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Sport im Norden Abkochen fürs Treppchen
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13:26 20.04.2016
Hat bei der EM in seiner Gewichtsklasse bis 73 kg eine Medaille im Visier: Igor Wandtke (r.). Quelle: Getty

Als ob tiefster Winter wäre. Eingemummelt in Mütze und einen dicken Schwitzanzug, „meine Plastiktüte“, spult Igor Wandtke rund um den Hannoveraner Maschsee Kilometer um Kilometer ab. Kaum angekommen, geht es auf die Tatami zum Judo-Training. Schweißtreibend. Und genau das soll es sein. Der Lübecker fliegt heute via Moskau zur Europameisterschaft ins russische Kasan. Am Freitag steht er in seiner Gewichtsklasse bis 73 Kilogramm auf der Matte. Zuvor muss er morgen Abend aber noch „über die Waage gehen“, bis dahin „noch Gewicht machen“. Von 76 auf 73 Kilo in drei Tagen. Kein Problem für Wandtke. Für ihn ist die „Judo-Diät“ gängige Praxis. „Fasten bis zum Fight, das machen alle so. Das gehört dazu. Man hat durch mehr Substanz höhere Siegchancen“, sagt der 25-Jährige.

„Fasten bis zum Fight, das gehört beim Judo dazu.“ Igor Wandtke

Möglichst schnell auf den Punkt Masse zu verlieren — Wandtke hat sein eigenes Rezept fürs Abkochen gefunden. Neben Training, Läufen in seiner „Plastiktüte“, reduziert er am Tag vor dem Wettkampf die Nahrung. Nüsse, Eiweißriegel, Studentenfutter sind jetzt sein Brot. Trinken? Verboten. Als Höhepunkt steigt er in eine richtig heiße Badewanne. Wasserschwitzen. „Das bringt 500 Gramm.“ Den Rest bringt der Schlaf. Vor dem Wiegen wird auch nicht geduscht, die ausgetrocknete Haut könnte zu viel Flüssigkeit aufnehmen. Ist die Diät erfolgreich überstanden, geht es in die umgekehrte Richtung.

„Ich bin auch kaum von der Waage runter, dann trinke ich schon, lade meine Kohlehydratspeicher wieder auf. Dann wird reingehauen, aber mit Auge. Vollstopfen ist nicht, ich muss ja explosiv bleiben.“

Mit der „Judo-Diät“ zum Erfolg. Die Europameisterschaft in der Millionenmetropole Kasan, der Grand Slam in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans (Mitte Mai), und der Grand Prix in Budapest — diese drei Wettkämpfe stehen für Wandtke auf dem „Road to Rio“ noch an. Auch wenn die offizielle Nominierung erst Ende Mai terminiert ist, weiß er: „Ich bin bei Olympia dabei. Es ist utopisch, dass mir einer noch den Platz wegnimmt.“ Abflug ist am 29. Juli. Zuvor ist er noch drei Wochen im Höhentrainingslager in Österreich, eine Woche in einem internationalen Camp nahe Barcelona und elf Tage zur unmittelbaren Vorbereitung in Kienbaum.

Die Europameisterschaft ist dabei eine Art erste Standortbestimmung. „Wir kämpfen die EM aus dem vollen Training raus“, erklärt Wandtke. 44 Aktive haben in seiner Klasse gemeldet. Er ist an Nummer zehn gesetzt, will aber mehr. „Ich will in Kasan und auch in Baku um eine Medaille kämpfen. Nur so kann ich noch für Rio unter die besten Acht kommen, die in der Auslosung dann gesetzt sind. Das ist schwer, aber machbar.“ Nach überstandenem Infekt — Wandtke hatte nach einem Trainingslager in Kuba Antikörper des Denguefieber-Virus im Blut — ist er wieder fit. Auch sein Zimmerkumpel Alexander Wieczerzak („Ihn hatte es auch erwischt“) ist auf dem Damm. Er kämpft in Kasan noch um seine Rio-Chance. Und auch er muss erst Abkochen, um zu siegen.

Von Jens Kürbis

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