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Sport im Norden Vom Prinzen zum Titelfavoriten
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23:14 22.10.2016
Zweites Spiel, zweiter Sieg: Rasmus Svane (19) ist bei seinem DM-Heimspiel weiter ungeschlagen. Quelle: König/54°
Lübeck

Fast fünf Stunden hatte Rasmus Svane am ersten Tag der Deutschen Schach-Meisterschaften im „Holiday Inn“ am Brett gesessen. Er war nach seinem Sieg vom Hotel nach Hause geradelt, hatte die Partie noch einmal analysiert, etwas gegessen, sich wieder vor seinen Computer gesetzt und seinen nächsten Gegner Thilo Kabisch (Ditzingen) studiert. Er hatte in Datenbaken gekramt, dessen Vorlieben ausfindig gemacht. „Er spielt die königsindische Verteidigung. Ich habe mir da etwas einfallen lassen“, verriet Svane kurz vorm gestrigen Spiel und griff den gegnerischen König bei entgegengesetzten Rochaden sofort an. Mit Erfolg: Sieg nach 38 Zügen, sein zweiter bei den Titelkämpfen. Er ist als Topgesetzter auf Kurs und bekennt: „Klar will ich Meister werden, dazu noch in der eigenen Stadt, das ist etwas Besonderes.“

„Ich habe in einer Kellogg’s-Packung eine Schach-CD entdeckt.“ Wie Rasmus Svane zum Schach fand

Mit 19 Jahren. Rasmus Svane, Schachgenie, Wunderkind, Hoffnungsträger. Und das dank eines glücklichen Umstandes. In der dänischen Allerød Kommune geboren, ist der Sohn des Cellisten Troels Svane 2001 in Lübeck gelandet. „Da war ich vier. Mein Vater hatte ein Stelle an der Musikhochschule.“ Zum Schach fand er per Zufall. „Es war beim Frühstück“, erzählt er und lacht, „ich habe da in einer Kellogg’s-Packung eine Schach- CD entdeckt und die Demo-Version stundenlang gespielt.“ Das Figurenschlagen, die Belohnung („Man konnte Filme sehen“) und das Erklimmen der 100 Level, es ließ ihn nicht mehr los. Ob am Computer, oder am Brett – im Hause Svane wurde fortan nicht nur Musik gespielt. Bis Rasmus einen älteren Schüler vom Lübecker SV in „Fritz & Fertig“ (Software-Reihe für Kinderschach) vom Brett fegte. „Ab da durfte ich im Verein spielen.“ Da war er sieben, ein Jahr später schon Vize-Landesmeister.

Der Beginn einer Erfolgssaga. 2009 – Aufnahme in die „Prinzengruppe“, den Elitekader des Deutschen Schachbundes. Es folgten der U14-Jugendmeister, Einsätze in der 2. Liga im Lübecker SV, 2012 der Wechsel zum Erstligisten Hamburger SK, 2013 die Ernennung zum Internationalen Meister, jetzt im Mai zum Großmeister, zwischendurch Turniererfolge und Rang neun bei der U20-WM.

Rasmus hat in Indien, Russland, den USA und Katar gespielt, ist als Reisender in Sachen Schach rund um den Globus geflogen, hat knapp 1000 Partien gespielt, nebenbei am Johanneum sein Abi gebaut.

Schnitt: 1,5. Und wo soll die Reise nun hingehen? „Ich spiele erst mal Schach, um zu entscheiden, ob ich das weiter professionell spielen will.“ Um davon Leben zu können, vom Preisgeld, dem Unterrichten oder Bücher schreiben, müsste er unter die Top 100 der Welt. „Jetzt stehe ich um Rang 420.“ Sein Preisgeld-Top bisher: 2500 Euro für Bronze bei den German Masters. Die Ausnahme.

Und was wäre die Alternative? „Ein Philosophie-Studium, Naturwissenschaften interessieren mich auch.“ Musik nicht? Rasmus lacht: „ Ich habe Klavier gespielt, als es zu kompliziert wurde, habe ich aufgehört.“ Schach, das ist sein Leben, sein Spiel. Und das ganztägig. Er verfolgt aktuelle Partien, büffelt in Datenbänken, liest Bücher, löst Aufgaben, studiert Eröffnungen. „Da kommen oft acht Stunden zusammen.“ Er kann Partien im Kopf spielen, „aber mehr als drei, vier Züge zu planen, macht keinen Sinn. Da sitzt ja noch einer am Brett.“

Und ja, Schach ist für ihn Sport. „Fünf, sechs Stunden zu spielen, das ist anstrengend, schlaucht ungemein.“ Und wie schaltet er ab? „Ich jogge und schaue Serien.“ Breaking Bad, Sherlock, House of Cards – das, was die Jugend von heute eben so schaut.

Gegen Magnus Carlsen (25), den coolen Norweger, den Weltmeister, würde er gern spielen. Doch jetzt zählt erst einmal Lübeck, die Deutsche Meisterschaft.

DM kompakt

Tag zwei bei der Schach-DM in Lübeck – und neben Rasmus Svane ist auch der zweite Lübecker weiter ungeschlagen. Martin Kololli (16) besiegte Stefan Liepold (Erlangen) nach 39 Zügen. Schleswig-Holstein-Meister Frank Schwarz (Preetz) feierte seinen ersten Sieg, bezwang Jürgen Messarius (Iserlohn) nach 40 Zügen.

Heute geht es ab 14 Uhr im Hotel „Holiday Inn“ mit der 3. Runde weiter, live kommentiert im Nebenraum von FIDE-Meister Dirk Lampe (Lübeck).

Jens Kürbis

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