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Sport im Norden Sensationssilber für  WM-Debütant Haaga
Sportbuzzer Sport im Norden Sensationssilber für  WM-Debütant Haaga
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12:43 11.09.2017
Beeindruckende Präzisionsarbeit: Vincent Haaga (22) hat bei seiner ersten Senioren-Weltmeisterschaft Silber im Skeet gewonnen. Quelle: Foto: Hfr
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Lübeck/Moskau

„Eine Riesennummer.“ „Unglaublich.“ „WM-Silber, das ist der absolute Wahnsinn.“ Karl Haaga war völlig aus dem Häuschen. Im ostholsteinischen Heringsdorf lief er gestern „fast den ganzen Tag Kreise um den Tisch“. Denn im 1700 Kilometer entfernten Moskau hat sein Sohn Vincent bei der WM der Schützen im olympischen Skeet die Weltelite aufgemischt. Mit 22 Jahren, bei seiner ersten Senioren-WM. Stabil an den Vortagen, hatte er sich gestern Morgen zum Abschluss der Qualifikation mit 122 Scheiben ins Finale der besten Sechs vorgekämpft, im Endkampf dann mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks Treffer um Treffer gesetzt. Runde um Runde waren die Mitkonkurrenten ausgeschieden, bis Haaga mit Olympiasieger Gabriele Rossetti (Italien) übrig blieb. Im Direkt-Duell siegte der Italiener mit 54:42 Scheiben. WM-Silber für Haaga! Unfassbar. Der Wettkampf seines Lebens Sein Vater konnte es nicht fassen: „Ich muss das sacken lassen. Was hat der Junge für einen Lauf.“ Diese Tage im September 2017, sie sind Haagas Reifeprüfung, der vom Talent zu einem der besten Schützen auf der Welt. Bereits vor acht Tagen bei den Deutschen Meisterschaften in München hatte er die nationale Elite um Olympiastarter Ralf Buchheim düpiert, in einem an Spannung nicht zu überbietenden Stechen Gold geholt. „Das war eine Nervenschlacht. So ein Finale habe ich noch nicht erlebt“, berichtete Vater Haaga. Auch, dass er es kaum ausgehalten habe. Gestern folgte der nächste Thriller, diesmal am Laptop via Livestream.

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Eine Woche nach DM-Gold gewinnt Vincent Haaga aus dem ostholsteinischen Heringsdorf WM-Silber im olympischen Skeet – „sponsored bei mum and dad“.

Rückblick: „Mein Ziel sind die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.“ Das hatte Haaga schon vor drei Jahren gesagt. Da trainierte er noch in Hundebusch, im Waldstück bei Ratzeburg. Fünfmal die Woche nahm er die aus zwei Wurfmaschinen mit bis zu 100 km/h fliegenden Tauben aufs Korn. Jahr für Jahr näherte er sich der Optimalquote von 125 Scheiben an, trug schon Schwarz-Rot-Gold am Arm, das „GER“ auf dem Rücken. Er war Jugendmeister, Junioren-WM- Teilnehmer. Jetzt folgte der Durchbruch bei den Männern.

2011 hat alles angefangen. Vincent war 15, als er mit zwei Kumpels bei der Ausbildung zum Jungjäger auf dem Ratzeburger Stand Schießlehrer Jörg Biehl traf. „Der fragte mich, ob ich nicht Lust am sportlichen Skeet hätte.“ Hatte er. Eishockey, das er seit seinem achten Lebensjahr in Timmendorf gespielt hatte, war nun Geschichte.

„Doch eigentlich hat Vincent zu spät angefangen, in Italien starten sie schon mit neun, zehn“, sagt sein Vater. Er ist Jäger, war Heimtrainer und ist noch immer Förderer seines Sohnes: „powered by mom and dad“, steht auf Vincent Haagas körpergenau angepasster Flinte. 10000 Euro hat die gekostet.

Auch bei der Finanzierung der Munition hilft die Familie so gut es geht. Im Jahr kommt er auf bis zu 35000 Schuss, „der Verband bezahlt 8000 Patronen, plus einige Maßnahmen, den Rest müssen die Jungs selbst kaufen“, erzählt der Vater. Bei 23 Cent pro Stück kommen schnell einige tausend Euro zusammen.

„Ohne Förderer ist das nicht machbar“, sagt Haaga senior. Der größte ist neben ihm die Bundeswehr. Seit November 2014 ist Haaga Sportsoldat, lebt mittlerweile in Oberhof, trainiert in Suhl.

Physiotherapie, Krafträume, Trainer – das Umfeld ist top. Er nutzt es täglich, oft mit bis zu 400 Schuss pro Tag. Anspruchsvoll, anstrengend. Auch für Körper und Kopf. Für Hobbys bleibt da kaum Zeit.

Wenn doch, hat er die Drohnen-Fotografie im Visier. Via Instagram sind seine Projekte zu sehen. Oder er geht zum Standardtanzen. „Das ist auch gut fürs Körpergefühl.“

Sein Verein ist seit kurzem der JWC Osterholz bei Bremen. „Vincent wollte gern im Team schießen, der Flintensport im Norden ist da eher schwach vertreten“, erklärt Vater Haaga. Auch die Zeit nach dem Sport sichert er mit ab. In seinem Betrieb, Haaga Folien in Heringsdorf, soll Vincent seine Ausbildung zum Industriekaufmann beenden. „Nach dem Sport, der ist irgendwann vorbei. Dann kann er wie sein Bruder Moritz ins Unternehmen einsteigen.“ Doch jetzt zählt nur das Schießen.

Der große Erfolg wird gefeiert – in der nächsten Woche kommt „Silber-Haaga“ nach Hause.

Hintergrund Skeet

Skeet ist seit 1968 olympische Disziplin. Geschossen wird mit Flinten und Schrotmunition, deren Hülsenlänge im abgeschossenen Zustand nicht mehr als 70 Millimeter beträgt, auf Wurftauben. Die haben einem Durchmesser von 110 Millimeter, werden drei Sekunden nach dem Abruf des Schützen auf bis zu 67 Meter weit und 4,60 Meter hoch geschossen. Internationale Wettkämpfe werden bei Männern über 125 Wurfscheiben (fünf Serien à 25 Scheiben) durchgeführt (Qualifikation). Danach nehmen die sechs besten Schützen an einem Finale über 25 Scheiben teil.

Jens Kürbis

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