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Handball in Masse und mit viel Klasse

Lübeck Handball in Masse und mit viel Klasse

Spannende Endrunden und beste Stimmung auf 21 Feldern an der Lübecker Falkenwiese.

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Schwer vorbeizukommen votr großer Kulisse: Doch Schwartaus A-Jugend um Markus Warschun besiegte im Finale auf der Falkenwiese den TV Verl sicher mit 13:8.

Quelle: SportBlitz

Lübeck. Ole Feddersen mühte sich redlich. Doch anders als auf der Bühne bei „The Voice of Germany“ gelang es dem Hamburger Sänger trotz eingängigster Rhythmen nicht, das Publikum in der Phönix-Halle von den Sitzen zu reißen. Zu müde hockten die jungen Sportler auf den Bänken im Turnierdorf, waren „ausgepowert“ nach drei langen Tagen auf den Spielfeldern der Falkenwiese und zum Teil nicht minder langen Nächten in den Schul-Unterkünften (die Jüngeren) oder den Diskotheken und Clubs der Hansestadt (die Älteren).

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HSV-Torwart „Jogi“ Bitter mit seinen weiblichen Fans der HSG Wennigsen Gehrden.

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Schon früh morgens um acht Uhr waren am Abschlusstag die ersten Spiele der Finalrunden angesetzt. Und der Spielplan wollte es so, dass ausgerechnet die U21-Handballer des VfL Bad Schwartau und ATSV Stockelsdorf auf Feld 1 gegeneinander anzutreten hatten. Jene Teams, deren Spieler sich aus diversen Duellen und Vereinswechseln untereinander seit Jahren bestens kennen — und die mit der Vorbereitung auf das Spiel bereits am Abend zuvor beim gemeinsamen Grillen begannen.

Dass die Konditionsstärksten unter ihnen schließlich direkt aus dem nicht weit entfernten „Parkhaus“ zum Treffpunkt auf der Falkenwiese erschienen, konnte VfL-Trainer Mirko Baltic verkraften, nachdem sein Team letztlich knapp mit 12:10 gewonnen und so den Grundstein zum Turniersieg gelegt hatte. Und doch war es für ihn „nicht nachvollziehbar, warum die Ältesten, die am längsten feiern, als Erste wieder spielen müssen“.

Auch das wird ein Thema sein, wenn Marcus Sievers und sein Orga-Team vom MTV Lübeck in die Turnier-Nachlese gehen, „insgesamt 4500 Einzelpunkte“ abarbeiten. Doch er weiß: „Bei der männlichen U21 haben wir eine Endrunde ohne K.o.-System gespielt, da mussten wir früh anfangen, um bei fünf Teams den Spielrhythmus halten zu können.“

Im K.o.-Modus der anderen Jahrgänge konnte hingegen jedes Spiel schon das letzte sein. So mussten die Fangruppen gut organisiert sein, um zur rechten Zeit am rechten Feld anzufeuern. „Und weiter geht‘s: Platz 14, männliche C“, gab beispielsweise schnellen Schrittes der Fredenbecker Leitwolf seinem Rudel vor, nachdem auf Platz 19 die „weibliche D“ des einstigen Bundesligisten im Viertelfinale gegen Stockelsdorfs Mädels ausgeschieden war, nun aber die Polen von MKS Truso Elblag gegen die Fredenbecker Jungs spielten — und sich wenig später ebenfalls als zu stark erwiesen.

Mehr Grund zur Freude hatten Stunden später knapp 70 Spieler und Fans des Lübecker Dauergastes TV Verl. Als sich deren männliche Jugend A gegen Lübeck 1876 mit 15:13 durchgesetzt hatte, drohte der Zeitplan aus den Fugen zu geraten, als sie minutenlang Feld 3 besetzten, um mit ihrem Vorsänger den Einzug ins „Finaaaale“ zu feiern.

Das ging dann zwar gegen den VfL Bad Schwartau verloren, war aber keine Schande gegen den erfolgreichsten Verein des Turnierwochenendes — der allerdings im Finale der weiblichen Jugend A eine überraschende 5:9-Niederlage gegen den TSV Ratekau kassierte. Und das vor deutlich mehr als 300 Zuschauern. Beide Mannschaften sind in der kommenden Premieren-Saison in der Bundesliga dabei. Ein weiterer Beweis dafür, dass auch bei den 19. Internationalen Handball-Tagen mit 3500 Aktiven nicht nur Masse, sondern auch viel Klasse am Start war.

Ergebnisse
Männl. U21 (Endrunde): 1. VfL Bad Schwartau, 2. TuS Lübeck 93, 3. ATSV Stockelsdorf;

Weibl. U21: Finale: SG Todesfelde-Leezen - VfL Bad Schwartau 14:5; Platz 3: TuS Aumühle-Wohltorf - SG WiFT Neumünster II 12:9; B-Finale: TuS Lübeck 93 - SG WiFT Neumünster 15:9;

Männl. Jugend A, Finale: VfL Bad Schwartau - TV Verl 13:8; Platz 3: SG Spandau - Lübeck 1876 14:11; B-Finale: HSV Wildau 1950 - HSG Hohn-Elsdorf 17:13.

Weibl. Jugend A, Finale: TSV Ratekau - VfL Bad Schwartau 9:5, Platz 3: ATSV Stockelsdorf - SG Todesfelde/Leezen 14:6; B-Finale: Elmshorner HT - VfL Tegel Berlin 12:1.

Männl. Jugend B, Finale: ATSV Stockelsdorf - BSV 93 Magdeburg 13:11; Platz 3: BBI Saxburg Ravsted (DEN) II - SG Spandau 13:9; B-Finale: Elmshorner HT - HSV Wildau 16:9.

Weibl. Jugend B, Finale: VfL Bad Schwartau - WiFT Neumünster 12:11; Platz 3: MKS Truso Elblag (POL) - Elmshorner HT 12:7; B-Finale: TSV Altenholz - SV Henstedt-Ulzburg 11:7.

Männl. Jugend C, Finale: Herlev-Hjorten Handbold (DEN) - MKS Truso Elblag (POL) 17:11; Platz 3: VfL Bad Schwartau - ATSV Stockelsdorf 19:16; B-Finale: HSV Wildau - HSG BAD 15:14;

Weibl. Jugend C, Finale: BBI Saxburg Ravsted (DEN) - ATSV Stockelsdorf II 13:6; Platz 3: Gimnazjum Nr. 12 Gdynia (POL) - SG Luhdorf Scharmbeck 22:10; B-Finale: HSV Wildau - TSV Lindewitt 14:7.

Männl. Jugend D, Finale: Herlev-Hjorten Handbold (DEN) - SG Spandau 13:9; Platz 3: BBI Saxburg Ravsted (DEN) - UKS Olsztyniak SP 25 (POL) 13:8; B-Finale: TSV Groß

Grönau - HSV Wildau 12:7.

Weibl. Jugend D, Finale: VfL Bad Schwartau - DJK Lübeck 13:9; Platz 3: ATSV Stockelsdorf - TV Scheeßel 14:12; B-Finale: SV Tingleff (DEN) - Luhdorf Scharmbeck 11:8.

Männl. Jugend E: Finale: Bramstedter TS - HSV Wildau 19:11; Platz 3: DHG Sandesneben - MTV Lübeck 12:11; B-Finale: HSG Tills Löwen 08 - SG Spandau 15:7.

Weibl. Jugend E, Finale: SG WiFT Neumünster - VfL Fredenbeck 19:14; Platz 3: ATSV Stockelsdorf - Frankfurter HC 11:6; B-Finale: MTV Lübeck - Lübeck 1876 9:7.

Mini-Mix: Finale: Lübeck 1876, 2. VfL Fredenbeck 18:12; Platz 3: ATSV Stockelsdorf - SG Todesfelde-Leezen 18:5; B-Finale: MTV Lübeck II - Lauenburger SV 9:7.

• Alle Turnierergebnisse unter


„luebecker-handballtage.de/spielbetrieb“

Exoten, Eispacks und ein später Champions-League-Sieger
Mangesh Dalvi wollte eigentlich gemeinsam mit seinem Freund anreisen, der ihn überhaupt erst angestiftet hatte, als Handball-Reisender nach Lübeck zu kommen. Doch als dessen Reisepass verloren ging, bestieg der freundliche Inder aus Mumbai (früher Bombay) den Flieger allein. „Alone“ fühle er sich aber keinesfalls, habe „many friends“ gefunden in Germany, verriet der 48-Jährige. Noch bis zum Wochenende bleibt er und will „of course“ auch Hamburg sehen, bevor er zum Partille-Cup nach Göteborg reist. Seine Mission: Er wolle „lernen, wie man ein solch tolles Turnier wie hier in Lübeck organisiert“. Und dann, verspricht er, wird er irgendwann auch seine Freunde aus Deutschland einladen. Auch wenn das Klima natürlich „gewöhnungsbedürftig“ sei. Ihm jedenfalls sei es bei immerhin bis zu 25 Grad „too cold“ gewesen. Weiterer großer Unterschied: „Disziplin ist in Deutschland die Nummer eins, da sind wir in Indien doch deutlich entspannter“, sagt er und macht sich ganz entspannt auf den Weg zu seinem nächsten Einsatz auf Feld 21 . . .


Stephan Vogt von der Johanniter Unfallhilfe zog nach den drei Tagen ein positives Fazit der Einsätze für ihn und seine 15 Mitstreiter auf der Falkenwiese. Zwar seien „annähernd 200 Eispacks“ ausgegeben worden, aber es habe keine schwerwiegenden Verletzungen gegeben. Dank des besseren Wetters sei das Risiko auch „deutlich geringer gewesen“ als im Vorjahr, als am letzten Tag der Dauerregen zum Schlammrutschen zwang.


Johannes „Jogi“ Bitter (30) hatte sich auf sein Navi verlassen — „und stand plötzlich in der Friedenstraße“ entschuldigte der Torwart von Champions-League-Sieger HSV Hamburg seine 30-minütige Verspätung, gab sich dann aber redselig im Interview. Er ließ wissen, dass er Torwart wurde, weil er „im Feld definitiv zu schlecht“ war; nach einem Triumph wie jüngst in Köln „auch ein starker Mann mal weinen darf“; er als Vater von seit jüngstem drei Kindern seinen Nachwuchs nicht in den Handball drängen will — und schrieb schließlich geduldig Autogramme. ing

Christian Schlichting

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