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Sport im Norden Jonathan Persson startet Olympia-Kampagne
Sportbuzzer Sport im Norden Jonathan Persson startet Olympia-Kampagne
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20:19 29.11.2018
Jonathan Persson vom Badminton-Bundesligisten TSV Trittau peilt die Olympia-Teilnahme 2020 in Tokio an. Quelle: Nuppenau
Trittau/Holbaek

„Hier wird’s inzwischen aber schon sehr früh dunkel.“ Jonathan Persson muss sich erst wieder daran gewöhnen, dass es auf Weihnachten (und den kürzesten Tag des Jahres) zugeht. Nach drei Wochen mit Turnieren in Dubai und Indien stecken dem Badminton-Spieler des Bundesligisten TSV Trittau die Zeitumstellung und die insgesamt gut 15 000 Flugkilometer noch in den Gliedern. Und doch hat er längst die nächsten großen Ziele vor Augen, plant derzeit seine Reisen für die nächsten eineinhalb Jahre. Das ferne Ziel ist Tokio im Sommer 2020. Dort will Persson sich seinen großen sportlichen Traum erfüllen, bei den Sommerspielen dabei sein. Dafür startet er jetzt seine eigene Olympia-Kampagne.

„Es ist mein ganz großes Ziel, einmal bei den Olympischen Spielen dabei zu sein“, sagt der 24-jährige Blondschopf, der im dänischen Holbaek sein Trainingsdomizil hat, sein Zimmer dort übergangsweise noch in einer Containersiedlung liegt, weil der Wohntrakt in dem 50-Millionen-Euro-Projekt „Sportstadt“ noch nicht fertig ist. Der Europäische Badminton-Verband hat sich dort angesiedelt, mit seinem „BEC Centre of Excellence“, einem Trainingszentrum für Badmintonspieler, die nicht an den nationalen Leistungszentren untergekommen sind. 300 Euro zahlt Persson dort fürs Zimmer, ohne Verpflegung. Allein die Hallenzeiten sind kostenlos, zudem stehen Trainer und Physios als Ansprechpartner bereit. Persson, der zudem „International Business Communication“ studiert, finanziert das alles nicht etwa über seine Eltern, die beide als Zahnärzte in Trittau praktizieren („Von ihnen bekomme ich nichts dazu“), sondern über Trainerstunden, die er gegeben hat und zeitweise noch gibt.

20 000 Euro für 30 000 Punkte

Doch für sein großes Ziel reicht das nicht. „20 000 Euro brauche ich für Flüge, Hotels und Visa“, hat er hochgerechnet und startet jetzt seine Aktivitäten zur Sponsorensuche. „Drei bis vier größere müssten es schon sein.“ 6000 Euro für den Hauptsponsor, der auch den größten Platz auf seinem Trikot bekommt – Persson hat für die Akquiseschreiben an international agierende Firmen auch Mediadaten aufbereitet, die zeigen, dass vor allem in Asien hochklassige Badminton-Turniere von Abermillionen TV-Zuschauern gesehen werden. Darüber hinaus bietet er „individuelle Pakete“ an, kann sich auch ein Engagement als Testimonial oder ähnliches vorstellen, ist „für alles offen“. Was tut man nicht alles für seinen großen Traum.

Emotionale Badminton-Momente: Das Trittauer Bundesliga-Team nach dem 4:2-Sieg im Playoff-Viertelfinale beim SC Union Lüdinghausen: Jonathan Persson (vorne links) jubelt mit (h.v.l.) Milosz Bochat, Nikolaj Persson und Joachim Persson sowie (v.v.l.) Ary Trisnanto, Kilasu Ostermeyer, Priskila Siahaya und Iris Tabeling. Quelle: TSV

Auf dem Weg nach Tokio will er auf 26 Turnieren antreten, so 30 000 Punkte einspielen, „die sollten reichen für ein Olympia-Ticket“. Der Qualifikationszeitraum ist begrenzt auf Turniere zwischen dem 29. April 2019 und 26. April 2020. „Aber natürlich muss ich schon vorher auf internationalen Turnieren Gas geben“, weiß Persson. Schließlich beeinflusst die Zahl seiner zuvor erspielten Punkte seine Weltranglistenposition, und die entscheidet darüber, ob er auf den Quali-Turnieren direkt fürs Hauptfeld gesetzt wird, er in die vorgeschaltete Qualifikation muss oder gar nur auf der Reserveliste geführt wird. Die Turniere sind kategorisiert. In der höchsten Serie, der „BWF World Tour Super 1000“, spielt die internationale Spitze quasi unter sich, für den Turniersieg gibt es 12 000 Punkte. Abgestuft folgen die Serien Super 750, 500 und 300, darunter die „International Challenge“, die „International Series“ und als weltweite Turnierserie mit dem geringsten Preisgeld und den wenigsten Punkten die „Future Series“ (1700 für den Turniersieger).

Vermutlich vier Konkurrenten um einen Olympia-Platz

Derzeit hat Persson 15 380 Punkte aus den zurückliegenden zwölf Monaten auf seinem Konto, von den 16 Turnieren, die er gespielt hat, gehen die besten zehn in die Wertung ein. Er liegt damit auf Weltranglistenplatz 120, ist viertbester Deutscher hinter Alexander Roovers (WRL-85.), Kai Schäfer (104.) und Lars Schänzler (118.). Das Trio dürfte gemeinsam mit dem Deutschen Meister Max Weißkirchen (1. BC Beuel/214.) die Konkurrenz sein im Kampf um den einen Startplatz, mit dem der Deutsche Badminton Verband (DBV) im Herreneinzel für die Sommerspiele in Tokio rechnen kann. Ein weiterer Konkurrent wäre Fabian Roth vom Deutschen Meister 1. BC Bischmisheim. Doch noch ist unklar, ob der Deutsche Meister von 2017 nach einem „Seuchenjahr“ mit Meniskus-OP und anhaltenden Bandscheibenproblemen noch einmal international angreift.

Persson sieht gute Chancen, sich seinen Olympia-Traum zu erfüllen. Das sportliche Potenzial ist da. Um das finanzielle bemüht er sich jetzt. Wenn am 16. Dezember das nächste Bundesliga-Punktspiel beim 1. BC Beuel ansteht, will er schon eine Woche früher wieder nach Trittau kommen. Und hofft auf die ersten Gesprächstermine bei potenziellen Sponsoren. Ein seit langem geplanter Urlaub bei seiner Freundin Kate Foo Kune auf Mauritius vor dem Jahreswechsel wird der letzte für lange Zeit sein, weiß Persson. Denn anschließend beginnt sein Turnier-Hopping, Ende Januar will er sich bei den Deutschen Meisterschaften in Bielefeld präsentieren, dann international durchstarten. Vielleicht ja tatsächlich mit dem finalen Reiseziel Tokio im Sommer 2020. „Das wäre ein Traum!“, sagt Persson. Sein Traum, der dann Wirklichkeit würde.

Christian Schlichting

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