Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Sport im Norden Dakar-Sieger Dirk von Zitzewitz auf Jobsuche
Sportbuzzer Sport im Norden Dakar-Sieger Dirk von Zitzewitz auf Jobsuche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:41 30.05.2018
Dirk von Zitzewitz gewinnt mit Giniel de Villiers 2009 zum ersten Mal die Rallye Dakar - im VW Touareg.  Quelle: VW
Karlshof

Dirk von Zitzewitz sitzt auf seiner Terrasse, auf dem Schoß ein Buch. Gerade aus Griechenland, der Hellas-Rallye zurückgekehrt, genießt er die ostholsteinische Stille, den Blick auf Wiesen und Wälder. „Ich brauche das jetzt auch“, gesteht der Karlshofer nach rund 2000 Kilometern Staubschlucken, festgeschnallt in einem offenen Cockpit im Kampfjet-Stil. „Es waren lehrreiche 2000 Kilometer“, sagt er und meint damit nicht nur den Sieg in der Side-by-Side-Kategorie, sondern auch den Rollentausch. Denn der Top-Navigator saß hinterm Lenkrad. Da, wo er sonst sitzt, soufflierte ihm der Hamburger Christoph Thielecke. „Ich habe viel gelernt, gerade in punkto Kommunikation, wie und wann, man was sagt. Das gibt mir neue Impulse für meinen Job.“

Von Zitzewitz seit dem 31 . März arbeitslos

Nur, dass dann Giniel de Villiers nicht mehr neben ihm sitzen wird. Nach zwölf Jahren ist die „Ehe“ zwischen „Ginny“ und „Schnietz“, wie sich die Dakar-Sieger von 2009 liebevoll nannten, geschieden. Aus und vorbei. „Das Kapitel ist beendet“, bestätigte von Zitzewitz den LN exklusiv. Auch, dass er künftig nicht mehr für das südafrikanische „Toyota Gazoo Racing“-Team fährt. „Ich bin seit dem 31. März quasi arbeitslos.“ Quasi deshalb, weil er noch mit Motorrad-Touren, -Reisen und -Lehrgängen sowie Vorträgen seine Brötchen verdient. An ein Karriere-Ende als Co-Pilot denkt der 49-Jährige aber noch lange nicht: „Ich werde im Januar wieder am Start der Dakar stehen.“

Klicken Sie sich durch die Galerie.

Triumph 2009 als größter Erfolg

Der Abschied von Toyota, von de Villiers, hängt aber immer noch nach. Seit März 2006 hat er mit dem Südafrikaner das Cockpit geteilt. Elfmal sind sie die Dakar zusammen gefahren, feierten mit dem Triumph 2009 im VW Touareg ihren größten Triumph. Auch nach dem Umstieg zu Toyota 2011 blieben sie trotz schmalen Budgets in der Erfolgsspur. Ihre Südamerika-Bilanz: Bei zehn Ausgaben jagten sie siebenmal aufs Podest. Erfolgreicher als „Mr. und Mr. Zuverlässig“ war keiner.

Doch die Trennung der Freunde deutete sich schon vor der letzten Dakar an. Von Zitzewitz wurde teamintern noch der Job des „Car-Managers“ aufgedrückt. Dass genug Benzin im Tank ist, die Ersatzteile, Reserveräder an Bord sind – für all das war er plötzlich verantwortlich. In den Zwischentönen nach den Etappen war auch immer mehr vernehmbar, dass „DvZ“ und „GdV“ im Cockpit nicht mehr auf einer Wellenlänge lagen, de Villiers Ansagen ignorierte, Fehler aber von Zitzewitz angekreidet wurden. „Giniel stand unter gehörigem Druck. Das hat ihn gelähmt“, ist sich von Zitzewitz sicher. Gesamtrang drei deckte all das nicht zu. Als Grund der Trennung sieht „DvZ“ aber die „unterschiedlichen Ziele“. De Villiers, 46, will nur noch ein Jahr fahren, seine Karriere ausklingen lassen, „aber ich will auf Sieg fahren, die Dakar gewinnen“.

Trauriger Abschied

Die zwölf Jahre mit dem Südafrikaner bezeichnet von Zitzewitz als „grandios. Wir hatten viele schöne Momente. Doch wie die letzten Tage gelaufen sind, hat mich schon sehr traurig gestimmt“, gibt „DvZ“ zu. Keine Blumen, kein Dankeschön, nichts. „Das ist alles sehr sachlich und still über die Bühne gegangen.“ Im Januar hofft von Zitzewitz, „dass wir uns alle wiedersehen“. Sitzt er dann in einem Privat-Auto, oder fährt er für Mini, den letzten Dakar-Dino? „DvZ“ hüllt sich in Schweigen, verrät nur: „Ich habe zwei gute Optionen...“

Respekt hat er schon jetzt vor der Dakar 2019. Da Argentinien („Sie wollen die Formel 1 ins Land holen“) und Chile („Die neue Regierung konnte sich mit dem Ausrichter nicht einigen“) raus sind, führt die Mutter aller Wüstenrallyes nur durch Peru. „Das wird Sand ohne Ende, aber sie wird einseitiger. Mir wird das Abenteuer fehlen.“

Von Jens Kürbis

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!