Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Sport im Norden „Die Zeit war hart und lehrreich“
Sportbuzzer Sport im Norden „Die Zeit war hart und lehrreich“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 28.12.2012

Lübecker Nachrichten: Bei Ihrer Vorgeschichte ist die einfallsloseste aller Fragen erlaubt: Wie geht's, Herr Adler?

René Adler: Sehr gut. Ich kann wieder das machen, was ich liebe: Fußball spielen. Das hat mir sehr gefehlt, die Zeit ohne war hart und lehrreich.

LN: Weil man schnell vergessen wird?

Adler: Auch das. Als ich in Leverkusen verletzt auf der Tribüne saß und den Jungs beim Kicken zusah, tat das immer weh. Wenn sie verloren haben, war ich geknickt. Wenn sie gewonnen haben, haben sie das ohne mich getan.

LN: Sie waren nicht weit weg vom Karriere-Aus. Wie konkret war Plan B, der ohne Fußball, gereift?

Adler: Er war konkret. Es gab in der Reha einen Punkt, an dem ich dachte: Ich pack' das nicht mehr, ich werde nicht mehr mein Niveau von früher erreichen. Wenn es mit dem Fußball vorbei gewesen wäre, wäre das Leben natürlich weitergegangen. Ich interessiere mich für viele Dinge. Kunst, Wirtschaft und so weiter. Dann wäre aus mir eben ein etwas betagter Student geworden.

LN: Es kam anders, in der Kicker-Rangliste werden Sie als bester Torhüter geführt. Selbst Münchner Fußball- Granden wie Jupp Heynckes und Paul Breitner forderten Ihre Rückkehr in die Nationalmannschaft. Ein Wunder?

Adler: Nein, harte Arbeit. Als ich wieder schmerzfrei trainieren und mich auf den Tag X beim HSV konzentrieren konnte, kam das Vertrauen in den Körper und in meine Leistungsfähigkeit zurück.

Beim ersten Bundesligaspiel war ich körperlich im besten Zustand meiner Karriere.

LN: Gab es den einen Glücksmoment? Zum Beispiel nach dem 3:2 gegen Dortmund? Oder nach Ihrer Rückkehr zum DFB?

Adler: Es ist es schön, wenn das Stadion deinen Namen ruft, wie nach dem Spiel gegen Dortmund. Ich empfinde Glück, wenn ich mit den Jungs nach dem Spiel in der Kabine ein Bier trinke, dann nach Hause zu meiner Freundin fahre.

LN: Keine nächtlichen Streifzüge mehr?

Adler: Nein, dieses Bedürfnis ist weg. Man reift, setzt andere Prioritäten.

LN: Gehört dazu auch Ihr Hund?

Adler: Ja, ein bezaubernder Straßenhund aus Portugal. Momo fragt beim Gassi-Gehen nicht, ob ich mittags gewonnen oder verloren habe. Ein Sonnenschein.

LN: Tiere erden, sagt auch Jürgen Klopp. Als er von der Meisterfeier heim kam, klagte Kopps Hund über Durchfall. Also musste Kloppo bei strömenden Regen viermal nachts raus. Klopp damals: Auch ein Meistertrainer wird nass.

Adler: Ich weiß, wie das gemeint ist, neige aber auch ohne Hund nicht zum Abheben. Dafür sorgt meine Familie.

LN: Wie gehen Sie mit den Elogen auf den besten Adler aller Zeiten um?

Adler: Ich lese wenig Zeitung, weiß, dass alles auch wieder schnell in eine andere Richtung gehen kann.

LN: Mögen Sie Manuel Neuer?

Adler: Ja, warum nicht?

LN: Weil er die Nummer eins im deutschen Tor ist.

Adler: Er hat sich das erarbeitet.

LN: Und er profitierte 2010 von einer Verletzung der eigentlichen Nummer eins. Das waren Sie.

Adler: Dafür konnte Manuel nichts.

LN: Sie sagten unlängst, dass Sie gerne die Nummer eins wären, kredenzten dem Boulevard damit eine Steilvorlage.

Adler: Das Echo war wirklich sensationell. Adler fordert Neuer heraus! Adler will Neuers Platz! Ich habe nur geschmunzelt. Soll ich sagen, dass ich zufrieden mit einem Platz auf der Bank bin?

Ich bin extrem ehrgeizig, werde hart arbeiten. Der Rest wird sich zeigen.

LN: Apropos harte Arbeit. Sie haben Ihr Training umgestellt. Ist weniger mehr?

Adler: Vielleicht steckte früher ein bisschen die Ost-Schule in mir. Wenn ein Muskel weh tat, musste ich den eben noch stärker trainieren, noch härter machen, dachte ich. Ich gehe jetzt gezielter in den Kraftraum, achte noch mehr auf Qualität - und vor allem auf die Explosivität.

LN: Jens Lehmann hat mit annähernd 40 noch gespielt. Ist das ein Ziel für Sie?

Adler: Fakt ist, dass ich das Spiel noch nie so genossen habe wie jetzt. Ich mache mir nicht mehr in jeder Sekunde eine riesigen Druck. Solange die Knochen halten, werde ich im Tor stehen. Es ist und bleibt mein Traumberuf.

LN: Der HSV steht ...

Adler: ... mit 24 Punkten besser da, als von vielen nach der letzten Horror-Saison vorhergesagt. Wir waren in der Vorrunde oft brutal effizient, haben gegen Topteams gewonnen, aber auch Punkte liegenlassen. Die Richtung stimmt. Ich bin auch froh, wenn ich mal wenig auf den Kasten kriege, weil unsere Mannschaft super funktioniert. Ich muss nicht im Mittelpunkt stehen.

LN: Meister wird . . .

Adler: . . . höchstwahrscheinlich Bayern.

Interview: Guido Schäfer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Serkan Rinal bleibt dem VfB Lübeck auch in der Rückserie als Trainer erhalten, wird allerdings nicht mehr für die Regionalliga- Mannschaft zuständig sein, sondern für die U21 in der Schleswig-Holstein-Liga.

28.12.2012

Fußballer kicken ab heute in der Hansehalle.

28.12.2012

Sven Gösch kehrt nach zwei Jahren an die Ostsee zurück. Gegen Adendorf soll heute gleich ein Dreier her.

28.12.2012
Anzeige