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Sport im Norden „Ein Geschenk des Himmels“
Sportbuzzer Sport im Norden „Ein Geschenk des Himmels“
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09:44 03.12.2018
Von Fotografen umringt: Magnus Carlsen (l.) und sein Herausforderer Fabio Caruana. Quelle: DPA
Lübeck

Und plötzlich reden alle über Schach. Da tauchte der Lübecker Ullrich Krause, Präsident des deutschen Verbandes, im ARD-Morgenmagazin auf, musste erklären, warum der WM-Kampf nach elf Remis trotzdem spannend und ein Ereignis ist. Die halbe Welt berichtete ja auch aus London vom Kampf der Gladiatoren. Zum Showdown hatte sogar Italien gemerkt, dass es einen halben Herausforderer hat, den Italoamerikaner Fabiano Caruana. Reporter bloggten deshalb live. Doch das Schnellschach-Rennen machte Titelverteidiger Magnus Carlsen.

Krause: Schachboom liegt an Carlsen

„Ich bin froh, dass er uns weitere zwei Jahre erhalten bleibt. Er ist ein Geschenk des Himmels für unseren Sport“, sagt Krause. Doch warum? „Er ist locker, gewinnend, auch wenn seine sehr betonten Züge schon teilweise arrogant wirken. Er ist ein Sonnyboy, hat auch schon als Model gearbeitet.“ Krause ist sich sicher: „Dass das Interesse an Schach in den vergangenen vier Jahren signifikant gestiegen ist, liegt an Carlsen.“ Seine Geschichte ist auch spannend. Mit 13 Jahren war er bereits Großmeister, mit 19 erreichte der Norweger die Spitze der Weltrangliste, mit 22 wurde er mit einem Sieg über Viswanathan Anand zweitjüngster Weltmeister.

Einst Landesmeister, jetzt Präsident des Deutschen Schachbundes: Ullrich Krause aus Lübeck. Quelle: HFR

Krause: „Wir haben erstmals ein Mitgliederplus“

In seiner Heimat ist Carlsen ein Popstar. Im Vorjahr füllte er die Kinos mit seinem Film „Der Mozart des Schachs“. Während der WM-Tage von London waren in Norwegen alle Schachspiele ausverkauft. Dass er mit seiner App „Play Magnus“ daran auch verdient, passt ins Bild des eloquenten Millionärs. Das staatliche Fernsehen punktete dabei mit Live-Übertragungen. Die teilweise quälend langen Partie hatten Marktanteile von bis zu 35 Prozent.

Und in Deutschland? „Da ist so ein Boom nicht zu erwarten, auch wenn viele Online-Portale Millionen-Klicks hatten. Dafür sind wir zu weit weg von der Weltspitze“, gibt Präsident Krause zu. Aber auch in „Old Germany“ geht es aufwärts. „Wir konnten den Mitgliederschwund stoppen, hatten jetzt erstmals ein Plus von 8 00. Das kann nicht jeder Verband von sich behaupten“, sagt Krause, der in seinem Verband derzeit um die 90.000 Mitglieder zählt. Er ist sich sicher: „Wenn wir einen Carlsen hätten, würden die Zahlen durch die Decke gehen.“ Im 14-jährigen Mainzer Vincent Keymer sieht er so ein Talent. „Er ist mit Carlsen auf Augenhöhe, so gut wie er mit 14.“

Talente des Lübecker Schachvereins: Alexander Riess, Alva Glinzner und Frederik Svane (v.l.) Quelle: Jan-Henrik Plackmeyer

Schulschach boomt in Deutschland

Was in Deutschland aber boomt, das ist Schulschach. Auch in Lübeck. Seit sich mit Michael Weiss und Marco Frohberg zwei Profis dem Thema widmen, Schulen für AG’s gewinnen konnten, mit der Schule am Koggenweg und der in St. Jürgen zwei sogar das Qualitätssiegel Schachschule tragen (top in Deutschland), „haben auch wir als Verein davon profitiert“, sagt Thilo Koop, Vorsitzender des Lübecker Schachvereins (LSV). Dass der LSV mit rund 200 Mitgliedern der sechstgrößte Verein in Deutschland, ist, „ist auf unsere Jugend zurückzuführen“. 70 Kinder und Jugendliche zählt Koop im Verein.

Sitzt als 18-Jähriger am Zweitligabrett: Martin Kololli. Quelle: Jan-Henrik Plackmeyer

Vier Teenager am Lübecker Zweitligabrett

Kein Zufall ist so auch, dass im LSV-Zweitliga-Team mit Alexander Riess (17), Martin Kololli (18), Frederik Svane (14) und Tigran Poghosyan (17) vier Teenager an den Topbrettern zwei bis fünf sitzen. Sie sind auch die Leistungsträger im Jugend-Bundesligateam, das am Sonntag im Vereinsheim in der Sophienstraße im Spitzenkampf gegen Kiel punkten will. Neben Svane, der aktuelle deutsche Amateurmeister, wächst noch eine zweite große Hoffnung im Verein heran: Lisa Sickmann. Die Achtjährige ist gerade von der U8-WM in Santiago de Compostela zurück, belegte da Platz 32. Koop: „Dabei spielt sie erst seit anderthalb Jahren. Ein Riesenerfolg.“

Auch der LSV-Chef führt den Schach-Boom auf Carlsen zurück. Doch nicht nur. „Er ist auch durch das Internet entstanden. Schachpartien, Live-Kommentare, Chats mit Experten, das gab es früher nicht.“ Ein analoges Spiel digital vermarktet – Koop findet es „charmant.“ Und er ist sich sicher: „Schach ist raus aus der verschrobenen Ecke.“ Auch dank Carlsen, dem „Geschenk des Himmels“

Jens Kürbis

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