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Lisicki im Halbfinale - „schauen, was noch möglich ist“

London Lisicki im Halbfinale - „schauen, was noch möglich ist“

Sabine Lisicki bastelt weiter an ihrem Wimbledon-Sommermärchen. Auf den Tag genau 25 Jahre nach dem ersten Triumph von Steffi Graf zog die Berlinerin zum zweiten Mal in ihrer Karriere in das Halbfinale des bedeutendsten Tennisturniers der Welt ein.

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Sabine Lisicki zog ins Wimbledon-Halbfinale ein. Foto: Kerim Okten

London. Nach ihrem Zweisatz-Erfolg über die Estin Kaia Kanepi trifft die Berlinerin am Donnerstag auf Vorjahres-Finalistin Agnieszka Radwanska aus Polen. Das zweite Semifinale bestreiten Marion Bartoli aus Frankreich und die Belgierin Kirsten Flipkens. Damit steht fest, dass eine Premieren-Grand-Slam-Siegerin gekrönt wird.

„Ich fühle mich besser als vor zwei Jahren“, sagte Lisicki. „Aber es ist wichtig, nicht so weit vorauszuschauen. Mal schauen, was noch möglich ist“, sagte sie bei der Pressekonferenz im weißen T-Shirt mit einer in grüner Farbe aufgedruckten britischen Flagge. „Das wird ein schweres Match. Sie hat auch viel Selbstvertrauen“, sagte Lisicki vor dem dritten Duell mit Radwanska.

Weniger als 24 Stunden nach ihrem Sensations-Erfolg gegen die Weltranglisten-Erste und fünfmalige Wimbledon-Championesse Serena Williams aus den USA setzte sich Lisicki gegen Kaia Kanepi nach 65 Minuten locker in zwei Sätzen 6:3, 6:3 durch. „Ich hatte schon vor dem Turnier ein super Gefühl. Mit dem Sieg gegen Serena ist das natürlich noch gewachsen“, sagte Lisicki.

„she did it again...so schwer nach gestern und doch so souverän...“, twitterte Bundestrainerin Barbara Rittner. Hochkonzentriert präsentierte sich ihre Fed-Cup-Spielerin den Fans - auch wenn sie diesmal nicht auf den Centre Court durfte.

Doch auch auf Platz 1 demonstrierte Lisicki eindrucksvoll, warum der Rasenklassiker in London ihr Lieblingsturnier ist. Nirgendwo sonst geht die Weltranglisten-24. ihrer Arbeit so abgeklärt und mit solcher Spielfreude nach wie im All England Lawn Tennis Club.

Im Kampf um den Einzug ins Endspiel bekommt sie es mit der auf der Setzliste am höchsten eingestuften Spielerin zu tun: Der Weltranglisten-Vierten Agnieszka Radwanska. Die Polin setzte sich in drei Sätzen gegen die Chinesin Li Na durch. Lisickis Bilanz gegen Radwanska ist ausgeglichen.

Doch das mit dem Selbstvertrauen aber gilt für Lisicki umso mehr. Vor zwei Jahren noch scheiterte die Berlinerin in der Vorschlussrunde an der Russin Maria Scharapowa. In diesem Jahr trauen ihr nicht wenige spätestens seit dem Coup gegen Williams den ganz großen Coup zu.

Auch die englischen Zeitungen räumten auf den Titelseiten der jubelnden Lisicki mehr Platz ein als ihrem nationalen Hoffnungsträger Andy Murray. „Diese Unterstützung von den Fans ist unglaublich, es ist das beste Gefühl der Welt“, sagte Lisicki, die die Herzen der englischen Fans erobert zu haben scheint.

„Ich verspüre keinen Druck. Ich gehe in jedes Match, um es zu gewinnen. Ich bin wirklich bereit für das Halbfinale“, sagte die 23-Jährige. Lisicki ist erst die sechste Deutsche, die es in Wimbledon bis dahin geschafft hat neben Cilly Aussem, Hilde Krahwinkel, Bettina Bunge, Steffi Graf und zuletzt Angelique Kerber.

Letzte deutsche Titelträgerin an der Church Road war Steffi Graf im Jahr 1996. Lisickis neuer Trainer Wim Fissette jedenfalls hat schon einmal eine Grand-Slam-Siegerin betreut: die Belgierin Kim Clijsters. „Eine Stunde später hat sie schon an morgen gedacht, der Kopf ist schon in Richtung morgen. Und das ist sehr gut“, hatte Fissette nach dem Sieg gegen Williams gesagt. Denn warnende Beispiele gab es in diesen verrückten Wimbledon-Tagen genug: Der Federer-Bezwinger Stachowski schied eine Runde später aus, die Scharapowa-Besiegerin Larcher de Brito scheiterte ebenfalls nach ihrem Coup.

Doch Lisicki blieb auch gegen Kanepi fokussiert. Gerade noch rechtzeitig vor dem ersten Regenguss des Tages verwandelte die letzte im Feld verbliebene Deutsche ihren dritten Matchball. Mit einem Handtuch über den Schultern schrieb Lisicki Autogramme, während hinter ihr die grünen Planen über den Rasen gezogen wurden.

Als ihr im dritten Satz der Punkt zum 3:2 gelang, nickten auf der Tribüne Mutter Elisabeth, Vater Richard, Coach Fissette und Teamchefin Rittner nahezu im Takt anerkennend in Richtung Lisicki. Zwei Matchbälle vergab Lisicki, dann riss sie beide Hände in die Höhe und warf ihre nun schon obligatorische Kusshand ins Publikum.

dpa

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