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Frust bei Traumbedingungen

Kiel Frust bei Traumbedingungen

Ex-Weltmeister Jan von der Bank segelt im Contender hinterher. Der Job als Drehbuchautor lässt ihm kaum Zeit zum Segeln. Die Sach-Brüder sind vorm Finale in Kiel ungeschlagen.

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Für Jan von der Bank lief bei der Kieler Woche diesmal wenig zusammen. Gestern machte der Routinier mit 30 Jahren Contender-Erfahrung sogar Anfänger-Fehler, kenterte an der Tonne. Entsprechend sauer auf sich selbst war der 46-Jährige anschließend.

Quelle: Foto: okpress/Kieler Woche

Kiel. Gut anderthalb Meter Welle, die Sonne glitzerte auf der Förde. „Es war einfach geil, zu segeln“, freute sich Jan von der Bank über die Bedingungen am vorletzten Tag der Kieler Woche. Doch der Spaß, er hielt sich für ihn in Grenzen. Angetreten, um im Contender zu gewinnen oder „wenigstens aufs Podest zu segeln“, rangiert der Ex-Weltmeister aus Eutin vor den finalen Rennen auf Rang sieben. „Das ist nicht mein Anspruch“, gibt er zu. Mehr noch: Seit 30 Jahren in der Einhand-Trapezjolle zu Hause, passierten ihm gestern Anfängerfehler. „Kenterung, Tonnenberührung — alles war dabei. Ich hab‘ die Luvtonne sogar bis zur Flagge mitgeschleppt. Geht gar nicht. Nee, ich bin total angefressen. Wenigstens im dritten Rennen durfte ich Dritter werden.“

In Front liegt der Däne Søren Dulong Andreasen. Mehrfach-Champion Andrea Bonezzi ist auf Rang fünf zurückgefallen, wurde mit Verdacht auf Bandscheibenvorfall sogar ins Krankenhaus eingeliefert.

Bester Deutscher ist Christoph Homeier auf Rang vier. „Da vorn geht sicher einiges, aber nicht mehr für mich“, gab sich von der Bank fatalistisch. Der 46-Jährige musste sich eingestehen: „Ich habe die letzten Jahre auch zu wenig getan.“

Er hat andere Prioritäten. Da ist seine Familie, sind seine drei Kinder Kaya (9), Flora (5) und Jannika (2). Und da ist sein Job als Autor für Romane und Drehbücher. Unzählige Folgen der ZDF-Serien „Küstenwache“ und „Der Alte“ stammen aus seiner Feder. Für das Zweite hat er das Pilotbuch für die neue, in Neustadt und Umgebung spielende Vorabendserie „Kripo Holstein — Mord und Meer“ geschrieben.

Als Kulisse dienen Ostsee, Strände, Steilküste, Seen, alte Gehöfte inmitten von Rapsfeldern und traditionsreiche Dörfer. Mitte Oktober ist Start, gesendet wird immer mittwochs um 19.25 Uhr. Von der Bank ist klar: „Bei all dem bleibt wenig Zeit fürs Segeln.“ Die WM in diesem Jahr muss er so sausen lassen.

Für Helge und Christian Sach, die Katamaran-Profis aus dem ostholsteinischen Zarnekau, ist Segeln neben dem Trailerbau der Broterwerb. Nachdem Helge im neuen olympischen Nacra 17 (Platz 16) wichtige Erfahrungen für seinen Trainerjob sammelte, zeigte er mit seinem Bruder Christian in der Konstruktionsklasse Formula 18 seine Klasse. Die Sachs sind vor dem heutigen Finale als einziges Team aller Klassen noch ungeschlagen. Ihre Bilanz: Neun Rennen, neun Siege. Der siebte Kieler-Woche-Sieg ist ihnen so gut wie sicher, wie auch Wolfgang Hunger (Kiel) im 505er. Der Kieler steuert mit Vorschoter Julien Kleiner (München) auf seinen 21. Sieg in Kiel zu.

Auf der TV-Bahn, beobachtet von zig Kameras, hatte derweil gestern die Kielboot-Klasse B/one ihren Auftritt. Ein TV-Aufwand, den Jan von der Bank in Frage stellt. „Mag der wichtig für die olympischen Klassen sein, uns als Contender befremdet der eher. Wir fragen uns immer: Zahlen wir das alles mit?“ 100 Euro Meldegeld müssen die Contender-Segler berappen. „Das ist happig, dazu noch die Gebühren für Camping, Essen, Anreise, viele junge Segler bleiben deshalb weg, streichen Kiel.“ Sie fahren stattdessen zur WM an den Comer See, wo 170 Boote gemeldet sind. In Kiel sind es 46. Von der Bank sieht für Kiel Potential für „80 Boote, wenn das Paket stimmiger wäre“.

Die Klassen-Besten
29er (nach 11 Wettfahrten): Rual/Amoros (Frankreich) 10 Pkte;

420er (9): Borbet/Northoff (Wülfrath) 25; 505er (9): Hunger/Kleiner (Kiel) 12;

Contender (9): Andreasen (Dänemark) 23;

Europe (8): Brodtkorb (Norwegen) 8;

FD (9): König/Brack (Edernsee) 10;

Formula 18 (9): Sach/Sach (Zarnekau) 8;

Hobie 16 (9): Wiese-Dohse/Gehrmann (Sütel) 15;

Laser 4.7 (8): Malach (Zarrentin) 18;

Laser Radial open (8): Rost (DK) 12;

Musto Performance Skiff (10): Oswald (Schweiz) 21;

OK-Jolle (9): Buzien (Schwerin) 14;

Jens Kürbis

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