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22:14 05.07.2017
„Juri braucht einfach Männer-Handball, um sportlich voranzukommen.“Thomas Knorr (46), Vater und Trainer HSG Ostsee N/G
Bad Schwartau

Thomas Knorr befindet sich im Zwiespalt der Gefühle: Zum einen freut sich der 46-jährige Ex-Nationalspieler (83 Länderspiele, 199 Tore im DHB-Dress) als ambitionierter Trainer der HSG Ostsee Neustadt/Grömitz über den Zugang eines torhungrigen Handballtalents, das seinen ostholsteinischen Oberliga-Männern dabei helfen könnte, im zweiten Anlauf den Drittliga-Aufstieg zu meistern. Zum anderen ist er als Handballer-Vater betrübt darüber, dass sein 17-jähriger Sohn Juri beim VfL Bad Schwartau als 14-facher Jugend-Nationalspieler (zehn Einsätze in der deutschen U17-Auswahl, vier U19-Spiele mit zwölf Toren) offenbar keine Zukunft mehr für sich sah und sich deshalb den Ostsee-Männern anschloss.

Juri Knorr hat dem VfL Bad Schwartau ade gesagt. Der Jugend-Nationalspieler wird ein Ostsee-Mann in der Oberliga.

Knorr „senior“ betont: „Ich kann Juris Schritt nachvollziehen, weil er sich beim VfL wegen mangelnder Wertschätzung und einer auch aus meiner Sicht nicht optimalen Förderung nicht mehr wohlfühlte.“

Der 46-Jährige erlernte von 1975 bis 1988 selbst in der VfL-Jugend das Handball-ABC, ehe er mit 16 bei Schwartaus Männern unter Vlado Stenzel mittrainierte, als 17-Jähriger unter „Noka“ Serdarusic seine ersten Herrenspiele absolvierte und 1990 mit Schwartau in die Bundesliga aufstieg, wo er später insgesamt über 500 Spiele auch für Kiel, Flensburg-Handewitt, Hamburg und Magdeburg absolvierte.

So meint er auch aus eigener Erfahrung: „Dass Juri in Schwartau trotz meiner Bitte nicht schon in der vergangenen Saison bei den Zweitliga-Männern ’reinschnuppern durfte und auch jetzt hauptsächlich weiter in der A-Jugend spielen sollte, bringt ihn nicht wirklich weiter. Er hat so auch schon letztes Jahr zusätzlich bei unserer Ostsee- Truppe mittrainiert und braucht einfach echten Männer-Handball, um sportlich voranzukommen.“ Und er verdeutlicht: „Selbst in der A-Jugend-Bundesliga wird Juri zu 60 Prozent eine Manndeckung verpasst – wie soll er da denn spielerische Fortschritte machen?“

Der 17-Jährige selbst erklärt dazu: „Ich hatte vom VfL ja eigentlich nie etwas gefordert. Aber anfangs hatte ich gehofft und zuletzt zumindest erwartet, dass der Verein ’mal rechtzeitig auf mich zukommt und mir eine Perspektive im Männerbereich aufzeigt. Aber es kamen erst auf mein oder unser Nachhaken hin einige Vorschläge, die mich letztlich auch nicht überzeugt haben.“ Der Rückraum-Youngster, der in Schwartau ungern noch ein weiteres Jugendjahr absolvieren wollte, bemängelt zudem: „Von etlichen Kameraden aus der DHB- Auswahl weiß ich, dass ihre Vereine ihnen längst Ausbildungsverträge oder Ähnliches angeboten haben. Aber beim VfL war das noch nie ein Thema, obwohl sich ja auch längst andere Vereine aus dem In- und Ausland für mich interessieren. Also spiele ich jetzt erstmal bei den Ostsee-Männern, mache nächstes Jahr in Schwartau mein Abi , und dann sehen wir weiter.“

Als Koordinator für den männlichen VfL-Nachwuchs – und zugleich Co-Trainer der Zweitliga- Männer – stellt Gerrit Claasen klar: „Wir haben Juri fördernd unterstützt, ihm Trainingsteilnahmen bei der 1.

Herren sowie die Teilnahme am Trainingslager im August angeboten und ein von ihm gewünschtes Erwachsenenspielrecht für die Herren der HSG Ostsee auch wunschgemäß zugesagt. Dies alles unter der Beachtung, dass er bislang altersgemäß eigentlich der B-Jugend zuzuordnen war.“ Laut Claasen zeige das, welches Potenzial man in ihm sehe, „dennoch ist es auch wichtig, solche Talente nicht zu verheizen, sondern sie als gesamte Persönlichkeit zu fördern.“ Allein der Schritt von der A-Jugend-Bundesliga zur 2. Männer-Liga sei „heute inhaltlich so groß, dass man so etwas in Ruhe vorbereiten muss“. Abschließend merkt der 45-Jährige an: „Dass die Kommunikation zum Thema der Förderung in erster Linie mit der Geschäftsführung unserer Handball-Marketing gesucht wurde, anstatt sich durch die Verantwortlichen des VfL auch führen zu lassen, ist für die Sache nicht unbedingt förderlich gewesen . . .“

Wie auch immer: U19-Bundestrainer Jochen Beppler, der Juri Knorr als ein „Top-5-Talent im Jahrgang 2000“ bezeichnet, sieht das Ganze eher undramatisch und betont: „Es gibt regional halt unterschiedliche Wege, Talente in die Spitze zu führen. Dass er nicht mehr in der A-Jugend-Bundesliga spielt, ist kein Hinderungsgrund für seine weitere Karriere als U19-Nationalspieler.“

oel

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