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Sportmix Beckerts Höhenflug, Friesinger mit Schweinegrippe?
Sportbuzzer Sportmix Beckerts Höhenflug, Friesinger mit Schweinegrippe?
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08:25 24.12.2012
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Hamar

Die weiter gesperrte Olympiasiegerin Claudia Pechstein musste dabei im heimischen Fernsehsessel mit ansehen, wie die Erfurterinnen Stephanie Beckert und Daniela Anschütz-Thoms mit den Podest-Plätzen zwei und drei sowie tollen Zeiten über 5000 Meter die Olympia-Tickets buchten.

Anni Friesinger-Postma dagegen musste mit Verdacht auf Schweinegrippe vorzeitig den Heimflug antreten. In der Nacht wurde die Weltmeisterin von Fieberkrämpfen und Schweißausbrüchen geschüttelt, nachdem sie schon tags zuvor ihr 1500-m-Rennen absagen musste. «Der Teamarzt hat uns mitgeteilt, dass es Symptome gibt, die dafür sprechen», bestätigte Teamchef Helge Jasch. «Das ist natürlich Scheiße. Aber gegen so eine Krankheit kann man nichts machen», sagte Friesinger-Postma am Sonntag auf dem Weg zum Flughafen nach Oslo.

Für das eigentliche «Wunder von Hamar», so Jasch, sorgte die Berlinerin Katrin Mattscherodt, die in der B-Gruppe in 7:05,01 Minuten schneller war als sieben Läuferinnen der Top-Gruppe und völlig überraschend den dritten Olympia-Platz für das deutsche Team über 5000 Meter buchte. Dies wiederum dürfte auch Claudia Pechstein gefreut haben, da diese nun im Falle eine Freispruchs nun doch noch Hoffnungen hegen darf, Mattscherodt in einer Ausscheidung um den Olympia-Platz zu eliminieren.

Nach der erneuten Ablehnung ihres Eilantrages durch den Sportgerichtshof CAS hatte Pechstein voller Frust erneut den Weltverband ISU wegen mangelnder Fairness angegriffen. Der CAS war in seiner Begründung der ISU gefolgt, dass ihr durch das Fehlen in Hamar kein «irreparabler Schaden» entstünde, weil der deutsche Verband den durch andere Sportlerinnen erkämpften Olympia-Platz auch Pechstein zugestehen könnte.

«Der CAS hat sich uncool aus der Affäre gezogen und uns den Schwarzen Peter zugeschoben. Das ist nicht fair», kritisierte DESG-Präsident Gerd Heinze und sieht im erneuten Aufschub «kein gutes Vorzeichen in Richtung Urteil». Zugleich schloss Heinze eine «olympische Lex Pechstein» vor dem Richterspruch aus.

Unbeeindruckt von der ungelösten Causa Pechstein ließ sich das Thüringen-Duo nicht beirren. «Ich war verblüfft, dass es so weit unter sieben Minuten gegangen ist», meinte Newcomerin Stephanie Beckert, nachdem sie in 6:52,79 Minuten gleich 8,54 Sekunden unter ihrer Bestzeit geblieben und auf Rang sechs der Weltbestenliste gestürmt war. Nur die mit Bahnrekord von 6:50,07 siegende Weltmeisterin Martina Sablikova aus Tschechien bremste ein wenig den Höhenflug der 21-Jährigen.

Zwei Tage nach ihrem 35. Geburtstag lief Daniela Anschütz-Thoms als Dritte in 6:59,62 Minuten durch die «Schallmauer». «So schnell war ich noch nie in Europa. Mein bestes 5000-m-Rennen seit Jahren», sagte sie erfreut und nahm die erneute Niederlage gegen die Trainingspartnerin gelassen. «Zwei Damen unter sieben Minuten in einem Rennen, das hat noch kein Trainer geschafft. Das macht mich stolz», meinte Coach Stephan Gneupel. Über 1500 Meter kam Anschütz- Thoms zum Abschluss am Sonntag auf den vierten Platz (1:57,00).

Zum Abschluss sicherte Marco Weber dem deutschen Verband das Olympia-Ticket für die 10 000 Meter. Der für den Münchner EV startende Sachse kam in 13:25,96 Minuten auf Platz acht. Der Sieg ging am Sonntag an Weltmeister Sven Kramer aus den Niederlanden, der seinen eigenen Bahnrekord um rund 15 Sekunden auf 12:50,96 Minuten drückte.

Zuvor wurde Der Erfurter Patrick Beckert einen Tag nach dem großartigen zweiten Platz seiner Schwester Stephanie disqualifiziert. Im ersten Rennen seiner Karriere über 10 000 Meter war dem 19-jährigen Erfurter ebenso wie dem Norweger Sverre Haugli vom Referee ein Laufen im Windschatten eines Konkurrenten vorgeworfen worden. Die Rennen der B-Gruppe wurden mit Quartett-Start ausgetragen.

«Das ist natürlich sehr schade, denn er ist in 13:30 eine tolle Zeit gelaufen», bedauerte der deutsche Teamchef Helge Jasch, der gegen die Disqualifikation umgehend Einspruch einlegte. Dieser wurde aber von der Wettkampfjury abgelehnt. Bester Deutsche in der B-Gruppe war danach der Erfurter Robert Lehmann, der in 13:34,13 Minuten auf Platz acht kam.

dpa

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