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Aachen-Sieger Skelton: Ein Leben als Gratwanderung

Aachen Aachen-Sieger Skelton: Ein Leben als Gratwanderung

Seine Haare sind mittlerweile grau geworden, die Höhen und Tiefen seines Lebens haben Spuren im Gesicht von Nick Skelton gelassen. Freude oder Frust zeigt er selten.

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Der britische Springreiter Nick Skelton zeigte in Aachen seine ganze Klasse. Foto: Uwe Anspach

Aachen. Nur seine Klasse hat der 55 Jahre alte Springreiter über all die Jahre behalten.

Mit seinem Sieg im Großen Preis von Aachen auf dem Hengst Big Star ist der Brite dem Legenden-Status ein Stück näher gekommen. Denn es war sein vierter Erfolg beim bedeutendsten Springen der Welt - ein Vierteljahrhundert nach dem letzten.

„Das ist absolut ungewöhnlich, nach so langer Zeit wieder hier zu sein“, sagte Skelton, der nun neben dem Italiener Piero d'Inzeo CHIO-Rekordsieger ist. 25 Jahre stellen selbst in einer Sportart, in der die Besten auch jenseits der 50 vorne mitmischen können, mehr als eine Generation dar. 1982, 1987 und 1988 stand Skelton in dem Springstadion in Aachen schon einmal ganz vorn. Als er das letzte Mal gewann, war die am Sonntag zweitplatzierte Schweizerin Janika Sprunger gerade einmal ein Jahr alt.

Skeltons Leben war immer eine Gratwanderung zwischen Triumph und Tragik. Bis Ende der 90er Jahre zählte er zur Weltspitze. Skelton gewann Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften. Mit seinen Pferden Apollo und Dollar Girl feierte er Riesenerfolge. Apollo trug ihn auch 1987 und 1988 zu seinen Siegen in Aachen.

Dann rutschte er in ein Tief. Sportlich lief es nicht mehr, Skelton fiel eher durch Alkohol-Eskapaden auf. Im September 2000 folgte der absolute Tiefpunkt: Bei einem Sturz mit einem Nachwuchspferd brach er sich einen Halswirbel doppelt. Nur um Haaresbreite entging er einer Querschnittslähmung. Über Monate lag er bewegungslos in einem Gipsbett, anschließend musste er ein Metallgestell tragen, das den Hals stabilisierte.

Die Ärzte machten ihm keine Hoffnung, je wieder auf ein Pferd zu steigen. Skelton plante eine Karriere als Trainer. Und doch wollte er den Traum, wieder zu reiten, nicht aufgeben. „Ich habe von Anfang an dafür gekämpft, wieder reiten zu können“, sagte er später. Und das Wunder geschah. „Es ist unglaublich, wie der Körper sich von selbst heilen kann, wenn man ihm genug Zeit lässt“, blickte er einmal zurück.

Als er den Hengst Arko entdeckte, war der Ehrgeiz endgültig geweckt. 2003 gab Skelton sein Comeback und arbeitete sich zurück in die Weltspitze. 2008 wurde Arko aus dem Sport genommen. Bis dahin hatte er über eine Million Euro gewonnen.

Jetzt hat Skelton Big Star. Der elf Jahre alte Hengst ist ein Ausnahmetalent. „Ich habe ihm alles zu verdanken“, sagte er in Aachen. Vor dem Olympischen Spielen in London waren Skelton und Big Star die haushohen Favoriten. Doch wieder erlebte der Brite, wie nah Triumph und Tragik beieinanderliegen: Mit der Mannschaft gewann er Gold, im Einzel brachte ihm einer der ganz wenigen Springfehler von Big Star um das Stechen um die Medaillen. Am Ende wurde er Fünfter.

In Aachen zeigte das Paar wieder seine Ausnahmestellung. 350 000 Euro aus der erstmals auf eine Million Euro angehobenen Dotierung kassierte Skelton - und hat nun die Chance mit Siegen in den Großen Preisen von Spruce Meadows in Calgary im September und beim Hallenturnier in Genf den Grand Slam zu schaffen und zusätzlich eine Million Euro zu holen. „Natürlich wird es nicht leicht, den Grand Slam zu gewinnen“, meinte Skelton. „Aber wer weiß - vielleicht kann ich ja den Schwung von Aachen mit nach Kanada nehmen.“ Für ihn ist noch lange nicht Schluss.

dpa

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