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Sport im Norden Rivalinnen auf der Regattabahn
Sportbuzzer Sport im Norden Rivalinnen auf der Regattabahn
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20:10 03.07.2013
Von Christoph Staffen
Wollen bei der U23-WM in Linz im deutschen Doppelvierer um Medaillen rudern: Anne Marie Kroll (l.) und Lynn Jessen. Christoph Staffen Quelle: Foto:
Ratzeburg

Schul- und Semesterferien, wie sie ihre Freundinnen und Freunde zurzeit verbringen, fallen für Anne Marie Kroll und Lynn Jessen fast komplett ins Wasser. Das Duo vom Ratzeburger Ruderclub (RRC) und der Lübecker Ruder-Gesellschaft (LRG) schwitzt zurzeit bei der „UWV“ (unmittelbare Wettkampf-Vorbereitung) an der Ratzeburger Ruderakademie, wo Deutschlands U23-Nationalteam den Feinschliff für die Weltmeisterschaften im österreichischen Linz (24. bis 28. Juli) erhält. Mit dabei aus dem LN-Gebiet sind noch Arne Schwiethal (RRC), Finn Schröder (Lübecker Ruder-Klub) und nicht zuletzt Achter-Steuermann Christoph Dühring (LRG).

Die Freundinnen Anne Marie Kroll (19) und Lynn Jessen (18), die bei den Deutschen Meisterschaften im Doppelzweier Platz vier belegt hatten, sind im U23-Nationalteam Rivalinnen auf der Regattabahn.

Sie kämpfen mit drei weiteren Kandidatinnen um die vier Rollsitze im Doppelvierer — die Fünfte wird in Linz nur Ersatz sein. Bis zu vier Einheiten täglich stehen für die jungen Frauen an, ehe es am 22. Juli gut zehn Stunden mit der Bahn nach Österreich geht. Das Ziel dort ist klar: „Von den deutschen Großbooten wird immer eine Medaille erwartet“, weiß Kroll.

Sie selbst holte 2011 bereits mit dem U19-Doppelvierer WM-Gold auf dem ein Jahr später olympischen Dorney Lake. Nach ihrem Abitur zog die Duvenseerin 2012 nach Dortmund, wo sie Physik studiert und am DRV-Stützpunkt mittrainiert. Die „Ratzeburg-Connection“ machte möglich, dass sie sich dort gezielt auf die Saison 2013 vorbereiten konnte. Da ihr Studentenbudget keine 8000 bis 10 000 Euro für einen eigenen Einer hergibt und potenzielle Sponsoren bislang nur nette Worte spendierten, nutzt sie den „Zweit-Einer“ von Olympia-Silbergewinnerin Carina Bär — Freundin des RRC-Achtersiegers von London, Florian Mennigen.

Lynn Jessen, die 2014 am Lübecker Johanneum ihr Abitur „bauen“ will, gehört zwar erstmals zum Nationalkader, hat aber in Köln mit DM-Silber im Doppelvierer im zweiten DRV-Boot hinter der bundesweit gemischten „Kroll-Crew“ bereits lübsche Geschichte geschrieben: Nach exakt 128 Jahren hat erstmals eine Frau für die 1885 gegründete Lübecker Ruder-Gesellschaft eine Medaille bei nationalen Titelkämpfen gewonnen (siehe Artikel rechts). „Es war aber keine Länge Vorsprung“, betont die Lübeckerin gegenüber ihrer Freundin. „Wir haben über den Kampf gewonnen. Technisch müssen wir uns noch steigern, da gibt es noch einiges herauszuholen“, konstatiert ihre „RRC- Mitbewerberin“.

Und dafür arbeiten beide hart: Neben Rudern auf Ratzeburger und Küchensee stehen Kraft- und Konditionseinheiten sowie Gymnastik auf dem Plan. Normalerweise trainieren sie rund 17 Stunden pro Woche. „Das sind Netto-Zeiten. Wenn wir 90 Minuten effektiv rudern, sind wir dafür meist zwei Stunden auf dem Wasser. Dazu kommen An -und Abfahrt zum Training sowie Fahrten zu Regatten und anderen Maßnahmen“, erläutert Jessen. „Für diesen Aufwand lässt die Unterstützung etwas zu wünschen übrig“, bedauert Kroll.

Bei der Sponsorensuche könnten den jungen Frauen Erfolge in Linz helfen. Während sie in Ratzeburg alles tun, um sich für den deutschen Doppelvierer zu qualifizieren, wird auch auf der Regattastrecke in Linz-Ottensheim eifrig gearbeitet: Nach der „Jahrhundertflut“ müssen insgesamt 267 000 Kubikmeter Schlamm aus dem Nebenarm der Donau gebaggert werden. Zudem standen dort auch Zielturm, Mannschaftskabinen, Duschen sowie ein Restaurant unter Wasser und wurden zu einem großen Teil zerstört. Rund 500 000 Euro sind notwendig, um die Veranstaltung zu retten.

Lübecker Ruder-Geschichte(n)
Historisch war die Silbermedaille von Lynn Jessen am 22. Juni bei der U23- DM in Köln, da für die 1885 ins Leben gerufene Lübecker Ruder-Gesellschaft bislang nur männliche Sportler aller Alters- und Bootsklassen auf Regatten erfolgreich waren.


1907 hatte sich die Lübecker Damen-Ruder-Gesellschaft (1934 in Lübecker Frauen-Ruder-Gesellschaft umbenannt) gegründet, um auch dem weiblichen Geschlecht die bis dato vom LRG-Vorstand mehrheitlich versagte Teilnahme am Sportgeschehen zu ermöglichen.


Satzungsmäßig ist es Frauen heutzutage allerdings nicht verwehrt, der LRG beizutreten. Da sie sich dort im Leistungsbereich besser gefördert fühlen, wechselten neben Jessen auch die Achter-Ruderinnen mit ihrer Bundesliga- Crew von der LFRG (180 Mitglieder) zum männlich dominierten Nachbarn.


Jochen Hess stellt als LRG-Vorsitzender klar: „Wir freuen uns natürlich auch über weiblichen Zulauf. Nachdem wir 2010 die gemischte Drachenboot-Sparte aufgenommen haben, kommen wir jetzt bei insgesamt 420 Mitgliedern auf etwa 45 Frauen.“


„Frauenfrei“ ist der 1907 gegründete Lübecker Ruder-Klub (280 Mitglieder), der laut Satzung nur „jede männliche Person“ aufnehmen darf. Allerdings lebt der LRK unter einem Dach mit dem 1919 aus der Taufe gehobenen Lübecker Frauen-Ruder-Klub (150 Mitglieder). oel

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