Bau zweistöckig auf der „Container-Wiese“. Ein Muss dabei: Ein Raum für Meetings für bis zu 60 Personen, ein Office und ein großes Lager. Für Schwinge ein Traum: „Ein Heim mit Gastronomie.“ Denn die gibt es auf dem Buniamshof nicht. Zu den Heimspielen wird bei den Cougars improvisiert, werden „VIP‘s“ gar im maroden Sprecherturm empfangen. Schwinge wartet jetzt auf die nächsten Gespräche mit der Stadt, würde sich dann parallel um Mit-Investoren bemühen.

Und er ist überzeugt, dass die Heimatsuche des Klubs bald ein Ende hat, „auch, weil Lübeck Football-Standort ist“. Zumal das sportliche Konzept für die Zukunft steht: „Wir wollen langfristig in die erste Liga aufsteigen und uns mit unserem guten Nachwuchs als Unterbau da etablieren.“ Dass man dafür in Lübeck die Kräfte mit den Seals bündeln müsse, verhehlt er nicht. Doch das ist eine andere Geschichte . . .

Amerikanischer Sport
Der American Sports ClubLübeck wurde 1987 gegründet — nach dem Zusammenbruch der Outlaws- Footballer von TuS Lübeck. Die Sparte Football (Lübeck Cougars) hat drei Jugend-Teams (U19, U16, U13), ein Herren-Team (2. Liga). Im Aufbau sind eine zweite Herren-Mannschaft und ein Flag-Senior-Team. Seit 1989 gehört Cheerleading zum ASC mit drei Teams (Mini, Junior, Crazy Cats).
Seit Juli gibt es eine dritte Sparte — Lacrosse (Herren/Damen — 2. Liga als SG mit Rostock). Eine U12-Liga für Nachwuchsteams ist in Planung. Der ASC Lübeck hat derzeit rund 450 Mitglieder.

Jens Kürbis

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