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Sport im Norden Fernbeziehung für Tokio 2020
Sportbuzzer Sport im Norden Fernbeziehung für Tokio 2020
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22:12 21.06.2017
Hängen sich für ihren Olympia-Traum voll rein: Max Böhme (l.) und Justus Schmidt. Quelle: Foto: Segel-Bilder.de
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Kiel

Ein kurzer Blick in die Ergebnisliste. Justus Schmidt registriert die Plätze 2, 21 und 6, die Fieberkurve in den ersten drei Rennen, auch Gesamtrang acht – und schüttelt den Kopf: „Das wird sich ändern. Uns droht wegen Frühstarts im ersten Rennen noch die Disqualifikation.“ Der Start in die Kieler Woche, für den Schönwalder und seinen Vorschoter Max Böhme wäre er im olympischen 49er versemmelt. Von wegen! „Kein Beinbruch. Die paar Fehler schleifen sich ab. Morgen wird es schon viel besser“, lächelt Schmidt und schwärmt vom Spaß, den das Segeln gemacht habe.

Reicht ihnen das? Haben beide nicht höhere Ansprüche, Olympia 2020, die Spiele in Tokio als Ziel? Und da dann bitte auch eine Medaille? Die Tage in Schilksee, das Segeln in ihrem Wohnzimmer, wo sie fast jede Welle mit Vornamen kennen, es ist für beide gerade jetzt etwas ganz Besonderes. Schmidt nennt sie „quality Days“, denn sie sind rar. Schmidt/Böhme leben in einer Fernbeziehung. Max studiert im polnischen Stettin Medizin, Justus in Kiel Volkswirtschaftslehre. „Wir waren in diesem Jahr erst 30 Tage auf dem Wasser, das ist für uns sehr, sehr wenig.“ Ein Camp im spanischen Alicante, ein Intermezzo auf dem Gardasee und eine Woche Training vor dem Weltcup in Hyères. Für den Start selbst hat die Zeit nicht gereicht. Ein Handicap? Nicht für Schmidt. „Wir nutzen die wenigen Tage intensiver. Und sie schärfen den Blick.“

Die Kieler Woche ganz besonders. Es ist für beide die erste Regatta seit einem Jahr, seit der „KiWo 2016“. Und: Es ist ihre erste auf dem Weg nach Tokio, eine Art Startschuss. Sie wissen, was das heißt. Dass sich ab 2018 alles wieder in Richtung Zweisamkeit verschiebt. Studium, Freunde, Freizeit – alles wird hinten an stehen. Es zählt nur eins: Training und Wettkampf. Eine Dauerschleife. Sonntage sind wie Montage. Freie Tage richten sich nach dem Regatta-Kalender.

Kampagne nennen sie es. Doch die will auch bezahlt sein. Die „Schmidt-Böhme-Racing GbR“ haben sie dafür gegründet, über die sie alles – vom Flug bis zur Unterkunft – nicht nur organisieren, auch finanzieren. Gut 100000 Euro brauchen sie per anno. Eltern, Stiftungen, Klub, Landesverband – alle helfen. Doch Schmidt weiß schon jetzt: „Dieses Jahr wird es eng. Wir suchen noch regionale Partner, die den Weg mit uns gehen.“ Was der 25-Jährige nicht sagt: Vom nationalen Verband gibt es seit dem Aus für das Sailing Team Germany, seit dem Bruch mit Schwall & Co., nicht viel mehr als warme Worte. Sponsoren? Eine vom DSV teuer eingekaufte Agentur sucht immer noch. Das sorgt für Unruhe. Als „Audi“ den Nationalteams spontan mit fahrbaren Untersätzen helfen wollte, wurde schon das hinterfragt.

Zurück zu Schmidt/Böhme: Eine Konstante in ihrem Tokio-Plan ist die Arbeit mit Trainer Thomas Rein, mit „Speed-Doktor“ Lennart Briesenick, auch die mit den Olympia-Dritten Erik Heil und Thomas Plößel. Dass die ihnen wieder das Ticket wegschnappen können, ist Schmidt klar: „Das Risiko ist uns bewusst. Doch nur gemeinsam kommen wir weiter.“

Die Kieler Woche 2017 ist für Schmidt/Böhme so „vor allem nur ein Training“. Abgerechnet wird zur EM Ende Juli erneut vor Kiel, und zur WM einen Monat später. Die steigt vor Porto, ihrem Lieblingsrevier, wo sie 2015 zu EM- Gold segelten. Ein gutes Omen. Da störte es auch nicht, dass – wie befürchtet – am gestrigen Abend der Frühstart noch ins Kontor schlug, sie auf Platz 32 abrutschten . . .

Signale für Paralympics-Comeback und Weltcup in Kiel

Die Stadt, die Kieler Woche und der Weltverband zeigten beim Seglerfrühstück der schleswig-holsteinischen Sportjournalisten den Schulterschluss.

Para Worlds: Andy Hunt (CEO World Sailing) sieht Kiel als starkes Signal für das paralympische Comeback 2024. „Wir müssen für die Rückkehr 32 segelnde Nationen nachweisen, in Kiel sind es 39 – ein großer Schritt.“

Weltcup: 2018 soll im Rahmen der Kieler Woche das Weltcup-Finale steigen. „Im September wird die Entscheidung fallen“, erklärte Kieler- Woche-Chef Dirk Ramhorst. Seglerisch sei alles klar. Die Sponsoren von World Sailing und Kieler Woche sind aber noch nicht auf einer Wellenlänge.

Jens Kürbis

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