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Sportmix Grenzen der Loyalität: Wohin führt Ricciardos Weg?
Sportbuzzer Sportmix Grenzen der Loyalität: Wohin führt Ricciardos Weg?
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10:19 27.04.2018
Begehrt bei den Formel-1-Topteams: Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo. Quelle: Luca Bruno/ap/dpa
Baku

Selbst im Kreuzverhör über seine Formel-1-Zukunft verging Daniel Ricciardo das Lachen nicht. Der für sein sonniges Gemüt bekannte Australier ließ die Fragen nach einem möglichen Abschied von Red Bull nach dieser Saison gleichmütig über sich ergehen.

„Ich würde nirgendwo hingehen, nur um des Wechselns willen. Ich würde sichergehen, dass es etwas Besseres ist als jetzt“, sagte Ricciardo am Rande des Grand Prix von Aserbaidschan, den er 2017 famos von Startplatz zehn aus noch für sich entschied.

Der 28-Jährige ist die Königsfigur auf dem Fahrermarkt für das kommende Jahr. Der Vertrag des Mannes aus Perth läuft Ende dieser Saison aus. Mercedes und Ferrari gelten als Kandidaten für eine Übernahme des „Honey Badger“ (Honigdachs), wie Ricciardo wegen seines breiten Grinsens genannt wird.

Im hysterischen Ferrari-Land Italien wird der Sohn eines Sizilianers längst als Nachfolger von Kimi Räikkönen und neuer Stallrivale von Sebastian Vettel gehandelt. Angeblich hat Ricciardo schon eine Absichtserklärung unterzeichnet. Bis zum 30. Juni soll demnach eine Vereinbarung gültig sein, wonach beide Parteien exklusiv über eine künftige Anstellung verhandeln können. „Das ist nicht wahr“, betonte Ricciardo. „Ich hatte bisher nur Gespräche mit Red Bull.“

Das Team hat ihm bis August eine Frist eingeräumt, das Angebot auf eine Verlängerung seines Kontrakts anzunehmen - oder eben nicht. Der bei Renault geparkte Spanier Carlos Sainz wäre ein Kandidat für die Nachfolge.

Mit dem 20-jährigen Max Verstappen hat Red Bull, der Rennstall von Milliardär Dietrich Mateschitz, noch einen zweiten Spitzenfahrer unter Vertrag. Das Ausnahmetalent hat sich bis Ende 2020 an das Team gebunden. Dann läuft auch der aktuelle Formel-1-Grundlagenvertrag aus. „Ich wäre froh, wenn Daniel im Team bleiben würde“, sagte Verstappen. „Wir haben ein tolles Verhältnis, es liegt aber an ihm.“

Ricciardo wägt seine Entscheidung danach ab, wo die WM-Chance größer ist. Denn die Krönung einer jeden Formel-1-Karriere strebt auch er ohne Zweifel an. Könnte sich der sechsmalige Grand-Prix-Gewinner jedoch auch eine Rolle als Nummer zwei vorstellen. Zum Beispiel hinter Vettel?

„Ich würde nirgendwo hingehen wollen, wo ich nicht das Gefühl hätte, dass ich eine Chance habe“, stellte Ricciardo klar. „Weltmeister zu werden, das ist mein Ziel, mein Traum, etwas woran ich wirklich glaube.“ Die Rolle als Adjutant behagt ihm einfach nicht. „Das ist für mich keine attraktive Option.“

Ricciardo will zumindest Chancengleichheit. Deshalb würde er es auch nicht ausschließen, an der Seite eines Weltmeisters zu fahren. Lewis Hamilton zum Beispiel, der in seiner eigenen Vertragsfrage bald Klarheit mit Mercedes erwartet. „Ich würde mich gerne mit den Besten messen und Lewis gehört unzweifelhaft dazu“, sagte Ricciardo. Das wäre eine „gute Herausforderung“ für ihn.

Mit Vettel als Stallrivale hat sich Ricciardo sogar schon einmal gemessen. Das war 2014. Damals war er als Nachfolger seines Landsmanns Mark Webber frisch vom Schwesterteam Toro Rosso zu Red Bull gewechselt. Am Ende der Saison hatte Ricciardo seine ersten drei Karriererennen gewonnen, Vettel keines. Der Heppenheimer wählte danach die Herausforderung Ferrari.

„Ich kann ihm nicht wirklich helfen. Er muss das Papier unterschreiben“, meinte Vettel zu den Gerüchten um Ricciardo, der zuletzt mit seinem Sieg in China Eigenwerbung betrieb. „Wir haben schon einmal zusammengearbeitet, es war ein zerfahrenes Jahr für mich. Wir kennen uns aber natürlich gut.“

Ricciardo weiß, was er an Red Bull hat, er entstammt dem Nachwuchsprogramm des Teams. Der leistungsschwächere Renault-Motor bietet aber längst nicht mehr die besten Voraussetzungen auf Siege und Titel. Red Bull liebäugelt daher mit einem Wechsel zu Honda, das mit Toro Rosso ein Testjahr durchläuft. Er werde immer eine gewisse Loyalität zu Red Bull haben, versicherte Ricciardo. Gegen einen Abschied spricht das aber auch nicht.

dpa

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