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Sport im Norden Aufruhr beim VfB Lübeck
Sportbuzzer Sport im Norden Aufruhr beim VfB Lübeck
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00:00 30.10.2012
Lübeck

Symbolischer ging es nicht: Um 19.19 Uhr war die Ära Wolfgang Piest gestern beim VfB Lübeck – gegründet 1919 – nach mehr als 20 Jahren beendet. 18 Jahre war er Präsident der Grünweißen, danach Vorsitzender des Aufsichtsrates. Jetzt zog er selbst einen Schlussstrich. Und kam damit der Abwahl durch die Mitglieder zuvor.

Denn der restliche dreiköpfige Rat stellte sich tapfer dem Antrag auf „Widerruf der Wahl der Aufsichtsräte“, einem Misstrauensvotum, das Fans und Alt-VfBer gemeinsam unterstützten und das gestern Kernpunkt der Tagesordnung der VfB-Jahreshauptversammlung im Schuppen 6 an der Untertrave war. Gut 300 Grünweiße – davon 255 stimmberechtigte – waren gekommen. Mehr als je zuvor bei einer Mitgliederversammlung. Und sie zeigten ihre Macht: sämtliche Aufsichtsräte wurden abgewählt, zudem erteilte ihnen das Plenum für ihre geleistete Arbeit keine Entlastung – ebenso wenig, wie dem Vorstand. Thomas Timm, der in Vertretung von Piest als Aufsichtsratsvize die Versammlung leitete, erklärte: „Wir haben nichts anderes erwartet.“ Und leitete souverän weiter durch den heiklen Abend

Die Fans wollten gestern nämlich nicht nur mitbestimmen, wer den VfB künftig leitet – oder vielmehr, wer dies nicht mehr soll – sondern auch wissen, wie der Stand der Dinge ist und wo die Reise hingehen soll. Darüber sollte der Vorstand Auskunft geben. Sprecher Holger Leu hatte zuvor vom Aufsichtsrat den Auftrag erhalten, ein Zukunftskonzept für den Klub zu entwerfen. Den Mitgliedern zeichnete er ein düsteres Bild ihres Vereins, in dem „Streit und Zank hinter den Kulissen“ herrsche, wo es Indiskretionen gebe, mehrfach seit November 2010 habe die Zahlungsunfähigkeit gedroht. Der VfB besitze ein Negativimage, dass die Arbeit des Vorstandes extrem behindere. Zum Thema Zahlungsunfähigkeit ergriff Finanzvorstand Uwe Walter das Wort. Er präsentierte seine Zahlen bisweilen so konfus, dass kaum ein Zuschauer den Überblick behielt. Der VfB sei nicht überschuldet, habe per 30. 9. 2012 aber Verbindlichkeiten von 435 574 Euro – allerdings laut Finanzplan auch im dritten Quartal 2012 ein Guthaben von 3266 Euro erwirtschaftet. „Sehr nebulös, das Ganze“, raunte es in Schuppen 6.

„Es geht heute aber um die Zukunft, um einen Neustart“, rief Leu den Mitgliedern dann zu. Man stehe in Verhandlungen mit einem Investor, der den VfB in „drei bis fünf Jahren“ in die 3. Liga bringen wolle. Und das sei kein „Modell Red Bull“. Bis zu 500 000 Euro pro Saison würde der Partner investieren. Allerdings wolle er den Ausgang der Mitgliederversammlung abwarten, bevor er sich endgültig entscheide. Heute wolle man wieder telefonieren. Leu erhielt Applaus.

Es folgte eine Aussprache mit 21 Wortbeiträgen, auch Trainer Ramazan Yildirim (mit kompletter Mannschaft anwesend) meldete sich zu Wort, erklärte die Sorgen des Teams in der jetzigen Situation, erbat mehr Rückhalt. Vor allem aber die Ur-VfBer wurden beinahe frenetisch beklatscht: Timo Neumann etwa, oder Alt-Präsident Dietmar Scholze, der Leu in Richtung seines Investors, der aus dem Frankfurter Raum zu kommen scheint, zurief: „Wir wollen nicht fremdgelenkt werden!“

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