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Sport im Norden Segelspaß mit Aha-Effekt
Sportbuzzer Sport im Norden Segelspaß mit Aha-Effekt
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12:22 28.07.2018
Hängen sich für ihren Segelspaß voll rein: Helge Sach und sein Bruder Christian (l.). Quelle: SEGEL-BILDER.DE

Travemünde, Mövenstein. Vogelgezwitscher. Zwei Segler werkeln an ihrem Boot still vor sich hin. Dahinter schlummern Katamarane in Reih und Glied. Ein Wald von Masten ragt in den Himmel. Es ist eine Oase der Ruhe, fernab vom TW-Trubel. Am Ende der Wiese stehen Container. Einer trägt die Aufschrift „High Speed Sailing“, daneben ein Riesenposter, wie ein Katamaran vor der Elbphilharmonie segelt. Davor stehen live und in Farbe: Helge und Christian Sach. Sie justieren an ihrem Nacra-Kat die Gennaker-Abspannung. Helge kappt die Drähte, ersetzt sie durch Leinen. „Wir sind nur am Schrauben und Sägen“, erklärt Christian, „ein nagelneues Boot erst in der Regatta zu testen, und das unter Zeitdruck, ist eine echte Herausforderung.“ Bestellt für den vergangenen Herbst, konnte die Werft erst jetzt liefern.

Es läuft noch nicht rund. Die gestrige Serie, 4,7,7,4 ließ sie auf Rang fünf zurückfallen. Die Rekordsieger der Travemünder Woche segeln wohl ihrem 21. TW-Erfolg hinterher. „Wir sind nicht hier, um hinterher zu segeln, aber mehr ist derzeit nicht drin, zumal wir im ersten Rennen auch noch einen Frühstart hatten“, berichtet Helge.

>> Hier lesen Sie alles zur Travemünder Woche >>

Nicht ganz unwichtig: Ihre letzte F18-Regatta ist auch schon mehr als ein Jahr her. Die Profis sind im permanenten Bootshopping zwischen ihrem Riesen-Katamaran, der Rennmaschine M32, und dem foilenden Nacra 20, auf dem sie Trainingsstunden geben. „Es ist derzeit unser Kerngeschäft. Das Fliegen über das Wasser ist der Trend.“ In den wenigen freien Stunden sind sie dann noch auf ihrer Speedmaschine M32 für Firmen auf Incentive-Tour unterwegs. Nach der TW geht es für die Sach-Brüder nach Istanbul, drei Tage auf dem Landweg. Ein westfälisches Unternehmen hat sie für den außergewöhnlichen Segel-Spaß im Schatten der Hagia Sophia gebucht. Auf dem Rückweg segeln sie noch die Centomiglia auf dem Gardasee.

Von wegen „alte Säcke“, wie der 61-jährige Helge und sein zwei Jahre jüngerer Bruder, in der Szene oft gerufen werden. Die Brüder aus dem ostholsteinischen Zarnekau, für die im Winter eher Trailer als Sailor zählt, also der Bau von Bootsanhängern, segeln so viel wie nie zuvor. Und: Sie lernen dazu, gerade jetzt in Travemünde. „Mit dem neuen Boot F18 haben wir auch einen gebogenen Baum und ein neues Segel“, erklärt Christian. Das Großsegel ist maximal tief geschnitten, um Windverwirbelungen über Deck zu vermeiden. Deck sweeper. Es ist der neueste Schrei auf dem Markt. Der Holländer Mischa Hemskeerk fuhr mit dem Segel bei der letzten WM damit auf und davon. Für die Sachs ist das Neuland. Noch. Das Problem: Christian kann als Vorschoter bei der Wende nicht mehr unter dem Baum durch, „ich muss um den Mast herum klettern“. Ein Manöver, das er im Schlaf beherrscht, ist jetzt völlig neu. Gestern habe die Lernkurve aber deutlich nach oben gezeigt. Helge: „Wir hatten einige Aha-Effekte.“ Weitere sollen bis morgen folgen.

Von Jens Kürbis

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