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Sport im Norden Härtetest für VfL-Handballer
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21:25 08.11.2018
Schwartaus Steffen Köhler setzt sich gegen Wilhelmshavens Duncan Postel (Nr. 13) durch. Auch Köhlers Zwillingsbruder Janik (Nr. 23) kann nicht mehr eingreifen. Quelle: Agentur 54°
Lübeck

Doppelspieltag! Und dann noch die erste Partie auswärts. Für Dennis Klockmann & Co.heißt das: Alarmstufe rot. Nicht nur ob der Doppelbelastung. Denn für Schwartaus „Feierabend-Handballer“ – das Gros im Zweitliga-Team sind keine Profis – heißt das auch: Urlaub nehmen, Dienste verschieben, Arbeitgeber einbinden. Meist kommen sie jedoch direkt aus der Uni oder vom Job zum Bus. So wie Steffen Köhler, der den anspruchsvollen Spagat zwischen Job und Handball täglich lebt. Als IT-Trainee der Hamburger Senatskanzlei arbeitet er 39 Stunden die Woche, „ganz normal“. Im Büro ist er ab sieben. Wenn es wie diesen Freitag nach Wilhelmshaven (Anwurf: 20 Uhr) geht, „arbeite ich die Zeit raus, sonst nehme ich Urlaub. Ich habe auch schon im Bus weitergearbeitet“. Am Freitag hat er um 13 Uhr Dienstschluss, steigt dann in Hamburg zu. Dennis Klockmann (Clockwork Fotografie), neben Jan Schult der „Selbstständige“ im Team, schiebt sich den Tag komplett frei. „Keine Büroarbeit, keine Kundentermine. Ich brauche das, um zum Spiel meine Leistung zu bringen“, sagt der Torwart-Riese.

„Die Belastung ist einfach grenzwertig“

Dem Doppelspieltag kann er indes nichts abgewinnen: „Die Belastung ist einfach grenzwertig.“ Das empfindet auch Martin Waschul so, der bei „SLM Solution“ (3D-Druck-Anlagen) als Werksstudent jobbt. Mit 281 Kilometern habe der „Ritt“ nach Wilhelmshaven zwar fast Derby-Charakter, „du bist trotzdem erst gegen zwei, drei in der Nacht zurück, steigst gerädert aus dem Bus, trainierst am Samstag locker – mehr ist nicht drin.“ Und dann kommt schon der Sonntag, das nächste Spiel binnen 44 Stunden. Er weiß schon jetzt, wie er sich nach dem Heimspiel gegen Hagen fühlen wird: „Du bist einfach im Arsch, spürst das die ganze Woche noch.“ Es sei Raubbau am Körper. „Klar, im Eishockey ist das Alltag, aber die haben auch fünf Monate im Sommer frei.“ Für Köhler sind es insgesamt „einfach zu viel Spiele, aber das ist ein leidiges Thema“.

Andreas Wäschenbach, in der Handball-Bundesliga (HBL) für die Spielplanerstellung zuständig, kennt es, stellt aber klar: „Das ist keine Erfindung von uns. Die Vereine selbst wollten es so, um vom Mittwoch-Spieltag wegzukommen.“ Beim Bauen des Spielplans versuche man, wenn im Frühjahr der Computer mit Daten gefüttert wird („Wir arbeiten da mit der Software der Deutschen Fußball Liga“), gerade an Doppelspieltagen die Entfernungen überschaubar zu halten. „Wir haben die Liga da in Nord und Süd-Gruppen unterteilt“, erklärt Wäschenbach, „das geht im Großen und Ganzen gut auf.“ Im kommenden Jahr wird es ohnehin besser. Die Liga wird von 20 auf 18 Teams verkleinert, „und es gibt dann nur noch maximal einen Doppelspieltag“.

VfL seit Jahren Weihnachten auswärts

Der VfL hat in der Saison mit gut 17 000 Kilometern nach Balingen die größten Entfernungen abzureisen, muss dafür geschätzte 35 000 Euro im Etat einstellen. Bei sieben Partien geht es sogar einen Tag vorher auf Tour. Doch auch da wird aufs Budget geschaut. „Mit einer Rechnung von 3000 Euro brauche ich da gar nicht erst ankommen“, erklärt VfL-Reiseplaner Bernd Komotzki. Auch die Einkehr in ein Tageshotel – wie in der ersten Liga vor jedem Spiel üblich – sei finanziell nicht drin, Flüge seien die Ausnahme. So wie am 26. Dezember, wenn der VfL in Balingen, südlich von Stuttgart, ran muss, 871 Kilometer weg, die längste Tour. Wenn Klockmann an die Partie denkt, wird er „richtig sauer. Balingen, und dann noch zu Weihnachten. Wer plant so etwas. Geht da nicht ein Derby? Da wäre allen geholfen.“ Außerdem müsse der VfL seit Jahren Weihnachten auswärts ran. Wäschenbach hält gegen: „Wir versuchen da ein Gleichgewicht reinzubringen, aber Weihnachten ist für uns ein ganz normaler Spieltag.“

So wie der am heutigen Freitag. Der VfL will dabei in Wilhelmshaven endlich mal wieder auswärts punkten (nur ein Sieg). „Doch das wird hart. Die sind eine eingeschworene Truppe, unangenehm zu bespielen“, weiß der Ex-Wilhelmshavener Waschul. Auch Köhler, Ex-Käptn beim WHV, warnt: „Die Jungs sind spielstark, agieren mit einer offensiven Deckung.“ Und: „Sie sind angeknockt.“ Nach zwei Niederlagen in Folge (gegen den HSV und in Großwallstadt) und dem Abrutschen auf Rang 15 ist die Stimmung in der Nordfrost-Arena unterkühlt. Köhlers Zwillingsbruder Janik wollte am Montag auf seinen 30. Geburtstag einen ausgeben, doch WHV-Coach Christian Köhrmann untersagte das mit dem Hinweis, dass sein Team erst mal wieder 60 Minuten richtig Handball spielen solle.

Jens Kürbis

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