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Ferrari beschwört Fußball-Geist

Motorsport Ferrari beschwört Fußball-Geist

Jetzt versucht Ferrari dem WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel auch noch mit den italienischen Fußballern Angst zu machen.

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Sebastian Vettel (l) und Fernando Alonso kämpfen um den WM-Titel.

Quelle: Jens Büttner

Abu Dhabi. Jetzt versucht Ferrari dem WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel auch noch mit den italienischen Fußballern Angst zu machen.

„Ich habe meinen Jungs gesagt: Bei der WM 1982 waren die Italiener nicht die Stärksten, aber sie haben das Turnier gewonnen“, berichtete Scuderia-Teamchef Stefano Domenicali vor dem Großen Preis von Abu Dhabi. Im packenden Nerven-Duell seines Top-Piloten Fernando Alonso gegen den seit vier Formel-1-Rennen unbezwungen Titelverteidiger und Doppelweltmeister Vettel stichelte er: „Wir haben den Luxus, dass wir den Nummer-Eins-Fahrer haben.“

Nur hat der Spanier ausgerechnet an Abu Dhabi, wo sich Vettel mit der Fortsetzung seiner ganz persönlichen Rekordserie den WM-Pokal schon mal zurecht legen könnte, ziemlich üble Erinnerungen. Wie ein Häufchen Elend, verschwitzt und deprimiert musste er vor zwei Jahren mitansehen, wie Vettel hier 2010 seinen ersten Titeltriumph feierte.

Hinzu kommt die zumindest nicht nach oben zeigende Formkurve der „Roten Göttin“ auf vier Rädern. Das zehrt an den Nerven, auch wenn Alonso sich stets kämpferisch und voll überzeugt gibt, diesmal am Ende die Nummer eins zu sein. Nun kolportierte die italienische Zeitung „La Stampa“ sogar, dass es zu einem Streit zwischen Alonso und Technik-Direktor Pat Fry gekommen sein soll. Domenicali dementierte dies aber.

Bemerkenswert ist dennoch: Während Vettel in Indien immer wieder das Team in den Vordergrund rückte, sprach Alonso weniger von den Stärken der eigenen Mannschaft als vielmehr über Red Bulls Design-Guru Adrian Newey. Denn der kauzige Brite hat mit der gesamten Truppe Vettels Abbey dank ein bisschen Kosmetik hier und da wieder zum Sieger-Auto gemacht. Vier Erfolge feierte Vettel nacheinander, zuletzt gewann er den Großen Preis von Indien. In den vergangenen drei Grand Prix führte er von der ersten bis zur letzten Runde. 13 Punkte Vorsprung hat der Heppenheimer nun auf den seit rund einem Vierteljahr sieglosen Spanier.

Und Abu Dhabi war bislang meist Vettel-Land. Drei Rennen, zweimal die Pole, zweimal der Sieg, einmal davon mit WM-Titel. „Das werde ich nie vergessen“, betonte Vettel voller Vorfreude auf das Spektakel auf dem Yas Marina Circuit - es wird sein 99. Grand Prix. Gestartet wird wie immer bei Dämmerung. Der Sieger wird knapp zwei Stunden später im gleißenden Licht der unzähligen Scheinwerfer feststehen. „Es ist einzigartig und beeindruckend“, sagt Vettel über die atemraubende Kulisse in der Wüste. Gewinnt er erneut dort und zwei Wochen später in Austin, steht er definitiv als Weltmeister fest - und damit würde er sich in die höchst erlesen Liste der Hattrick-Gewinner Juan Manual Fangio und Michael Schumacher eintragen.

Für das Duell rüstet der Rivale aber auf. „Ferrari, Top secret“, meinte das spanische Sportblatt „Marca“. „Wir müssen einen Schritt nach vorne machen“, betonte Alonso, nachdem er am vergangenen Sonntag mal wieder von Vettel geschlagen worden war. „Im Moment können wir nicht gewinnen.“ Sollte der 31-Jährige aber, wenn er die Chancen auf den dritten WM-Titel nach 2005 und 2006 (damals im Renault) wahren will. Bestens vorbereitet wird Alonso jedenfalls ins Rennen gehen. Am Dienstag erkundete er die Strecke laufend: Vier Runden auf dem 5,554 Kilometer langen Kurs.

Doch erst recht Red Bull und Vettel bewiesen in den beiden vergangenen Titeljahren Ausdauer. Selbst Störfeuer machen ihnen offenbar nichts aus. Die Spekulationen um Vettel und Ferrari, an denen die Scuderia kräftig mitgewirkt hatte, prallten am Rennfahrer und an Red Bull ab.

Angebliche Disharmonien mit seinem Teamkollegen Mark Webber scheinen eher von außen hereingetragen zu werden, als von innen zu kommen. Denn Webber - so bitter die Erkenntnis für den Australier mit dem manchmal beängstigend versteinert-finsteren Gesichtsausdruck auch ist - hatte und hat gegen Vettel keine Chance. Dass er das nicht öffentlich mit einem breiten Grinsen zugibt, liegt wohl in der Natur eines Sportlers, der auch noch elf Jahre älter ist.

Webbers Leistung ist aber wichtig für den vorzeitigen Gewinn der Konstrukteurswertung: Es wäre auch hier das dritte Mal nacheinander für das Privatteam im Kampf gegen die Traditionsrennställe und Hersteller. Schaffen Vettel und Webber - egal in welcher Reihenfolge - am Sonntag einen Doppelerfolg, kann Ferrari Red Bull in den zwei verbleibenden Rennen nicht mehr einholen.

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