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Lübeck Cougars Lübecker Football-Fusion: Ehrgeizige Pläne und ein Veto
Sportbuzzer Lübeck Cougars Lübecker Football-Fusion: Ehrgeizige Pläne und ein Veto
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21:47 24.10.2018
Bisher bestenfalls gegeneinander, zukünftig miteinander? Die Lübecks Seals (l.) und die Cougars sprechen über eine Fusion. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Überraschende Wende im seit Jahren zerstrittenen Lübecker „Home of Football“. Via Facebook haben die Vorstände der beiden Lübecker Vereine, der im ASC Lübeck organisierten Cougars und der Seals, am Freitag zu einem „Info-Abend über eine mögliche Zusammenlegung der beiden Lübecker Football-Programme“ geladen.

Fusions-Idee von beiden Vereinen

Der Hintergrund: Die Cougars gibt es als Footballsparte im American Sports Club Lübeck seit 1987. Die „Berglöwen“, derzeit gut 500 Mitglieder stark, spielen mit den Herren in der 2. Bundesliga (GFL2) und sind mit der U19 gerade wieder in die Junioren-Bundesliga (GFLJ) aufgestiegen. Zudem gibt es weitere Teams im Spielbetrieb. Für die Seals, vor 13 Jahren aus ehemaligen Cougars gegründet und aktuell mit knapp 150 Mitgliedern registriert, ist Touchdown-Time in der Oberliga. Seit Jahren leben beide Vereine eine besondere Rivalität. Nun die Kehrtwende: „Die Betonköpfe sind raus, viele Mitglieder beider Vereine gaben jetzt den Anstoß für eine Fusion“, sagt Cougars-Geschäftsführer Sascha Knappe. Nach einem ersten Treffen vor einem Jahr („Da ist nichts passiert“) gab es jetzt, nach einem zweiten mit je fünf Vorständen beider Vereine, eine neue Annäherung. „Wir haben mögliche Optionen besprochen. Auch, dass wir unsere Mitglieder informieren, uns ein Stimmungsbild abholen wollen – und das in einer gemeinsamen Veranstaltung“, sagt Knappe.

Seals-Vorsitzender Florian Lehrmann (l.) und Runningback Mike Davis. Quelle: HFR

Seals-Chef kritisiert eigene Vorstände: „Putschversuch“

Florian Lehrmann, 1. Vorsitzender der Seals, widerspricht: „Es gibt keinen offiziellen Infoabend.“ Die Lehrmann-Kritik: „Die Cougars wollen nicht fusionieren, sondern die Seals auflösen. Das Angebot ist inakzeptabel.“ Sein Vorwurf: „Die Cougars wollen nur unser Gelände, weil sie keins haben.“ Nur: Die Einladung zum Infoabend tragen auch die Namen der Seals-Vorstände Patrick Wischnewski (2. Vorsitzender) und Florian Knüppel (Sportlicher Leiter). „Das war so nicht abgesprochen. Wir haben darüber keine Einigung im Vorstand. Sie haben ihre Kompetenzen überschritten. Das hat etwas von Putschversuch“, wettert Lehrmann. Das Stimmungsbild habe sich auch nach einer Vorstandssitzung am Dienstagabend nicht geändert: „Wir haben keine einheitliche Meinung im Vorstand“, teilte Lehrmann schriftlich mit. Er selbst werde auch nicht auf dem „Infoabend“ sein . . .

Ein Trio für die Cougars: Marketingchef Frank Mendritzki (v.l.), Mirzan Grabic von Nordoel und Sascha Knappe Quelle: HFR

Cougars: Wollen Fusion auf Augenhöhe

Ein Salto rückwärts also in altes Fahrwasser? Cougars-Vermarkter Knappe ist „fassungslos und schockiert über die Entwicklung nach dem Treffen“. Er fragt: „Warum torpediert der Vorsitzende im Nachhinein Besprochenes?“ Und er stellt klar: „Erstens ist das nur ein Infoabend. Wir wissen ja selbst nicht, wie unsere Mitglieder reagieren. Zweitens haben wir nur Vorschläge gemacht. Wir wollen niemanden einverleiben, sondern eine Fusion auf Augenhöhe, auch eine der Vorstände.“ Er könne sich sogar ein neues Logo, einen neuen Namen, auch die goldenen Helme, Markenzeichen der Seals, vorstellen. Knappe betont: „Es geht doch darum, gemeinsam für den Lübecker Football etwas zu tun. Es geht um ein Leuchtturm-Projekt für die Region.“

Aufstieg perfekt gemacht: Die U19-Junioren der Lübeck Cougars spielen künftig Bundesliga. Quelle: Agentur 54°

Cougars planen Football-Akademie

Ungeachtet dessen basteln die Cougars weiter am Team für die neue Zweitliga-Saison. US-Linebacker Donald Smith, der beste Abwehrspieler der GFL2 der vergangenen zwei Jahre, verlängerte um ein Jahr für 2019. „Donald ist ein Schlüsselspieler. Ich bin froh, dass wir ihn wieder für uns gewinnen konnten“, freut sich Headcoach Mark Holtze. Auch er ist ein Befürworter der Fusion: „Für mich ist sie alternativlos. Aus sportlicher Sicht macht sie Sinn – für ein schlagkräftiges Jugend-Programm.“ Im Herrenbereich gibt es derzeit drei Teams in Lübeck, „dafür ist die Stadt doch viel zu klein.“

Holtze denkt auch ans Projekt Zukunft, an die Idee einer Football-Akademie. „Das ist eine zentraler Football-Standort für leistungsstarke Jugendliche, kombiniert aus Schule und Sport.“ Das wäre einzigartig im Norden, gibt es deutschlandweit so nur in Paderborn und Schwäbisch Hall.

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Jens Kürbis

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