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Sportarten Lübeckerin Annemarie Stark wählt Box-Weltpräsidenten: „Irre, aufregend und spannend“
Sportbuzzer Sportarten Lübeckerin Annemarie Stark wählt Box-Weltpräsidenten: „Irre, aufregend und spannend“
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20:31 30.10.2018
Kleiner Wirbelwind mit großer Schlagkraft: Annemarie Stark im Sparring mit dem Boxclubchef Tolga Tanriverdi. Quelle: Fotos: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Annemarie Stark sitzt in ihrer Wohnung in Reinfeld, schaut auf ihren gepackten Koffer und schüttelt den Kopf. Ungläubig. Sie kann es immer noch nicht so richtig begreifen. Die 34-Jährige vom Boxclub Lübeck fliegt am Mittwoch nach Moskau, wo am Samstag der Weltverband Aiba den neuen Präsidenten wählt. Es ist ein hochexplosiver Kongress – bei dem die Zukunft des Amateurboxens auf dem Spiel steht. Und Annemarie Stark steckt mittendrin. Sie hat die Wahl akribisch vorbereitet, dafür wochenlang Akten in englischer Sprache gewälzt, war mehrfach am Verbandssitz in Lausanne und musste am Montag sogar vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS als Zeugin aussagen. „Eine irre Zeit, interessant, spannend, aufregend“, gibt Stark zu, „und das Finale kommt ja noch.“

Annemarie Stark (blau) wurde 2015 zur „LN-Sportlerin des Jahres“ gewählt. Quelle: Thomas Sobczak/54¡

Stark unter 80 Bewerbern ausgewählt

Der Reihe nach: Vor vier Wochen erhielt sie einen Anruf von Michael Müller, Sportdirektor des deutschen Verbandes. Der suchte noch eine Delegierte für den Aiba-Kongress – mit Englischkenntnissen, redegewandt, erfahren. Die Deutsche Meisterin, Frau Kapitänsleutnant a.D., mit BWL-Abschluss, kurz vorm Bachelor in Psychologie, passte ins Anforderungsprofil. Mehr noch: Der Weltverband wählte sie und einen Amerikaner in den dreiköpfigen Wahlvorstand – unter 80 Bewerbern. „Irre. Seitdem habe ich fast jeden Tag Akten gelesen, jeden zweiten Tag mit Anwälten telefoniert.“

Der Grund: Der Kasache Serik Konakbajew, ehemaliger Spitzenboxer und Olympiazweiter 1980, will Präsident werden. Doch er hatte nicht die dafür notwendigen Unterstützerbriefe von 20 Verbänden. Stark & Co. lehnten seine Kandidatur ab. Konakbajew erstritt sie sich jetzt aber vor dem CAS.

Frau Kapitänsleutnant a.D. Annemarie Stark ist in der Klasse bis 48 Kilo Deutschlands beste Boxerin. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Kriminelle Machenschaften

Eigentliche Hauptfigur ist allerdings Gafur Rachimow, Konakbajews Gegenspieler, ein in Dubai lebender Usbeke. Er ist Interimschef des Verbandes und vermögend. Nur: Er ist alles andere als unbescholten, gilt als Mafia-Pate und Heroin-Händler. FBI, Interpol, Wiener und französische Polizei – alle haben Akten über ihn. Die US-Finanzbehörde hat seine Konten eingefroren. Verurteilt wurde er bisher aber nicht. Sollte seine Wahl durchgehen, wäre es das Aus für das olympische Boxen. So hat es das IOC bereits schriftlich angedroht.

„Wir mussten ihn zulassen. Es liegt offiziell nichts gegen ihn vor“, sagt Stark. Wohlwissend um die Situation. In Moskau wacht sie jetzt mit ihren beiden Vorstandskollegen, dass die Wahl korrekt abläuft. Und sie ist auf den Geschmack gekommen: „Ich könnte mir einen Job auf Funktionärsebene schon vorstellen, es gibt nichts Schöneres, wenn du als Sportler etwas für Sportler tun kannst. Und ich liebe meinen Sport.“ Tolga Tanriverdi, Chef des Boxclubs Lübeck, ist „unheimlich stolz auf Annemarie. Sie ist unser Vorbild. Sie ist Boxerin mit Leib und Seele, steht aber auch dafür, wie wichtig Schule und Studium sind.“

Von Moskau auf den OP-Tisch

Am Sonntag aus Moskau zurück, geht es für Annemarie Stark tags darauf Schlag auf Schlag weiter. „Dann gehts auf den OP-Tisch“, erzählt sie. Vor drei Wochen hatte sie bei ihren Fußball-Frauen in Zarpen mal wieder ausgeholfen, „und da ist mir eine Gegenspielerin ins rechte Bein reingerutscht. Das war’s für das Kreuzband.“ Aber sie sagt sofort: „Ich komme wieder!“ Ganz klar: Annemarie Stark ist eine Kämpferin.

Jens Kürbis

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