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Sport im Norden „Klubs vor Unvernunft schützen“
Sportbuzzer Sport im Norden „Klubs vor Unvernunft schützen“
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22:13 08.07.2017
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Lübeck

Einstimmig. Das Votum der 38 Erst- und Zweitligisten fiel eindeutig aus. Uwe Schwenker bleibt Präsident der Handball-Bundesliga (HBL) – und mit ihm sein Präsidium. Einzige Änderung: Die Amtszeit wurde von drei auf vier Jahre, bis Juli 2021, erweitert und so dem Deutschen Handballbund (DHB) angeglichen.

Uwe Schwenker (58), ist Inhaber einer Versicherungsagentur in Kiel, spielte von 1980 bis 1992 in der Bundesliga, spielte 72 Mal für das Nationalteam, holte 1994 Olympia-Bronze. Von 1992 bis 2009 war er Manager des THW Kiel.

Glückwunsch! 7. Juli 2014 – das war ihr Amtsantritt. Da stand eine ganze Menge auf Ihrer „To-do-Liste“ . . .

. . . und wir haben eine ganze Menge geschafft. Wir wollten unsere Lokomotive, das Nationalteam, wieder aufs Gleis bringen, einen besseren TV-Vertrag aushandeln, die internationalen Beziehungen zu EHF und IHF verbessern, etwas für die 2. Liga tun, und, und, und . . .

Und?

Ich denke, die Wiederwahl als Team spricht für unsere ruhige, unaufgeregte Arbeit. Dass das Nationalteam wieder unter Dampf steht, daran hat die Liga ihren Anteil. Erfolge sind auch das verbesserte Verhältnis zwischen DHB und Liga, der neue TV-Vertrag, das Erstarken der 2. Liga. Es ist die beste 2. Liga, die es je gab. In anderen europäischen Ländern würden unsere Zweitligisten in der ersten Liga spielen.

Ist das nicht Augenwischerei? Die Schere zur Bundesliga ist riesengroß.

Klar ist, der Unterschied ist noch immer groß. Und es gibt auch immer noch Vereine, die nicht kostendeckend arbeiten. Doch die Spielstärke ist unbestritten. Die 2. Liga hat unglaubliches Potenzial.

Stichwort Professionalisierung: Die Klubs haben das erkannt, das wird von Jahr zu Jahr besser. Die Verkleinerung von 20 auf 18 Teams ist da ein ganz wichtiger Schritt.

Inwiefern? Einige Klubs, wie etwa der VfL Lübeck-Schwartau, haben dagegen gestimmt, beklagen fehlende Heimspiel-Einnahmen.

Erstens: Die Vereine haben die zu hohe Belastung für die Spieler moniert. Das sollte sich ändern. Zweitens: Wirtschaftlich ist es eine Chance zur Konsolidierung. Dass zehn Klubs im Februar im Abstiegskampf stecken, deshalb wie wild Spieler einkaufen – vor dieser Unvernunft, die wir mit Daten untermauert haben, mussten wir die Klubs schützen. Durch die Verkleinerung, die Auf- und Abstiegsregularien haben die Vereine jetzt eine bessere Planbarkeit. Dass diese Argumente überwogen haben, zeigt, dass sich die Klubs mit klarer Mehrheit dafür entschieden haben.

Wie ist 2019/20 der Aufstieg aus der 3. Liga geregelt? Momentan gibt es vier Staffeln, doch maximal sind nur drei Aufsteiger möglich.

Das muss der DHB entscheiden, er ist dafür die Schnittstelle, für die 3. Liga verantwortlich. Mit Rücksicht auf den Verband haben wir die Reform auch erst für 2019 beschlossen. Dem Verband hätten sonst juristische Probleme gedroht.

Klingt nach Miteinander mit dem DHB. Das war nicht immer so.

Leider. Früher wurde da mehr aufs eigene Tor gespielt. Für unser gutes Verhältnis jetzt spricht auch, dass wir den Grundlagenvertrag mit dem DHB modifiziert und erstmals für fünf Jahre festgezurrt haben. Dieser muss aber noch vom DHB-Bundestag Ende Oktober bestätigt werden Was genau heißt modifiziert?

Wir haben unter anderem die Abgaben an den DHB erhöht, zahlen jetzt jährlich 100000 Euro mehr. Wir leisten so unseren Beitrag, investieren in ein Trainercamp oder die Umgestaltung des DHB, wo künftig vier hauptamtliche Vorstände arbeiten sollen. Wir geben für den neuen Posten Marketing und Kommunikation, für den mit Thomas Zimmermann (ehemaliger Global Head of Marketing &

Communications beim Marktforscher Nielsen Sports, d. Red.) ein Profi vorgesehen ist, eine Anschubfinanzierung.

Neues Stichwort: 15./16. Spieler. War das überfällig?

Das würde ich nicht sagen. Die öffentliche Diskussion war da viel zu undifferenziert. Die Klubs, die nach der Kadererweiterung geschrien haben, haben oft nur mit elf Spielern gespielt.

Viele Zweitligisten haben Angst, dass ihnen nun vermehrt Spieler abgeworben werden und die dann als „Trainingsdummy“ in der 1. Liga enden.

Deshalb fiel die Entscheidung auch sehr knapp aus. Das größte, stärkste Argument ist für mich die Anpassung ans internationale Reglement. Punkt. Nur: Vielleicht sind unsere Ligen deshalb auch so stark, weil wir international nicht immer alles mitgemacht haben.

Stichwort: TV-Vertrag. 12.30 Uhr als Kern-Anwurfzeit am Sonntag – da stöhnen nicht nur die Fans.

Es ist eine Herausforderung, aber es ist auch ein Alleinstellungsmerkmal. Wir haben um diese Uhrzeit keine Konkurrenz, die Chance auf mehr Reichweite, mehr Sponsoren. Und: Wer will schon gegen den Fußball anspielen? Insgesamt ist der neue TV-Vertrag ein Pfund. ARD/ZDF und Sky als Premiumpartner, alle 306 Erstligaspiele werden übertragen, mehr Geld, auch für die 2. Liga – andere Sportarten wären froh, wenn sie so einen Vertrag hätten. Und wir können endlich unseren chaotischen Spielplan erstmals entzerren. Das Positive überwiegt also.

Was haben Sie bis 2021 noch auf ihrer Agenda stehen?

Die Ausgestaltung des TV-Vertrages steht jetzt an, auch das Thema Digitalisierung und die WM 2019. Bei den Bewerbungen für die EM 2022 mit Dänemark und der Schweiz oder allein für 2024 sind wir involviert. Wir müssen für die HBL auch die Sponsoring-Einnahmen erhöhen – das sind nur einige Punkte. Uns wird nicht langweilig.

Gespräch: Jens Kürbis

LN

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